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Krefeld
Neues Buch über das fränkische Gräberfeld

Krefeld: Neues Buch über das fränkische Gräberfeld
Renate Pirling (2.l.) stellt ihr Buch vor mit (v.l.) Jeannine Moens, Vorsitzende des Vereins Freunde der Museen Burg Linn, Christoph Reichmann und Museumsleiterin Jennifer Morscheiser. FOTO: Stadt Krefeld
Krefeld. Die ehemalige Leiterin des Museums Burg Linn, Professor Renate Pirling, hat das Buch "Das fränkische Gräberfeld von Krefeld-Stratum" in der Edition Archaea veröffentlicht. Das 80 Seiten umfassende Buch beschreibt alle Gräber mit ihren Funden, ergänzt durch zahlreiche Zeichnungen der Objekte und Gräber. Verschiedene Lagepläne lassen die Fundstellen gut verorten. Pirling fasst die Ort- und Grabungsgeschichte, die Anlage der Gräber, Bestattungsformen sowie die Beigaben kompakt zusammen.

Bereits Mitte der 1930er-Jahre entdeckte der damalige Museumsdirektor Albert Steeger in Krefeld-Stratum Teile eines fränkischen Gräberfeldes. Es befindet sich rund 600 Meter vom großen römisch-fränkischen Gräberfeld von Krefeld-Gellep entfernt. Steeger deckte in Stratum 153 Gräber aus dem 5. bis 7. Jahrhundert auf. Darunter waren überraschenderweise nahezu die Hälfte Brandbestattungen, was für diese Zeit im Rheinland ungewöhnlich ist.

Wegen einer anstehenden Bebauung in Stratum fanden 1978 und 1980 zwei Kampagnen am Grenzbereich der Grabungen von Steeger statt, bei denen 49 weitere Gräber freigelegt wurden. Während nach Osten und Norden die Grenze mit einiger Wahrscheinlichkeit erreicht ist, bleibt sie im Süden unklar. Vermutlich befinden sich in diesem Bereich noch Gräber.

Weil Renate Pirling gehofft hatte, dort weiter graben zu können, hatte sie bislang auf eine Veröffentlichung der bisherigen Funde verzichtet. In absehbarer Zeit wird sich jedoch keine Grabungsmöglichkeit ergeben. Die fränkischen Gräber liegen geschützt unter einer Asphaltdecke, und das Gelände ist als Bodendenkmal eingetragen. In der 80-seitigen Publikation hat Pirling nun das Fundmaterial zusammengefasst, um es der Forschung zugänglich zu machen. Das Stratumer Gräberfeld sei im fünften Jahrhundert, wahrscheinlich um dessen Mitte, begründet worden. "Es ist klar, dass es sich bei den ersten in Stratum Beigesetzten um Neuankömmlinge handelte, sicher von jenseits des Rheins", berichtet Pirling.

Die Bestattungssitten der damaligen Zeit haben sich stark von denen der nur einige hundert Meter entfernt lebenden Gelleper Bevölkerung unterschieden. Dies zeige neben der Nord-Südausrichtung eines großen Teils der Bestattungen am deutlichsten die hohe Anzahl an gefundenen Brandgräbern. Auffällig seien unter anderem die relativ vielen Pferdegräber mitten zwischen den menschlichen. Fünfmal wurden in Stratum solche aufgedeckt, im nahen Gellep kamen sechs zutage, die sich auf rund tausend fränkische Gräber verteilen.

Das Buch ist in der Edition Archaea, Schwelm, erschienen und kostet im Buchhandel und im Museumsshop 39 Euro.

Quelle: RP
 
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