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Krefeld
Neuer Schatz: Arpvars Schwert rekonstruiert

Prunkschwert in der Burg Linn ausgestellt
Krefeld. Er ist Krefelds Weltberühmtheit: Der Mann mit dem Goldhelm. Jetzt wurde sein 1500 Jahre altes Schwert nachgebildet. Von Carola Puvogel

Sein goldener Helm ist weltberühmt, die prachtvollen Grabbeigaben des Fürsten Arpvar haben das römisch-fränkische Gräberfeld in Gellep und das Museum Burg Linn zur Pilgerstätte für Archäologen gemacht. Jetzt hat das Museum einen weiteren Schatz für seine Sammlung bekommen: eine Rekonstruktion von Arpvars Fürstenschwert. Für Museumsleiterin Jennifer Morscheiser ist dies ein aufregender Moment. Denn erstmals ist es gelungen, zu zeigen, wie die Klinge einer zweischneidigen "Spatha" im 6. Jahrhundert nach Christus tatsächlich ausgesehen hat.

Prachtvolle Grabbeigabe für den fränkischen Fürsten Arpvar: Die Rekonstruktion seines Prunkschwerts ist jetzt im Museum Burg Linn zu bestaunen. FOTO: Lamm

"Natürlich haben wir das Original hier im Museum", berichtet sie. "Doch das Schwert ist stark korrodiert. Mit der Nachbildung können wir jetzt nachvollziehen, was für eine besondere Klinge das ist", sagt die Archäologin und deutet auf das feine Muster im glänzenden Metall der Nachbildung. Ab heute wird das Schwert in der großen Vitrine zusammen mit Goldhelm, dem Original-Schwert und den anderen Grabbeigaben zu bestaunen sein. Später im Jahr soll es im Zuge einer Umgestaltung der Ausstellung eine eigene Vitrine bekommen, ein Film wird außerdem zeigen, wie das Schwert hergestellt worden ist.

Die neue Linner Attraktion ist dem Münsteraner Archäologen Ulrich Lehmann zu verdanken. Er hat im Rahmen seiner später mit der Bestnote "summa cum laude" bewerteten Doktorarbeit 32 Schwerter mit Hilfe eines Computertomografen durchleuchtet, verloren geglaubtes sichtbar gemacht und die Ergebnisse beurteilt. Das war im Jahr 2013. Schnell stellte sich heraus, dass das Linner Prunkschwert etwas ganz Besonderes ist: "Handwerklich gesehen war es das qualitätsvollste der gesamten Untersuchung", berichtet Lehmann. Schweißmuster und Klingenaufbau seien "ohne Vergleich" und so ähnlich schon bei der Sagenfigur Dietrich von Bern beschrieben worden. Dafür, dass es im Kampf tatsächlich auch benutzt worden ist, "Blut" daran klebt, gibt es übrigens kaum Anhaltspunkte. "Das Schwert hat nur wenig Abnutzungspuren", berichtet Lehmann.

Archäologe Ulrich Lehmann, Museumsleiterin Jennifer Morscheiser, Sparkassen-Chefin Birgit Roos sowie Aurelia Dickers vom Landschaftsverband Westfalen Lippe zeigen das neue Fürstenschwert. Das stark korrodierte Original ist auf dem mittleren Foto zu sehen. Rechts ein Eindruck des Schweißmusters der nachgebildeten Klinge. FOTO: Lammertz Thomas

Um weitere Erkenntnisse über die für damalige Verhältnisse revolutionäre Metallverarbeitung zu gewinnen, entstand die Idee, die Klinge mit dem ursprünglichen Verfahren nachzuschmieden. Ein kompliziertes Verfahren, dem sich Stefan Roth aus der Nähe von Braunschweig gestellt hat. Er, sagt Lehmann, sei überhaupt einer der ganz wenigen, die sich noch auf die traditionelle Schmiedekunst verstehen. Lehmann berichtet von der Herstellung der drei Ausgangsmaterialien, die in einem Brennofen mit Erz und Holzkohle, insgesamt eine halbe Tonne, verhüttet wurden. Stahl mit 0,5 Prozent Kohlenstoff für die Schneiden, "reines Eisen" und "Phosphoreisen" für die so genannten Kompositstäbe im Mittelteil der Klinge, "Wir haben bewusst darauf verzichtet, Industriestahl oder generell moderne Hilfsmittel zu verwenden", erläutert Lehmann.

Rund 210 Arbeitsstunden verschlang allein das Herstellen der Klinge, viele weitere die Rekonstruktion des Griffes. "Das ist ein immenser Aufwand", meint Lehmann. Dennoch sei die handwerkliche Qualität des Originals wohl höher, denn trotz aller Kunstfertigkeit Stefan Roths fehle eben doch die lebenslange Erfahrung, die ein mittelalterlicher Schmied gehabt habe. "Aber wir haben jetzt einen originalgetreuen Eindruck vom Aussehen des Prunkschwerts des Fürsten Arpvar."

FOTO: Lammertz Thomas

23.000 Euro hat das neue-alte Schwert gekostet. Geld, das die Freunde der Museen Burg Linn, die Landschaftsverbände Rheinland und Westfalen-Lippe sowie die Sparkassen-Kulturstiftung aufgebracht haben.

Quelle: RP
 
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