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KR wie Krefeld
Noch mal Seidenweberhaus

KR wie Krefeld: Noch mal Seidenweberhaus
FOTO: Heitkamp
Krefeld. Der Wunsch aus der Politik zu prüfen, ob das Kesselhaus zum kostengünstigen Ersatz für das Seidenweberhaus werden kann, lässt aufhorchen. Wir haben uns so sehr daran gewöhnt, die Zukunft einer Veranstaltungshalle auf dem Theaterplatz zu suchen, dass die Perspektive eines ganz anderen Platzes aus dem Blick zu geraten droht. Zu Unrecht. Der Gedanke an eine ganz andere Lösung ist verlockend.

Das liegt - natürlich - zum einen am Geld. Die Stadt wird schon viel, viel Geld für die Sanierung des Stadthauses hinlegen müssen; ob dann noch viele Millionen für das Seidenweberhaus lockergemacht werden können, ist durchaus die Frage. Ein wirklicher Neuansatz, der drastisch billiger wäre, wäre willkommen.

Zum anderen geht es auch um städtebauliche Perspektiven.

Bislang gibt es zum Beispiel keine überzeugende Vision, dass sich für den Theaterplatz ein Hotelinvestor findet, der daran glaubt, an dieser Stelle gutes Geld verdienen zu können. Auch viele Überlegungen über belebende Marktelemente auf dem Platz wirken wie Blütenträume. Ferner sind die reinen Kosten für Sanierung oder Neubau des Seidenweberhauses erschlagend. Real ist bisher nur eines: Das Seidenweberhaus ist technisch und baulich marode, ästhetisch ein lähmendes Erbe der 70er, das die Stadt eher 'runterzieht. Egal wie viele gute Erinnerungen mancher damit verbinden mag.

Der Gedanke, diesen Komplex abzureißen und einfach mal gar nichts zu bauen, sondern einen Platz zu schaffen, der zwei schöne, funktionierende, für schöne Zwecke und Ziele stehende Gebäude neu inszeniert - Theater und Mediothek -, ist anziehend. Dies umso mehr, da die Mediothek als das wohl schönste öffentliche Bauwerk in Krefeld in den vergangenen Jahrzehnten gilt. Und was man mit einem schönen Platz vor einem schönen Haus bewirken kann, kann man in Duisburg vor dem Opernhaus besichtigen. Einfach mal Freiraum lassen: Das wär's.

Zudem wäre das Kesselhaus mit seiner Industrieanmutung eine wunderbare Alternative, die ebenso nostalgisch wie modern und jung wirken würde. Ein wirklicher Neuansatz. Krefeld würde den Mehltau der 70er ablegen.

Zeit wird es. Das Seidenweberhaus steht für einen städtebaulichen Irrweg. Jens Voss

Quelle: RP
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