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NRW Landtagswahl
Krefeld mit Quartett im Landtag

NRW-Wahl 2017: Vier Krefelder (2x CDU, SPD, AfD) ziehen in den Landtag
Landtagsabgeordnete Ina Spanier-Oppermann (SPD) FOTO: Lammertz Thomas
Krefeld. Gleich vier Krefelder zogen bei der Wahl für die kommende Legislaturperiode in den nordrhein-westfälischen Landtag ein. Donnerstag tagt der Wahlprüfungsausschuss. Die Verwaltung berichtet über Probleme beim Auszählen der Stimmen. Von Norbert Stirken und Jens Voss

Neben den beiden Direktkandidaten Britta Oellers und Marc Blondin (beide CDU) wird überraschend auch die eigentlich von Blondin geschlagene SPD-Politikerin Ina Spanier-Oppermann in den Landtag einziehen. "Ich hab morgens um halb fünf davon erfahren", sagte sie gestern unserer Redaktion, "ich konnte die ganze Nacht nicht schlafen." Zunächst, weil sie mit ihrem Parteifreund Benedikt Winzen gefiebert habe - dann stand plötzlich fest, dass sie über die Liste in den Landtag einzieht. Sie stand auf dem relativ guten Platz 15, rückte dann auf Platz 12 vor, weil einige vor ihr per Direktmandat einzogen. Die gute Platzierung ist Zeichen der Wertschätzung für sie in der Landes-SPD.

Landtagsabgeordneter Marc Blondin (CDU) FOTO: Mark Mocnik

Auch der Krefelder Arzt Martin Vincentz zog über die Liste der Alternative für Deutschland (AfD) ein. Benedikt Winzen (SPD) landete in seinem Wahlkreis 47 (Krefeld und Tönisvorst) nur 0,11 Prozent hinter Oellers. Die Differenz zwischen den Wählerstimmen für die beiden betrug nur 64. "Da fragt man sich natürlich, ob man im Wahlkampf mehr hätte machen müssen, um die fehlenden 33 Stimmen zum Sieg noch zu holen", sagte der 32-jährige Vorsitzende der Krefelder Ratsfraktion. Die Antwort gab er sich selbst: Beim Krefelder Wahlkampf hätten alle Kandidaten und Unterstützer mehr als 100 Prozent gegeben; er erwähnte insbesondere die Mitglieder der Jungsozialisten (Jusos).

Winzen will sich nicht als schlechter Verlierer präsentieren. Ob die Stimmen im Wahlkreis 47 noch einmal nachgezählt werden sollten, macht er davon abhängig, ob es nach dem Bericht der Verwaltung im Wahlprüfungsausschuss am Donnerstag im Rathaus "gravierende Hinweise" auf Unregelmäßigkeiten gibt.

Landtagsabgeordnete Britta Oellers (CDU) FOTO: Mark Mocnik

Bei der Auszählung der Stimmen war es in mehreren Stimmbezirken offensichtlich zu Problemen gekommen. Statt wie geplant gegen 21 beziehungsweise 21.30 Uhr, lagen die letzten entscheidenden Ergebnisse erst gegen Mitternacht vor. "Wir warten den Bericht in Ruhe ab und gehen derzeit davon aus, dass alles in Ordnung war", sagte Winzen. Außerdem müsse sich der Abstand nach einer Neuauszählung nicht zwangsläufig verkleinern oder ins Gegenteil verkehren, er könnte sich auch vergrößern, berichtet er.

Landtagsabgeordneter Martin Vincentz (Afd) FOTO: AFD

Im Falle Winzens gab es Spekulationen im Vorfeld der Wahl, ob er die Doppelbelastung von Beruf und Fraktionschef ohne Landtagsmandat werde stemmen können. Die Belastung der ehrenamtlichen Arbeit im Rat ist enorm. Doch Winzen betonte, dass er seine Funktion als Fraktionsvorsitzender in Krefeld auch weiterhin ausüben werde. "Es macht doch keinen Sinn, bei der Landtagswahl mit dem Ziel anzutreten, in Düsseldorf die Interessen der Stadt und ihrer Bürger zu vertreten zu wollen, und dann nach einer Wahlniederlage die Ämter in der Heimatstadt niederzulegen. Das sei geradezu "paradox", erklärte Winzen. Natürlich seien zwei Vollzeitstellen nebeneinander nicht leicht auszuüben. Winzen verdient seinen Lebensunterhalt und arbeitet in einer Bank. Eine hauptberufliche politische Tätigkeit als Landtagsabgeordneter hätte seinen Einsatz auch in der Fraktion erleichtert. Jetzt müssten halt Vorstandskollegen, Arbeitskreise und das Fraktionsbüro ihn entlasten.

Vorsitzende des Wahlprüfungsausschusses ist ironischerweise ausgerechnet Britta Oellers, die Winzen bei der Wahl knapp besiegte. Stellvertreter ist Parteikollege Marc Blondin, der im Wahlkreis 48 der SPD-Landtagsabgeordneten Ina Spanier-Oppermann das Mandat abspenstig machte.

Quelle: RP
 
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