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Krefeld
Obdenbusch geht und "macht sein Ding"

Krefeld: Obdenbusch geht und "macht sein Ding"
Ohne die Unterstützung seiner Frau Helga hätte er die Schulleiterstelle nicht annehmen können, sagte Horst Obdenbusch. FOTO: T. Lammertz
Krefeld. Es war ein denkwürdiger Tag fürs Fabritianum. So etwas hatten Schüler, Lehrer und Eltern selten gesehen. Doch am Ende der feierlichen Verabschiedung des scheidenden Chefs geschah es dann: Horst Obdenbusch zog sein Jackett aus und dafür ein rotes T-Shirt von Udo Lindenberg an. Von Bärbel Kleinelsen

"Ich mach mein Ding" war darauf zu lesen. Deutlicher hätte man den Weg in den Ruhestand nicht ausdrücken können, hatten die zahlreichen Gäste doch zuvor erfahren, dass der stets korrekt gekleidete Leiter des Uerdinger Gymnasiums selbst an Karneval mit Anzug und (bunter) Krawatte erscheint.

Für seinen Nachfolger, der dem feierlichen Anlass gemäß auch ein Jackett trug, hatte Obdenbusch von seinem jüngsten Besuch eines Lindenberg-Konzertes ("ich bin ein großer Fan") ebenfalls ein T-Shirt mitgebracht: schwarz mit rotem Stern und dem Spruch "Einer muss den Job ja machen". Eric Mühle ist es, der den Job jetzt macht. Augenzwinkernd sagte sein Noch-Chef in seine Richtung: "Die Antwort lautet Nein. Nein auf die Frage, ob ich eventuell, vielleicht und nur ausnahmsweise mal eine Vertretungsstunde übernehmen könnte."

In T-Shirts von Udo Lindenberg: Der eine "macht sein Ding", der andere "muss den Job ja machen": Horst Obdenbusch (l.) überreichte seinem Nachfolger Eric Mühle ein T-Shirt von seinem jüngsten Besuch eines Lindenberg-Konzertes. FOTO: bk

Horst Obdenbusch wird dennoch an seiner im doppelten Sinne alten Schule zu sehen sein, an der er selbst als Pennäler der damals reinen Jungenschule die Liebe zum Lehrberuf entdeckte und an der er 1972 sein Abitur baute. Für häufige Besuche an der Fabritiusstraße sorgte das Schul-Team gestern, in dem es ihm nicht nur eine quietschegrüne Gießkanne schenkte, sondern auch einen Obdenbusch-Baum pflanzte. Die junge Säulen-Buche mit ihrer klaren Linie und robusten Art passe gut zu dem Chef alter Schule, der sein Kollegium 18 Jahre lang mit seiner Leistungsbereitschaft für das Gymnasium stark beeindruckt, ja fast eingeschüchtert habe, wie es Karl Bongartz als Vertreter des Lehrerkollegiums in seiner Rede ausdrückte.

Hobby-Winzer Obdenbusch freute sich sehr über das zarte Pflänzchen, als das er "seine" Schule auch immer gesehen und sie entsprechend gehegt und gepflegt hatte. Seine Frau Helga betrachtete den Baum und meinte: "Dann kommt er ja wohl doch wieder öfter hierher." Ohne ihr Verständnis für den zeitraubenden Job eines Schulleiters, so hatte Obdenbusch es kurz zuvor betont, hätte er die Stelle am Fabritianum nie antreten können. Oft hatte seine Familie zurückstecken müssen, wenn es in der Schule Wichtiges zu regeln gab. Oder mal wieder das handwerkliche Können des Direktors gefragt war, der an so manchen Samstagen kleinere Reparaturen selbst durchführte, was das Kollegium allerdings nicht als Anregung für Sparmaßnahmen im Schuldienst verstanden wissen wollte.

Für das Fabritz, so betonte Bongartz, sei Obdenbusch ein großer Gewinn gewesen. Seine feine, humorvolle Art, sein Anspruch, dass diese Schule glänzen soll, seine klaren Worte, all das werde fehlen. Oberbürgermeister Frank Meyer, der sich an sein eigenes Abi in den Räumlichkeiten des Fabritianums erinnerte, beschriebt Obdenbusch als "Uerdinger Jung", der nach Zwischenstopps am Maria-Sibylla- Merian- und Arndt-Gymnasium endlich dort angekommen sei, wo er schon immer hingehörte: nach Uerdingen ans Fabritz. Er sei ein "kritischer Geist", der immer "ruhig und in der Sache nachvollziehbar" argumentiere, lobte Meyer. Mit einem kleinen Diagramm, das die Beliebtheit eines Schulleiters im Alltag und bei der Verabschiedung zeigt, versuchte Obdenbusch am Ende, "auf den Boden der Tatsachen zurückzufinden". Sein Fazit: Am liebsten sind sie einem, wenn sie gehen."

Quelle: RP
 
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