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Marie Versini in Krefeld
Nscho-tschi söhnt sich mit ihrem Mörder aus

Marie Versini in Krefeld: Nscho-tschi söhnt sich mit ihrem Mörder aus
Mario Adorf spielte den Schurken Santer, der Nscho-tschi erschoss. FOTO: Andreas Enderrmann
Krefeld. Marie Versini verriet beim Besuch des Gymnasium Fabritianum die Sensation: Zu Pfingsten trifft sie am legendären Drehort für die Winnetou-Filme in Kroatien auf Mario Adorf, der einst den Schurken Santer spielte. Dort werden beide sich auf Einladung eines Karl-May-Fanclubs "versöhnen". Von Petra Diederichs

Marie Versini denkt mit gemischten Gefühlen an Pfingsten. Sie wird an den Ort fahren, an dem sie einst den Filmtod starb - um unsterblich zu werden, ins Velebit-Gebirge nach Kroatien. Hier ereignete sich 1963 die Szene, die Generationen zu Tränen rührte: Nscho-tschi starb durch eine Kugel des Schurken Santer.

"Wenn ich dort an den Felsen stehe, ist das schon sehr emotional", erzählt sie. Die 76-Jährige ist nach Krefeld gekommen, um die Patenschaft für eine neue Ausgabe der Winnetou-Bände für die Schulbibliothek des Gymnasiums Fabritianum zu übernehmen. Die Begegnung mit den Schülern, ihre Fragen, lassen viele Erinnerungen wach werden. Als Winnetous Schwester hat die damals 22-jährige Schauspielerin Millionen Herzen erobert, sich den Lieblings-Posterplatz in den Jugendzimmern einer ganzen Generation gesichert. Wer ein Herz hatte, war verliebt. Und hasste Mario Adorf. Denn der hat Winnetous Schwester aus einem Hinterhalt getötet. Das haben ihm hartgesottene Fans offenbar bis heute nicht verziehen. "Er hat gesagt, dass ihm das nicht gutgetan hat in der Sympathie der Menschen", erzählt Marie Versini. Deshalb wollen sich die beiden Schauspieler beim Karl-May-Fanclub-Treffen zu Pfingsten in Kroatien versöhnen.

Marie Versini übergibt Lehrerin Andrea Kimpeler und den Fünftklässlern des Fabritianums "Winnetou"-Lektüre für die Schulbibliothek. FOTO: Thomas Lammertz

Das Kuriose: Bei der schicksalsträchtigen Szene sind sich Versini und Adorf gar nicht begegnet. "Ich habe ihn damals erst bei der Filmpremiere in München kennengelernt", berichtet die Schauspielerin. "Wir haben meinen und seinen Part an verschiedenen Tagen gedreht." Und es war für sie ein Sprung in eiskaltes Wasser. Denn sie sollte gleich am ersten Drehtag sterben. Weil die Pferde noch nicht fertig waren, eröffnete ihr Regisseur Harald Reinl, dass man mit Nscho-tschis Tod beginnen würde. Eine Figur, der sie noch gar kein Leben geben konnte, sterben zu lassen, schockierte die junge Schauspielerin.

Die Nöte und Zweifel, ob sie Winnetous Schwester in dieser Schlüsselszene gerecht werden könnte, kann sie jedes Mal wieder nachempfinden, wenn sie die Drehorte nahe der kroatischen Küste besucht. "Ich kann keinen Film einfach nur anschauen, wenn ich mitgewirkt habe. Mir fallen immer die Begleitumstände ein", erzählt sie. Und die sind oft skurril. Eine der zentralen Stellen in "Winnetou I" ist die Blutsbrüderschaft. Die hat sich nicht ganz so feierlich abgespielt, wie es vor dem Fernsehschirm aussieht. "Lex Barker sprach zwar sehr gut Französisch, aber kein Deutsch. Als er ,Mein Bruder' sagte, klang das sehr seltsam. Wir mussten den Dreh abbrechen, weil Pierre Brice so lachte. Die Szene haben wir fünf Mal gedreht, bis es klappte."

Ihre Todesszene mit dem berühmten letzten Satz "Anika ti matan" (Weißt du, ich liebe dich) saß gleich beim ersten Dreh. Und er kam aus vollem Herzen, sagt Marie Versini. Denn schon als Siebenjährige war sie heftig in Old Shatterhand verliebt. Der Vater, ein Deutschlehrer, hatte ein Faible für Karl May und las der Tochter vor dem Einschlafen die Abenteuer seiner Helden vor.

"Zum siebten Geburtstag habe ich mir ein Indianerinnenkostüm gewünscht. Ich war glücklich, mit meinem Bruder Alain und meinem Cousin Jean am Strand in der Normandie, wo wir ein Haus hatten, die Szenen nachzuspielen." Als viele Jahre später das Filmangebot kam, war sie selig. "Lex Barker und Pierre Brice bewunderte ich, seit ich sie in ,Der Schatz im Silbersee' gesehen hatte." Und beiden rechnet sie auch vor allem eines hoch an: "Eigentlich sollte ich als Nscho-tschi eine Perücke tragen. Doch das sah so albern aus. Sie haben mich beide darin unterstützt, dass ich mit meinen eigenen Zöpfen drehen konnte."

Quelle: RP
 
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