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Krefeld
Neue Ostwall-Haltestelle: Einstieg beim Fahrer liegt auf der falschen Seite

Krefeld: Neue Ostwall-Haltestelle: Einstieg beim Fahrer liegt auf der falschen Seite
Die neue, 20 Millionen Euro teure Ostwall-Haltestelle bekommt einen Mittelbahnsteig. Fahrgäste können deshalb nicht mehr beim Fahrer einsteigen und bei ihm ihr Ticket lösen. Behinderte Fahrgäste der Linie U 76 können nicht barrierefrei ein- und aussteigen. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Die Rheinbahn kritisiert, dass die Stadt ihr keine Alternative für eine barrierefreie Haltestelle für die Linie U 76 in der Innenstadt benannt hat. Gestern wurde ein neuer Hochbahnsteig in Königshof eröffnet. Von Norbert Stirken

Die Stadt baut die Ostwall-Haltestelle für rund 20 Millionen Euro um, damit es schöner und für die Fahrgäste besser und einfacher wird. Der Verkehrsverbund Rhein Ruhr beteiligt sich an den Kosten mit einem beträchtlichen Zuschuss von neun Millionen Euro. Dass nach Abschluss der Arbeiten im Sommer oder Herbst alles perfekt ist, darf allerdings nicht erwartet werden. Behinderte Fahrgäste, insbesondere Rollstuhlfahrer der Linie U 76, die von der Düsseldorfer Rheinbahn zwischen der Landeshauptstadt und Krefeld betrieben wird, können am Ostwall nicht ohne Hilfe anderer Fahrgäste ein- und aussteigen.

Heike Schuster, Sprecherin der Rheinbahn, bestätigte auf Anfrage unserer Redaktion, dass die neue Ostwall-Haltestelle keine barrierefreie Lösung anbiete. Die Rheinbahn benutze Fahrzeuge, die an Hochbahnsteigen problemloses Ein- und Aussteigen ermöglichen. Die Stadtwerke Krefeld hingegen benutzen Niederflurbahnen. Die Ostwall-Haltestelle sei im Wesentlichen für die Stadtwerke Krefeld (SWK) konzipiert. "Natürlich haben wir unsere Bedürfnisse frühzeitig in den Planungsprozess eingebracht", betonte Heike Schuster. Eine Umsetzung sei nicht möglich gewesen. Auf die Bitte der Rheinbahn, die Stadt möge einen Standort benennen, an dem die Rheinbahn in der Innenstadt eine Haltestelle barrierefrei ausbauen könne, sei bis zum heutigen Tag keine Reaktion erfolgt. "Die Stadt ist darauf nicht eingegangen", sagt Heike Schuster. Gestern eröffneten Vertreter von Stadt und Rheinbahn allerdings einen neuen Hochbahnsteig an der so genannten K-Bahn-Trasse in Königshof. 1,4 Millionen Euro nehmen das Verkehrsunternehmen und der VRR in die Hand, um die 60 Meter langen und 95 Zentimeter hohen Bahnsteige so herzurichten, dass Mobilitätsbehinderte, Eltern mit Kinderwagen, Fahrradfahrer und Senioren leicht und bequem in die Straßenbahn hinein und aus ihr hinaus gelangen können. Königshof ist aber nicht Innenstadt.

Kritik an der neuen Ostwall-Haltestelle gibt es auch von anderer Seite. Wer in Zukunft sein Ticket beim Fahrer einer SWK-Straßenbahn lösen möchte, kann nicht mehr direkt in Höhe des Fahrers einsteigen. Die Tür liegt auf der falschen, der dem Bahnsteig abgewandten Seite. Fahrgäste müssen also durch eine der hinteren Türen einsteigen und sich in der Bahn nach vorne zum Fahrer durcharbeiten, um eine Fahrkarte zu lösen. In einer voll besetzten Bahn wahrscheinlich kein Vergnügen. Unter Umständen ist die Bahn schon losgefahren, ehe der Fahrgast den Fahrer erreicht hat.

"Grundsätzlich ist uns das Thema, selbstverständlich bekannt", sagt Dirk Höstermann, Sprecher der Stadtwerke Krefeld, auf Anfrage unserer Redaktion. Die Einstiegstür vorne beim Fahrer befinde sich auch nicht auf der falschen Seite, denn die meisten der SWK-Haltestellen hätten keinen Mittelbahnsteig, so dass die Fahrgäste auf der rechten Seite ein- und aussteigen könnten. Mittelbahnsteig-Haltestellen gebe es aber bereits an der Haltestelle Obergplatz und Danziger Platz. Insofern sei die Situation, dass auf der linken Seite ein- und ausgestiegen werde, für Fahrgäste und Fahrer nicht neu, erklärte Höstermann. Wer auf der linken Seite die vordere Tür benutzt müsse rund 5,50 Meter überwinden, bis er beim Fahrer sei. "Das halten wir für durchaus vertretbar, zumal es bautechnisch gar nicht möglich ist, auf der linken Fahrzeugseite eine Tür weiter vorne einzubauen", sagt der SWK-Sprecher.

Zudem müsse man berücksichtigen, dass nur ein sehr geringer Teil der Fahrgäste noch Tickets beim Fahrer löse. Knapp 80 Prozent der Fahrgäste seien Abonnenten, hätten also ihr Ticket beim Einstieg bereits in der Tasche. Unterm Strich verblieben nur etwa fünf Prozent der Fahrgäste, die tatsächlich noch ein Ticket beim Fahrer kauften, so Höstermann. Und hierbei müsse man dann noch berücksichtigen, dass nicht jeder dies beim Straßenbahnfahrer tue, sondern ein Teil dieser fünf Prozent wiederum beim Busfahrer sein Ticket kaufe, bei dem der Einstieg direkt vorne beim Fahrer erfolge. "Wir werden aber für diese, wenn auch wenigen, Fahrgäste weiterhin den Ticketkauf beim Fahrer beibehalten", sagt der SWK-Sprecher. Die SWK rechnen übrigens mit rund zwölf Millionen Fahrgäste an der Haltestelle Ostwall jährlich. Demnach wären bis zu 600 000 Kunden jährlich von der ungünstigen Regelung beim Ticketkauf beim Fahrer betroffen.

Auch für die Probleme der Rheinbahn haben die SWK eine Lösung parat. Sie schlagen etwa den Rollstuhlfahrern vor, mit der Linie 041 vom Ostwall bis zur Haltestelle Grundend zu fahren, dort umzusteigen und über eine Rampe auf den Hochbahnsteig der Rheinbahn für die U76 zu gelangen.

Quelle: RP
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