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Peter Hein, Sänger Der "fehlfarben"
"Niemand hat uns richtig verstanden"

Peter Hein, Sänger Der "fehlfarben": "Niemand hat uns richtig verstanden"
Die Band "Fehlfarben" tritt am Freitag, 5. Mai, in der Kulturfabrik auf. Sänger Peter Hein (2.v.l.) spricht über die vielen Missverständnisse um die Band und ihre Musik sowie der musikalische Meilenstein: "Monarchie und Alltag". FOTO: Bertram
Krefeld. Sie galten als Punk-Verräter und als Neue Deutsche Welle-Reiter. Doch nichts von allem passt wirklich.

Ihr Konzert in Düsseldorf im vergangenen Dezember war so erfolgreich, dass sich die dort früher ansässige Band "Fehlfarben" entschlossen, ihr epochales Werk "Monarchie und Alltag" auf einer Tournee in Gänze durchzuspielen sowie weitere aktuelle Hits anzufügen. Das Album wird in Umfragen seit Jahrzehnten als bedeutendste deutschsprachige Schallplatte eingeschätzt. Am Freitag, 5. Mai, tritt die Band in der Kulturfabrik auf. RP-Mitarbeiter André De Vos sprach mit dem in Wien lebenden "Fehlfarben"-Sänger Peter Hein.

Das erste Auffällige bei "Monarchie und Alltag" ist, dass diese Platte 1980 herausgekommen ist, aber letztendlich doch eher mit Songs wie "Grauschleier" als Statement zu den Siebzigern zu verstehen ist. Würden Sie zustimmen?

Peter Hein Das würde ich auch sagen, genau. Wir als Band, beziehungsweise wir als Einzelne, sozusagen als "In-den-Betrieb-Hineinwachsende", wir kamen letztendlich aus den Siebzigern. Das, was wir damals gemacht haben, war ja noch "Siebziger-Jahre-Leben" .

Trotzdem ist es aufschlussreich, dass die Band immer mit den 80ern und der Neuen Deutschen Welle in Verbindung gebracht wird.

Hein Darauf habe ich immer bestanden, dass wir nichts mit "NDW" am Hut haben, dass das eine ganz andere Welt war. Die Jahre 77-78-79, das waren die entscheidenden. Und die hatten überhaupt nichts mit den 80ern zu tun. Aber gut, das hat keiner glauben wollen, keinen hat es wirklich gejuckt.

Inwiefern ist "Monarchie und Alltag" ein Zufallsprodukt und wieweit ein Destillat Ihrer Fantasie oder der tatsächlichen Verhältnisse?

Hein Na, ja, es ist wie immer eine Mischung aus beidem. Wir haben das insofern absichtlich gemacht, weil wir eine Platte machen wollten, die sich unterscheidet von den damaligen 08/15-Stücken.

Wie kamen dann solche Hammer-Titel wie "Paul ist tot" zustande? Ist das nach einem Autounfall von Bandmitgliedern passiert? Das war ja zumindest das erste Stück, das fertig aufgenommen wurde.

Hein Es hat nichts mit irgendwelchen Unfällen oder sonst etwas zu tun. Und es ist überhaupt niemand tot. Der "Tod" ist einfach der Tod eines "Flipper-Duos" (lacht). Es ist nur: jetzt ist er weg, dann ist er "tot". "Paul" war auch mehr als einer. So wie alle, die nach Hamburg und Berlin gegangen sind, "tot" waren, weil sie weg sind.

Wie kam damals dieser Englandbezug auf die Platte in Titeln wie "All That Heaven Allows" oder dieses kryptische "Gottseidank nicht in England"?

Hein Der ist überhaupt nicht "kryptisch", denn wir sind damals - Gottseidank - nicht in England gewesen im Gegensatz zu Bekannten von uns, die diverse Bands mal besucht oder auch wieder verlassen haben und aus diesem großen Fundus von Kollegen, die das dann in England versucht haben und dort nur "weltberühmt in Yorkshire" wurden (lacht).

"Gottseidank nicht in England" ist im Nachhinein auch so ein Knaller und ein zeitloses Statement, auch wenn andere Lieder auf der Platte mehr abgefeiert werden...

Hein Das finde ich auch so! Das Stück ist nicht so zäh wie "Paul ist tot", nicht so stumpf wie "Es geht voran", und es war trotzdem vom Sound knackig. Ich tue mich auf der alten Platte schwer mit dem Sound, weil mir das zu dünn war, zu blech-mäßig. Aber diese Nummer habe ich weit bis in die Neunziger gespielt. Ich glaube, nachdem wir uns noch einmal wiedervereinigt haben - auch mit "Family 5" - war sie die einzige "Fehlfarben"-Nummer, die wir immer gespielt haben.

Wie erklärt ihr euch den Erfolg der ganzen Scheibe im Nachhinein?

Hein Ich weiß bis heute nicht, was wir mit der Platte da so hervorgebracht haben. Wir hatten einerseits Vorbilder, die wir nicht erreichten. Andererseits war sowohl die Rezeption als auch das Ergebnis purer Zufall: Wir konnten nicht so spielen, wie wir es wollten, die Tontechniker haben uns nicht verstanden. Die Leute, die sich das Material angehört haben, haben die Platte falsch verstanden oder sich ganz andere Sachen gedacht. (lacht)

Und der Erfolg?

Hein Keine Ahnung, da rede ich mir auch schon den Mund fusselig, das hat ja zwei Jahre, meiner Meinung nach sogar drei Jahre gedauert, bis die Platte irgendwie diese so genannte breite Öffentlichkeit erreicht hat. Da habe ich ja gar nichts mehr mit der Band zu tun gehabt. Und diese Geschichten sind Zufälle, wie man sie heute wahrscheinlich gar nicht mehr haben könnte. Und für diese vielen Zufälle ist das Ergebnis trotzdem relativ "bescheiden" .

Die Platte ist doch immerhin ein Meilenstein der deutschsprachigen Musikgeschichte geworden.

Hein Ja, die Rezeption war gewaltig, aber kommerziell nicht der große Durchbruch. Im Gegensatz zu anderen, die das an einem Wochenende schaffen, hat sie 20 Jahre gebraucht, bis sie 200.000 Einheiten verkauft hat.

Aber es ist ein Album, das übergreifend eine wirkliche Bedeutung hat. Ist das nicht das Beste, was man als Künstler haben kann im Leben? Also, dass man eine wirkliche Bedeutung hat und nicht nur ein "Star" ist?

Hein Ja gut, nehmen wir das auch einmal dankend entgegen. Man hat mal was gemacht, wir haben unsere Statements abgeliefert und machen es auf unseren aktuellen Platten immer noch, dürfen es immer noch. Und das ist gut so.

Quelle: RP
 
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