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Krefeld
Niepkuhlen: Heute ist Fledermaus-Nacht

Krefeld. Fledermäuse bei ihrer Jagd in der Dämmerung erleben - das können die Teilnehmer einer Exkursion des Nabu an den Niepkuhlen. Heute Abend laden die Naturschützer dort zur "Batnight" ein. Von Stefan Gilsbach

"War das eine Fledermaus?", hat sich schon mancher gefragt, wenn zur Dämmerung im Garten ein Schemen vorüber flatterte. Eine sichere Bestimmung ist für den Laien kaum möglich, denn Fledermäuse sind schnell, fliegen lautlos und lieben bekanntlich die Dunkelheit. Die Säuger orientieren sich mit Echoortung, auf diese Weise machen sie auch ihre Beutetiere, meistens fliegende Insekten, aus.

Heute haben alle Interessierten die Gelegenheit, mit erfahrenen Fachleuten des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) die heimischen Fledermäuse näher kennenzulernen. Anlass ist die internationale "Batnight" ("bat" ist das englische Wort für Fledermaus). Der Nabu in NRW hat rund 30 Veranstaltungen organisiert, eine davon findet heute Abend an den Niepkuhlen statt. Geleitet wird die Exkursion durch Jochen Schages von der Biologischen Station im Kreis Wesel, er ist zugleich Mitglied der Nabu-Gruppe Krefeld.

"Die Führung wird etwa zwei Stunden dauern, es wird nicht sehr weit gelaufen, maximal zwei Kilometer", sagt Jochen Schages. Taschenlampen müssen die Teilnehmer übrigens nicht mitbringen. Die häufigsten Fledermausarten in der Region sind die Zwergfledermaus und die Wasserfledermaus, auch der Kleine Abendsegler und das Braune Langohr könnten eventuell beobachtet werden. Bei Regen wird die Exkursion voraussichtlich ausfallen, denn wenn es gießt, machen die Tiere keinen Ausflug.

Im Spätsommer, etwa ab Mitte August, seien die Aussichten auf erfolgreiche Fledermausbeobachtungen dabei sehr gut, denn die meisten europäischen Fledermausarten würden sich bereits auf der Suche nach geeigneten Winterquartieren befinden, erklärt Carsten Trappmann, Sprecher des Landesfachausschusses Fledermausschutz im Nabu NRW.

In Nordrhein-Westfalen gibt es laut dem Nabu 22 Fledermausarten, und einige von ihnen lassen sich auch an den Gewässern der Niepkuhlen, unmittelbar an der Grenze von Neukirchen-Vluyn zu Krefeld, beobachten. Leider stehen alle Arten auf der Roten Liste, und vier davon gelten sogar als vom Aussterben bedroht. Was den Tieren zu schaffen macht, sind Nahrungsmangel und das Fehlen geeigneter Unterkünfte. Wo früher Einflugöffnungen, Ritzen, Fugen und Spalten an Fassaden und Dächern gute Voraussetzungen für den Unterschlupf der Tiere boten, macht der Perfektionismus moderner Haussanierungen rundum alles dicht. Inzwischen gibt es Bestrebungen, unter anderem durch die Naturschutzjugend im Kreis Wesel, Architekten und Bauträger auf dieses Problem hinzuweisen und sie zu bewegen, die Belange der Tiere bei Neubauten nicht zu vergessen. Beliebte Quartiere von Fledermäusen sind auch Stollen und Kirchtürme. Vor etwa zehn Jahren hatte die Biologische Station im Kreis Wesel daher die Aktion "Gottes Haus für Fledermaus" gestartet, um die Kirchengemeinden auf den Wert der Türme für die gefährdeten Arten hinzuweisen.

Man muss allerdings nicht gleich den Dachboden fledermausverträglich umrüsten, für den Schutz der Tiere reicht es oft schon, spezielle Nistkästen aufzuhängen. Die Kästen für Fledermäuse sind zwar etwas komplexer gebaut als jene für Singvögel, aber die Modelle können im Baumarkt oder beim Naturversand gekauft werden. Wie bei anderen Tieren muss allerdings darauf geachtet werden, dass bei der Herstellung der Kästen keine chemisch behandelten Materialien verwendet wurden.

Es gibt neben der Tierliebe noch ganz praktische Gründe, die fliegenden Säuger zu schützen: Selbst eine kleine Fledermaus vertilgt in einer Nacht rund 4000 Mücken. Und für Menschen sind die Tiere, auch wenn sie zum Inventar vieler Gruselfilme gehören, völlig ungefährlich. Blutsaugende Arten, die Vampirfledermäuse, gibt es nur auf anderen Kontinenten. Insgesamt schätzt man, dass es auf der Welt rund 900 Arten von Fledermäusen gibt. Außer auf der Antarktis findet man sie auf allen Erdteilen. Sie sind gemeinsam mit den Flughunden die einzigen Säugetiere, die sich in die Luft erheben können und werden mit diesen zusammen von den Wissenschaftlern unter der Bezeichnung "Microchiroptera" klassifiziert.

Eine Anmeldung zu der Exkursion, die um 20.30 Uhr an der Niepkuhlenbrücke (Bereich Nieper Straße/Lousbill) beginnen wird, ist nicht nötig. Die Teilnahme kostet für Erwachsene fünf Euro, für Kinder bis 14 Jahre 2,50 Euro. Mehr Informationen gibt es unter www.bskw.de

Quelle: RP
 
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