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Krefeld
Neue Chancen für die Generation 55plus

Krefeld: Neue Chancen für die Generation 55plus
Gudrun Pleunes (58) hat eine neue Arbeitsstelle in der Kanzlei von Rechtsanwalt Josef Vogel (links) gefunden. Ein Beispiel, das anderen Mut machen sollte, meint Dirk Strangfeld, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Krefeld. FOTO: AA
Krefeld. 1398 Männer und Frauen aus der Altersgruppe 55plus haben im vergangenen Jahr eine neue Arbeitsstelle gefunden. Die Agentur für Arbeit will in den kommenden Monaten einen Schwerpunkt auf die Vermittlung älterer Erwerbsloser setzen. Von Norbert Stirken

Es hat gerade mal drei Monate gedauert, bis Gudrun Pleunes eine neue Beschäftigung gefunden hatte. Die 58 Jahre alte Rechtsanwalts-Fachangestellte hat sich bei der Agentur für Arbeit arbeitssuchend gemeldet und war wegen ihres Alters wenig optimistisch, eine neue Stelle zu finden. Der neue Arbeitgeber Stefan Vogels hingegen weiß um die Vorzüge älterer Bewerber. "Sie verfügen über Erfahrungen und bleiben in der Regel länger als jüngere Beschäftigte, die ihren Job als Durchgangsstation für ihre Karriere sehen", sagte der Jurist gestern bei der Vorstellung der Arbeitsmarktzahlen im Agenturbezirk Krefeld für den Januar.

Ein zukünftiger Schwerpunkt soll auf der Vermittlung von Menschen jenseits der 50 Jahre liegen, kündigte Dirk Strangfeld, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Krefeld, gestern an. Bislang profitiere diese Gruppe nicht in einem ausreichenden Maß von der guten Konjunktur in Deutschland. Gudrun Pleunes sei aber ein gutes Beispiel dafür, dass entsprechende Anstrengungen von Erfolg gekrönt sein können. Im Kalenderjahr 2015 hat die Arbeitsagentur 1398 Männer und Frauen aus der Altersgruppe 55plus in eine neue Erwerbstätigkeit entlassen können, informierte Sprecher Michael Becker gestern auf Anfrage unserer Redaktion. Im selben Zeitraum waren es 2412 bei den Unter-25-Jährigen.

Ältere Arbeitssuchende sollten sich also durchaus mit einem gesunden Selbstbewusstsein bewerben, appellierten Elmar Korn und Rechtsanwalt Josef Vogels. Die Chancen seien nicht so schlecht, erfolgreich zu sein. Laut Statistik verfügen die älteren Semester im Vergleich über eine solidere Schulbildung und eine bessere Berufsausbildung. Das Alter darf übrigens nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz keine Rolle bei der Entscheidung darüber spielen, welcher Bewerber die Arbeitsstelle bekommen soll. Hinzu komme die demografische Entwicklung, die älteren Bewerbern in die Hand spiele. Der sich abzeichnende Fachkräftemangel lasse der Wirtschaft keine andere Chance, als auf erfahrene ältere Kräfte zurückzugreifen.

Aktuell sind für den Agenturbezirk 8321 Männer und Frauen im Alter von 50 Jahren und älter statistisch erfasst. 3149 Personen bekommen Arbeitslosengeld und 5172 erhalten Hartz IV. Unter den Betroffen sind 45 Prozent Frauen und 55 Prozent Männer.

Die aktuellen Zahlen auf dem Arbeitsmarkt entsprechen den Erwartungen, erklärt Strangfeld. Die schlechte Witterung, auslaufende Zeitverträge zum Jahresende, das abgelaufene Weihnachtsgeschäft im Handel - all das führe dazu, dass die Arbeitslosenquote im Vergleich zum Vormonat steige. Für die Stadt Krefeld liegt die Quote bei elf Prozent, 0,4 Prozentpunkte mehr als im Dezember 2015, aber 0,3 Prozentpunkte weniger als noch vor einem Jahr. Damit liegt die Stadt Krefeld im Trend mit der Entwicklung im Kreis Viersen und im gesamten Agenturbezirk. Die Zahl der arbeitslosen Menschen, die 50 Jahre und älter sind, stieg in der Stadt Krefeld von 4239 auf 4324 - ein Anstieg um zwei Prozent. Freie Stellen werden überwiegend für Sicherheits- und Wachdienste sowie für das Sozial- und Gesundheitswesen gemeldet. "Das Sicherheitsgewerbe boomt wegen der Aufgaben im Flüchtlingsbereich", informierte Strangfeld. In der Statistik finde die Flüchtlingsentwicklung so langsam ihren Niederschlag, sagte der Geschäftsführer. Der Anteil der Menschen mit ausländischer Nationalität sei um knapp drei Prozent gestiegen. "Ich gehe von einer weiteren Steigerung im Februar aus", sagte Strangfeld. Für die Stadt Krefeld macht dieser Personenkreis einen Anteil von 23,8 Prozent an den arbeitslos gemeldeten Männern und Frauen aus.

Quelle: RP
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