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Krefeld
Neues Label für die Mode-Stadt Krefeld

Krefeld: Neues Label für die Mode-Stadt Krefeld
Lisa Schüßler (links) und Andrea Hitschler wählen im Atelier in Fischeln einen Hahnentritt-Wollstoff für ein Cape aus. Das schwarze Kleid mit dem Paillettenkragen (rechts) ist partytauglich. Ohne Glitzer ist es fürs Büro geeignet. FOTO: Nein
Krefeld. Mit L.A.S.H Crefeld gehen Andrea Hitschler und Lisa Schüßler neue Weg: Kollektionspremiere ist heute in einer Kunstgalerie. Von Petra Diederichs

Bisher wusste Andrea Hitschler immer ganz genau, für wen sie den Stoff auswählte, den Zuschnitt machte und sich an die Nähmaschine setzte. Als Maßschneiderin hat sie den direkten Kontakt zu ihren Kundinnen. Demnächst kann es ihr passieren, dass sie ihre Mode auf der Straße oder bei einer Veranstaltung sieht - und die Trägerin gar nicht kennt. Ein Abenteuer. Und so empfindet die Krefelderin auch ihre neuen beruflichen Schritte: Neben der Maßschneiderei, die sie weiter betreibt, hat sie gemeinsam mit Lisa Schüßler das Modelabel "L.A.S.H Crefeld" gegründet. Ihre erste Kollektion hat am heutigen Mittwoch um 20 Uhr Premiere - in der Ausstellung "You're welcome" mit Bildobjekten von Barbara Adamek in der Galerie Meta Weber.

Der Ort ist nicht zufällig gewählt: Die selbstbewusste Frau, die sich für Kultur und gesellschaftliches Leben interessiert, gehört zur Zielgruppe der beiden Krefelderinnen. "Wir stellen hohe Ansprüche an Qualität", sagt Hitschler. Deshalb verwenden sie ausschließlich europäische Stoffe und lassen in Deutschland fertigen. In ihrem Fischelner Atelier entstehen die Ideen für die Kollektion, die in kleinen Boutiquen und online verkauft wird: zwei Hosen, ein Kleid, ein Blaser, ein Rock und mehrere Blusen, Capes und Ponchos - deren Grundschnitte jeweils durch Stoffauswahl oder Accessoires variiert werden - vom klassisch-minimalistischen Büro-Look bis zum glamouröseren Auftritt auf der Afterwork-Party. "Nicht zu streng und nicht zu speziell ist meine Linie. Es darf ein bisschen verspielt sein, muss aber Klasse haben", sagt Hitschler. "Ich kann hier meine Kreativität ausspielen und meine 20-jährige Berufserfahrung. Rund 15 Teile umfasst die "Lash"-Kollektion in zahlreichen Variationen vom Wollmix bis zum Stretchleder, von Seide bis Jersey.

Lässiger Auftritt in Jeans und Oversize-Bluse. FOTO: Nein

Maßschneiderei, sagt die Schneidermeisterin, ist ein erfolgreiches Geschäft: "Es gibt genügend Leute, die das Geld haben und ganz spezielle, individuelle Mode wollen", erklärt sie. Aber nicht immer können sich alle vorstellen, wie aus einem Ballen Tuch ein Kostüm wird. Nicht immer möchten sie auf das neue Unikat warten. Und: "Bei Maßanfertigungen sind die meisten Kunden 40 Jahre und aufwärts, viele sogar 60 plus. Für jüngere Leute ist das zu teuer, wenn es nicht gerade das Hochzeitskleid ist." Etwas sehen, Gefallen daran finden, mitnehmen - dem Einkaufsverhalten soll "Lash" entgegenkommen. Aus ihren Initialen haben Lisa Schüßler und Andrea Hitschler ihr Label kreiert. "Crefeld ist eine Hommage an den ehrwürdigen Modestandort Krefeld."

Ein Blaser aus der ersten Kollektion kostet 389 Euro, eine Stoffhose 160 bis 190, eine Bluse ab 149. "Wir wissen, dass keiner auf uns wartet, aber wir wollen Neuland erobern", sagt Hitschler. Die 47-Jährige hat ein abgeschlossenes Diplom-Studium am "Chambré Syndicale de la Coutoure Parisienne" und präsentierte ihre Mode regelmäßig bei der "Größten Straßenmodenschau der Welt". Sie hat bei "Lash" den kreativen Part übernommen: Sie entwirft die Kollektion, die im Atelier in Größe 36 entsteht. Schüßler (25) ist gelernte Design-Ingenieurin der Mode. Sie kümmert sich um den technischen Part, die Schnittvergrößerungen bis Konfektionsgröße 42 und den online-Auftritt. Stoffe kaufen beide gemeinsam ein. "Wir ergänzen uns gut - vielleicht auch, weil wir altersmäßig so weit auseinander liegen", sagt Hitschler.

Klassisch im schwarzen Hosenanzug: Der Pfiff sind die Reißverschlüsse im Blaser und der Ledereinsatz der Hose. FOTO: Lothar Strücken

Zwei festangestellte Schneiderinnen beschäftigt sie in ihrem Atelier, zwei weitere in Heimarbeit. "Und wir haben Zwischenschneiderinnen, die ganz flexibel reagieren können", berichtet die Meisterin. "Das muss sein, weil wir ja noch keine Erfahrungswerte haben, was besonders gefragt ist." Geht die Oversize-Bluse mit kontrastfarbigem Kragen in Größe 40 weg wie die sprichwörtlichen Semmeln, muss das junge Unternehmen nachlegen. Oder mehr partytaugliche Röcke in 38 liefern oder Five-Pocket-Jeans in 42. Die Zwischenschneiderinnen fertigen dann den Grundschnitt nach Ansage. Die Modefrauen glauben, dass der Markt zwischen Größe 36 und 40 am größten ist. "Aber es ist kein Problem, ein Kollektionsteil auch in Größe 46 zu nähen", sagt die Maßschneiderin.

Quelle: RP
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