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Krefeld
Neuer Ratgeber soll Begegnung mit Demenzkranken leichter machen

Krefeld. Der Ratgeber "Fischelner Demenzlotse" wendet sich an Menschen, die wenig über das Krankheitsbild wissen. Herausgeber ist das Bündnis Leben mit Demenz.

Eine neue Broschüre soll dazu beitragen, Berührungsängste mit Demenz-Patienten abzubauen. "Fischelner Demenzlotse" heißt die 20 Seiten starke Veröffentlichung, die das Bündnis "Leben mit Demenz in Fischeln" jetzt herausgegeben hat. Das Heft richtet sich inhaltlich nicht an Angehörige von Demenzkranken, sondern explizit an Menschen, die nichts oder wenig über das Krankheitsbild wissen.

"Wir wollen mit dieser Broschüre Nachbarn, Bekannte, einfach alle, denen Demenzerkrankte in Fischeln begegnen können, erklären, wie man verständnisvoll mit Betroffenen umgeht", sagt Manuela Hansmann, Projektkoordinatorin vom Arbeiter-Samariter-Bund. Oft herrsche die Meinung, Demenzkranke seien alte, verwirrte Menschen, die nicht mehr sprechen können. "Dieses Bild ist aber unvollständig und gilt vor allem für Menschen in einer späten Phase der Erkrankung", klärt Hansmann auf. "Menschen mit Demenz sind auch nach Ausbruch der Krankheit noch lange sie selbst, gehen weiter einkaufen, fahren Bus, erledigen Bankgeschäfte oder gehen ihren Hobbys nach." Sie seien dabei auf Bereitschaft angewiesen "dass wir uns in ihre Welt hineinversetzen".

Wie das geht, ist im Demenzlotsen in leicht verständlicher Sprache dargestellt. Dabei werden die vier wesentlichen möglichen Symptome einer Demenz - Orientierungsstörung, Denkstörung, Sprachstörung, Gedächtnisstörung - erklärt und im Anschluss Tipps gegeben, wie auf den Patienten eingegangen werden kann. Wichtig: Die Gefühle des Erkrankten sollen nicht verletzt werden. Ein Beispiel: Ein Patient hat seine Bekannte bereits fünfmal angerufen und sich erkundigt, wann die Chorprobe beginnt. "Bei einer Demenz kann diese Information nicht abgespeichert werden, der Erkrankte weiß also nicht, dass er die Antwort schon fünf Mal bekommen hat", erklärt Dirk Bahnen, Vorstandsmitglied der Alzheimer Gesellschaft. "Zu antworten, dass man schon fünf Mal gesagt hat, dass die Probe um 17 Uhr beginnt, kann bei dem Betroffenen eine Katastrophe auslösen, da er sich zu Unrecht behandelt fühlt oder auf ein Symptom gestoßen wird, das ihm Angst bereitet." Besser sei, die Information mit starken positiven Gefühlen zu verbinden, wie: "Weißt du noch die schönen Lieder, die wir beim letzten Konzert gesungen haben?". Durch die Gefühle kann das Gedächtnis aktiviert werden.

In optisch hervorgehobenen Info-Kästen werden Kurztipps zum Umgang mit den verschiedenen Symptomen übersichtlich dargestellt. Bebildert ist die Broschüre mit Karikaturen von Peter Gaymann, bekannt unter anderem durch seine Veröffentlichungen im Magazin "Brigitte". "Die Zeichnungen sollen das Thema Demenz mit Humor vermitteln und aus der Tabu-Ecke herausholen", sagt Hansmann. Der Karikaturist hat die Arbeiten aus seinem Kalender "Demensch - Für einen menschenfreundlichen Umgang mit der Demenz" kostenlos zur Verfügung gestellt.

Die Broschüre ist aus Mitteln der Deutschen Fernsehlotterie gefördert und in einer Erstauflage von 1000 Stück erschienen. Es wird an vielen öffentlichen Orten in Fischeln ausgelegt und kann auch per Mail und telefonisch kostenlos angefordert werden. Kontakt: Manuela Hansmann, Telefon: 02151/9341718, E-Mail: m.hansmann@asb-krefeld.de

(cpu)
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