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Krefeld
Neuer Trend: Spinner haben Dreh raus

Krefeld: Neuer Trend: Spinner haben Dreh raus
Die zwölfjährige Aeer kann ihren Spinner von einer Hand zur nächsten gleiten lassen und auch von Finger zu Finger hüpfen lassen. FOTO: Ann-Sophie Knuffmann
Krefeld. Krefelds Schüler drehen ab. Das neue Spielzeug, das aus Amerika kommt, heißt Fidget Spinner und ist ein Fingerkreisel. Von Bärbel Kleinelsen und Ann-Sophie Knuffmann

Die spinnen, die Krefelder. Nicht alle, aber vor allem die jungen. Schuld daran ist der neueste Spiel-Trend, der auch den Niederrhein erreicht hat. "Fidget Spinner" oder Fingerkreisel heißen die sternförmigen, rotierenden Körper, die sich meist zwischen Daumen und Zeigefinger drehen. Sie gibt es in unzähligen Variationen, mal mit Licht, mal im Metallic-Look, mit spitzen Ecken oder auch ganz rund, in Blütenform oder wie Batman geformt. Krefelds Schüler lieben sie alle, und viele besitzen gleich mehrere der Spinner und können mit den Kreiseln kleine Kunststückchen vorführen.

In den Schulen beobachten Lehrer den Trend mit gemischten Gefühlen. So störend wie der "Bottle Flip", zu deutsch Flaschensalto, bei dem eine gefüllte Flasche geworfen wird, mit dem Ziel, dass sie beim Landen aufrecht stehen bleibt, sind die Spinner auf jeden Fall nicht. Trotzdem können auch die Fingerkreisel den Unterricht stören, wie Kathrin Rengers, Schulleiterin der Gesamtschule Kaiserplatz, festgestellt hat. "Beginnt ein Schüler im Unterricht mit einem Spinner zu spielen, lenkt das nicht nur ihn, sondern auch direkt alle anderen Mitschüler ab", sagt sie. Aus diesem Grund wurden die Spinner am Kaiserplatz schnell aus den Schulgebäuden verbannt. Nur noch in den Pausen dürfen die Schüler sich und ihre Mitschüler mit dem Spielzeug unterhalten.

Das Gleiche gilt für die Schüler der Gesamtschule Oppum. "Spielgeräte sind im Schulgebäude verboten. Dazu gehört auch der Spinner", erklärt Birgit Oelmüllers-Hoff, Leiterin der Gesamtschule Oppum. In den Pausen dürfen die Kinder damit so viel spielen wie sie möchten. Die einzige Bedingung dabei ist, dass kein anderer Schüler Schaden nimmt und verletzt wird. "Sobald eine Verletzungsgefahr für die Mitschüler besteht, wird das Spielzeug ganz verboten. Für alle Schüler", betont Oelmüllers-Hoff.

Kaiserplatz-Schüler Stefan, zwölf Jahre alt, macht gerne kleine Kunststücke mit seinem Kreisel, den er sich dann auf Nase oder Zeh setzt. FOTO: Knuffmann

Ursprünglich kommen die "Fidget Spinner", der Begriff setzt sich aus den englischen Wörtern für "Zappel-Philipp" und "kreiseln" zusammen, aus den USA. Dort wurden sie bereits 1997 von ihrer Erfinderin Catherine Hettinger zum Patent angemeldet und sollten Menschen mit Konzentrationsschwierigkeiten helfen, ruhiger zu werden. Hettinger selbst litt damals an einer schweren Autoimmunkrankheit, so dass sie nicht mal mehr mit ihrer siebenjährigen Tochter spielen konnte. Ihre Muskeln waren so geschwächt, dass sie keine Spielzeuge in der Hand halten konnte. Nach viel Experimentieren und Probieren landete sie so bei einer frühen Version des Fidget Spinners. Hettinger präsentierte ihre Erfindung vielen großen Unternehmen, darunter auch dem amerikanischen Spielwarenhersteller Hasbro. Doch keine Firma glaubte an einen Markterfolg des Kreisels.

Von dem weltweiten Siegeszug, den die Spinner mittlerweile angetreten haben, hat Hettinger jedoch immer noch nichts. Im Jahre 2005 lief ihr Patent aus. Für die Erneuerung des Patents fehlten ihr damals die finanziellen Mittel. Die Onlineplattform GIGA für Technik und Games berichtet, Hettinger lebe heute sogar in Armut und könne sich nicht einmal einen Telefonanschluss leisten.

Dabei sind die kleinen Fingerkreisel mittlerweile so beliebt, dass sie viele Eltern zur Verzweiflung treiben. Denn in zahlreichen Krefelder Läden waren die Spinner zwischenzeitlich ausverkauft. Das Spielwarengeschäft Hülldopp startete mit einem Grundbedarf an Kreiseln. Aber die Nachfrage wurde immer mehr. Mittlerweile werden dort nicht mehr nur die gängigen Fidget Spinner, sondern auch besonders schöne und ausgefallene Modelle verkauft. Auch bei Toys'R'Us ist das Interesse sehr groß. Die Spinner waren so schnell ausverkauft, dass schon nach kurzer Zeit eine Nachbestellung getätigt werden musste. Nun sind auch sie wieder mit neuen Kreiseln ausgestattet.

Der Buchhandel Thalia konnte aufgrund von Problemen beim Einkauf erst sehr spät dem Trend nachkommen. Seit einigen Tagen nun sind die Kreisel dort im Verkauf zu finden. Doch wurde schon in diesen wenigen Tagen eine große Anzahl von ihnen verkauft. Im Internet gibt es die Kreisel zwar auch, allerdings muss man dort mit Wartezeiten bis zu einem Monat rechnen, will man nicht das Dreifache des üblichen Preises zahlen, der um die fünf, sechs Euro liegt.

Auch wenn in vielen Krefelder Geschäften die Kreisel weiter stark gefragt sind, wie beispielsweise bei Hülldopp, so vermuten einige Lehrer und Verkäufer, dass es bereits einen langsamen, aber sicheren Rückgang dieses Trends gibt.

Wer jedoch zu den glücklichen Besitzern eines solchen Kreisels gehört, der kann nach Lust und Laune vor sich hinspinnen. So wie die zwölfjährige Aeer, die ihren Kreisel von einem Finger auf den nächsten hüpfen lassen kann. Oder Stefan, bei dem sich der Spinner auf der Nase dreht. Bei Aeer tanzt der Spinner von einer Hand zur nächsten, während Stefan ihn auf seinen Zeh setzt. Angespornt werden die Spinner-Profis von ihren Mitschülern. Und auch die Lehrer bewundern die Kreisel-Tricks. Vorausgesetzt natürlich, die Spinner stören den Unterricht nicht. Dann werden die Kreisel sofort eingesammelt - und von einigen Lehrern selber benutzt, wie ein Schüler ganz empört berichtet.

Quelle: RP
 
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