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Krefeld
Nicks Vormund streitet mit der Stadt

Krefeld: Nicks Vormund streitet mit der Stadt
Oktober 2008: Christian Schmidt kümmert sich um Nick. Seit Jahren streitet und prozessiert er mit der Stadt, damit der Junge gefördert werden kann. FOTO: TL
Krefeld. Zum Jahresende läuft die Zusage der Finanzierung der Hilfen für den schwerstbehinderten, 14-jährigen Nick Maas aus. Sein Vormund und Zieh-Vater Christian Schmidt und viele Unterstützer sorgen sich darum, wie es weitergeht. Von Norbert Stirken

Die Uhr tickt. Die Frist läuft ab. Bis zum 31. Dezember dieses Jahres ist die Finanzierung der Leistungen für den schwerstbehinderten Nick Maas durch die Stadt Krefeld gesichert. Wie es dann für den 14-Jährigen weitergeht, der im Alter von zwei Monaten an einer bakteriellen Hirnhautentzündung erkrankt ist, darüber macht sich nicht nur der Vormund und Stiefvater Christian Schmidt Gedanken. Gestern gingen rund 100 Unterstützermails in unserer Redaktion mit der Bitte ein, die Notsituation des hilflosen Jungen zu schildern.

Für Schmidt liegt der Schwarze Peter eindeutig in der Krefelder Stadtverwaltung. Dort würde rechtswidrig nicht auf seine Anträge reagiert, Beratung verweigert, Leistungen vorenthalten, Fristen verstrichen lassen und Kommunikation unterbunden. Schmidts Hoffnungen liegen beim neuen Oberbürgermeister Frank Meyer. In seiner Not schrieb er ihn vor wenigen Tagen mit der Bitte um ein Gespräch an. "Herr Meyer, wir beide wissen, wie wichtig Kommunikation und aufeinanderzugehen ist. Daher bitte ich Sie eindringlich, Ihre Entscheidung zu überdenken und Ihr Wahlversprechen, zielführend alle erneut an einen Tisch zu bringen, umzusetzen."

Der Sachverhalt ist komplex und kompliziert und bemüht schon seit Jahren die Sozialgerichte. Ursprünglich lebte Nick mit seinen Eltern in Krefeld. Nach der Geburt und den schweren gesundheitlichen Beeinträchtigungen kümmerten sich die Mutter und ihr Lebensgefährte Christian Schmidt um den Jungen. Inzwischen ist die Mutter gestorben, Christian Schmidt setzt sich seitdem mit aller Energie für die Rechte des 14-Jährigen ein, dem in Krefeld vor vielen Jahren große Unterstützung von Seiten der Bevölkerung zuteil wurde, um die Kosten für eine Delfin-Therapie aufzubringen. Inzwischen leben Nick und sein Vormund in Ostfriesland nahe Leer.

Über die Zuständigkeit der Behörden gibt es seit Anfang 2013 Streit. Das Sozialgericht Köln urteilte, dass die Stadt Krefeld bis zu einer endgültigen Entscheidung zur Hilfegewährung verpflichtet ist. Das betrifft grundsätzlich nicht nur die 24-Stunden-Pflege, sondern auch entstehende Kosten, die anfallen, damit der Junge am Leben teilhaben kann. Dazu zählt etwa die Teilnahme an einer Fahrt der Konfirmanden im Februar 2016. Drei Personen müssten dafür finanziert werden. Ein entsprechender Antrag ist gestellt. Nick, so beschrieb es einmal die Mutter, nimmt mit seinem Kopf am Leben teil. Sprechen und sich selbstständig bewegen könne er nicht. Gerade deshalb will Christian Schmidt ihm jede erdenkliche Form der Förderung ermöglichen. Über die Ansichten, wie Vorschriften und Gesetze anzuwenden und auszulegen sind, streiten regelmäßig Vertreter der Stadt Krefeld und Christian Schmidt. Die Zahl der Konflikte und die Zusammenhänge sind für den Laien total unübersichtlich geworden. Leidtragender im doppelten Sinn ist der hilflose Nick.

Die Stadt Krefeld sieht die Ursachen in der Person des Vormunds, der oftmals nicht kooperiere und eine gedeihliche Zusammenarbeit verweigere. "Durch die fordernde Haltung von Herrn Schmidt gestaltet sich die Zusammenarbeit mit Leistungsanbietern und Gutachtern in der Regel problematisch", erklärt Stadtsprecher Timo Bauermeister auf Anfrage unserer Redaktion. Schriftlich teilt er mit, dass die Stadt Krefeld "auch weiterhin bemüht ist, den notwendigen Pflege- und Betreuungsbedarf für Nick sicherzustellen. Zumindest so lange, bis eine Zuständigkeitserklärung des Sozialgerichts Köln erfolgt ist." Für die Verwaltung sei eine Organisation der Hilfen über die Distanz (rund 300 Kilometer) schwierig, da sie immer wieder auf Informationen und Unterstützung der dortigen Behörden angewiesen sei.

Lösungen seien, so Bauermeister, nicht leicht zu finden: So habe die Stadt zum Beispiel mit neun Leistungsanbietern aus der norddeutschen Region verhandelt, um die Freizeitbegleitung Nicks zu regeln. "Unter Angabe verschiedener Begründungen ist keiner der kontaktierten Anbieter bereit, die Aufgabe zu übernehmen."

Quelle: RP
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