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Krefeld
Nierensteine werden zur neuen Volkskrankheit

Krefeld: Nierensteine werden zur neuen Volkskrankheit
Dr. Jens Westphal (l.), Chefarzt der Klinik für Urologie und Kinderurologie, zeigt mit Oberarzt Jan Baase (r.) die Fragmente eines per Laser zerkleinerten und durch den Harnleiter heraustransportierten Harnleitersteins. FOTO: Alexianer
Krefeld. Das neue Harnsteinzentrum am Krankenhaus Maria Hilf setzt verstärkt auf die Vorbeugung. Von Petra Diederichs

Sie können die Form einer Koralle haben oder eines Hirschgeweihs - und tragen dann auch diese hübschen Namen. Doch diese Steine möchte niemand haben, denn sie können extrem schmerzhafte Koliken auslösen: Nierensteine und ihre Kollegen in Harnleitern und Blase. Laut Angaben der Deutschen Gesellschaft für Urologie trifft es in Deutschland ungefähr fünf Prozent der Bevölkerung, Männer häufiger als Frauen. Die Zahl der Neuerkrankungen hat sich in den letzten zehn Jahren verdreifacht. Deshalb sind Harnsteinerkrankungen für die Klinik für Urologie und Kinderurologie des Krankenhauses Maria-Hilf ein wesentlicher Schwerpunkt.

Im neuen Harnsteinzentrum werden die bereits langjährig durchgeführten operativen, endoskopisch, per Stoßwellenlithotripsie oder Laser durchgeführten Therapien bei Nieren-, Harnleiter- oder Blasensteinen nun um die Vorbeugung ergänzt. Chefarzt Dr. Jens Westphal und sein Team wollen Patienten möglichst bereits nach erstmaliger Entfernung der Steine weiter begleiten, um das Risiko einer nochmaligen Steinbildung zu senken. Denn wer einmal betroffen war, hat ein Risiko von 60 Prozent, dass sich erneut Steine bilden.

Wie bilden sich solche Steine, wie kann man vorsorgen? Solche Fragen erläutern Westphal und Oberarzt Jan Baase in der Spezialsprechstunde. "Die Durchführung dieser Sprechstunde schließt eine in den urologischen Kliniken üblicherweise bestehende Versorgungslücke zwischen niedergelassenem Fachkollegen und Klinik. Die Kollegen aus der Praxis wissen unser Angebot sehr zu schätzen, da sie sich auf eine gute Expertise zur Weiterbehandlung ihres Patienten verlassen können. Für uns steht dabei im Vordergrund, alles Nötige zu tun, um die Neuentwicklung von Harnsteinen zu vermeiden oder zumindest zu verzögern", sagt Westphal. Der behandelnde niedergelassene Arzt überweist die Patienten für die Sprechstunde.

Stein ist nicht gleich Stein. "Deshalb ist die ausführliche Analyse der Ursachen und die zielgerichtete individuelle Beratung ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit im Alexianer Harnsteinzentrum. In Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Institut werden die entfernten Steine genau untersucht. Die Ergebnisse über die Zusammensetzung der Steine geben weitere Aufschlüsse über die Ursachen der Steinbildung." Diabetes oder Bluthochdruck können für die Steinbildung verantwortlich sein, auch Stoffwechselstörungen. Dann werden Ärzte anderer Fachrichtungen hinzugezogen. "Stellen wir zum Beispiel einen hohen Calziumgehalt der Harnsteine fest, können die Endokrinologen aus dem Facharztzentrum Krefeld ermitteln, ob als mögliche Ursache eine Überfunktion der Nebenschilddrüse vorliegt. Wir sind in regelmäßigem Austausch auch mit den Internisten und Chirurgen, aber auch mit den Ernährungsberatern und Physiotherapeuten", erklärt Westphal.

Harnsteine bilden sich, wenn Harnbestandteile im Harntrakt Konglomerate bilden, nicht mehr löslich abtransportiert werden. Deshalb ist Flüssigkeitsmangel eine der wesentlichen Ursachen für die Steinbildung. Die Steine können die feinen Gefäße verstopfen, es kommt zum Urinstau, der zur Nierenbeckenentzündung führen kann und im schlimmsten Fall eine Harnvergiftung oder Nierenversagen auslöst.

Zu den größten Risikofaktoren gehört auch einseitige Ernährung. Stark übergewichtige Menschen haben meist einen erhöhten Harnsäurespiegel und damit ein erhöhtes Risiko der Steinbildung. Aber auch bei normalgewichtigen Menschen kann der Wert erhöht sein. Eine kalziumarme Ernährung - und viel Wasser - kann da vorbeugen.

Quelle: RP
 
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