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Krefeld
Neuer Pächter rettet verdrecktes Zoocafé

Krefeld: Neuer Pächter rettet verdrecktes Zoocafé
Frischer Wind im Zoo-Café: Chef Dzemal Delic führt seit Mai die Gastronomie im Zoo. Betriebsleiterin ist Anna Liskes, die das Café von früher kennt und sehr zu schätzen weiß, wie viel sich in der kurzen Zeit schon änderte. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Dzemal Delic und sein Bruder Adis führen jetzt die Zoo-Gastronomie. Sie mussten zuerst vier Container Müll rausholen. Von Bärbel Kleinelsen

Irritiert bleiben ein paar Zoo-Besucher vor dem Grotenburgschlösschen stehen. "Haben Sie einen neuen Pommes-Wagen?", fragen sie Dzemal Delic. Der neue Chef der Zoo-Gastronomie muss verneinen. Doch: "Irgendwie sieht hier alles anders aus", sagen die Mütter, die offensichtlich öfter den Zoo besuchen. Delic nickt. "Wir haben geputzt, aufgeräumt und den ganzen Müll weggeräumt", erklärt der 42-Jährige. Das sei aber nur ein Anfang, richtig renoviert werde erst in den Wintermonaten, um den Gästen im Frühjahr 2016 ein modernes Restaurant zu präsentieren, das sich vom Aussehen her der Umgebung anpasse. "Ich möchte noch nicht zu viel verraten oder mich festlegen lassen. Eins kann ich versprechen, es wird schön", sagt Delic.

Gemeinsam mit Bruder Adis leitet der Familienunternehmer mehrere gastronomische Betriebe. Dazu zählt die Gastronomie am Unterbacher See in Düsseldorf, ein Eiscafé in Mönchengladbach und Betriebe in Velbert und Wattenscheid. Die Eltern legten mit mehreren Balkan-Restaurants in Velbert und dem Ruhrgebiet den Grundstein für den Familienbetrieb. Ihre drei Söhne jedoch sollten "etwas Anständiges" lernen. "Ich habe also ganz brav eine Ausbildung im Elektromaschinenbau gemacht. Drei Monate nach Abschluss der Lehre habe ich allerdings meinen ersten Gastro-Betrieb eröffnet. Trotzdem habe ich in der Ausbildung viel gelernt, was mir heute noch zugute kommt", erzählt der zweifache Familienvater mit den bosnischen Wurzeln. Von Krefeld und seinen Menschen ist er begeistert. "Es sind hier alle sehr freundlich. Auch mit den Zoo-Mitarbeitern verstehe ich mich gut. Ich habe es wirklich gut angetroffen."

Mit Blick auf den Zustand der Zoo-Gastronomie kann er das leider nicht behaupten. Sein Vorgänger hat ihm jede Menge Arbeit hinterlassen. "Es war alles dreckig, ungepflegt, und es stank bereits beim Eintritt ins Café nach Toilette. Das war ekelig", erinnert sich Delic. Vier Container voller Müll mussten er und sein Team aus dem Café rausholen, bevor sie mit dem Aufräumen beginnen konnten. Delic ließ die vor Schmutz steifen Gardinen von den Fenstern entfernen, die Toiletten säubern, den Kanal reinige, die Küche polieren und stellte auf der Terrasse neue Sonnenschirme auf. Der Müll, der früher mindestens eine Woche vor dem Gebäude vor sich hin müffelte, wird jetzt täglich abgeholt. Zufrieden ist der Chef immer noch nicht, aber es ist ein Anfang.

Es herrscht Aufbruchstimmung im Schlösschen. Das freut besonders die Mitarbeiter, die auch die früheren Zeiten kannten. "Selbst das Provisorium jetzt ist schon so viel besser, als das was vorher war. Wir sind alle stark motiviert und freuen uns auf das, was kommt", sagt Betriebsleiterin Anna Liskes.

Statt lange auf eine Bedienung warten zu müssen, können sich Besucher jetzt ihre Speisen und Getränke selbst holen. Die Preise unterscheiden sich nicht, egal ob die Pommes an der Bude oder im Restaurant gekauft wird. Auch die idyllischen Sitzplätze am Teich sind nicht mehr nur für Café-Besucher reserviert. "Ich möchte, dass sich meine Gäste wohlfühlen. Sie können sich ihren Sitzplatz frei aussuchen und auch mit einem Eis am Stiel drinnen Platz nehmen. Das ist egal", erklärt der Gastwirt, der auch für die Eisbude Richtung Affenhaus zuständig ist. In Zukunft soll es dort auch Pommes oder Kaffee geben. Delic: "Das verhindert an schönen Tagen lange Wartezeiten. Es wird dann auch dort Sitzmöglichkeiten geben."

Familie Delic will Krefeld lange treu bleiben. Der Pachtvertrag läuft über 20 Jahre. 500 000 Euro wird der Gastronom in den nächsten Jahren in den Umbau des Schlösschens investieren. Es soll ein modernes Restaurant mit einer abwechslungsreichen Speisekarte werden. Regionale Produkte sollen dazu gehören, frisch zubereitet und nicht aus der Dose. Delic: "Ich will das Schlösschen zu einem schicken Teil machen, auf das auch die Mitarbeiter stolz sein können."

Quelle: RP
 
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