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Krefeld
Ölbild gibt älteres Gemälde auf Rückseite frei

Krefeld: Ölbild gibt älteres Gemälde auf Rückseite frei
Die Restauratoren Antje Lewejohann und Christoph Tölke bewundern das gut 300 Jahre alte Marienbild. FOTO: RP-Fotos (2) T.Lammertz
Krefeld. Bei der Konservierung eines alten Bilds aus der Hülser Konventskirche entdeckt Restauratorin Antje Lewejohann zu ihrer Verblüffung auf der Rückseite eine noch ältere Mariendarstellung mit Jesuskind im Stil des Kevelaerer Gnadenbilds. Von Jochen Lenzen

Die Geschichte ist für Kunstliebhaber spannender als ein Kriminalroman: Der Krefelder Christoph Tölke, staatlich geprüfter Restaurator, hatte das gesamte Holzwerk in der Konventskirche bereits erfolgreich konserviert, als die St. Cyriakus-Gemeinde ihn schließlich noch mit einer weiteren Aufgabe betraute: Er sollte auch die Supraporte, den künstlerisch gestalteten Aufsatz der Türe zum ehemaligen Krankensaal ("Sickes") der vormaligen Klosterkirche, restaurieren. Darin eingearbeitet war ein Rundbild, das einen Heiligen mit Kreuz, vermutlich einen Johannes Nepomuk, zeigt. Die Überraschung war riesengroß, als im Rahmen dieser Arbeiten ein zweites wertvolles Gemälde zutage trat.

Um die Supraporte zu restaurieren, baute Tölke sie aus, beförderte sie in seine Werkstatt und löste den Holzträger mit dem 50 Zentimeter Durchmesser umfassenden Nepomuk-Bild heraus. Es sollte wegen seines miserablen Zustands ebenfalls restauriert werden; eine Aufgabe, die der Diplom-Restauratorin Antje Lewejohann übertragen wurde.

FOTO: A.L.

In ihrer Werkstatt musste die Krefelderin das Gemälde - Öl auf Leinwand - zunächst von dem Holzträger lösen. Dazu legte sie es in ein kleines Klimazelt, das sie aus Holz und Folien gebaut hatte, legte dem Bild einen Schutz aus Seidenpapier auf und erhöhte die Luftfeuchtigkeit. Dann machte sie sich mit einem Miniaturwerkzeug daran, die nunmehr elastifizierte Leinwand am Rand ganz behutsam anzuheben. "Dabei wurde zu meiner großen Überraschung klar, dass die Rückseite der Leinwand ebenfalls bemalt war. Ich habe die Arbeit sofort gestoppt und ein Foto von der leicht angehobenen Unterseite gemacht; dabei waren schon der Marien- und der Jesuskopf zu erkennen", berichtet Antje Lewejohann.

Nach Rücksprache mit dem Kirchenvorstand von St. Cyriakus und Christoph Tölke kam das "Doppelbild" wieder in dessen Werkstatt, wo es mit der hölzernen Trägerseite nach oben und dem Nepomuk nach unten auf eine gepolsterte Fläche gelegt wurde. Der Restaurator schliff die Holztafel vorsichtig nach und nach ab, bis sie nur noch etwa einen Millimeter dünn war.

Links: Auf der Rückseite dieses Bilds eines Heiligen mit Kreuz, vermutlich Johannes Nepomuk ( FOTO: AL), war das Marienbild (rechts im Detail) versteckt.

Zurück in der Werkstatt von Antje Lewejohann feuchtete die Restauratorin das Objekt mit in destilliertem Wasser getränkten Zellstofftüchern an, so dass sie die letzten Holzfasern und auch den angequollen Leim abtragen konnte und das Bild der Madonna mit Kind vollständig und rückstandsfrei sichtbar wurde. Das Gemälde erinnert - allerdings in seitenverkehrter Darstellung - an das Kevelaerer Gnadenbild, stammt aus dem späten 17. Jahrhundert und ist damit rund 200 Jahre älter als das Bild des Johannes Nepomuk.

Im Kirchenvorstand wurde inzwischen entschieden, beide Bilder zu restaurieren. So muss nun als Nächstes die Malschicht des Marienbilds sukzessive mit Klebemittel gefestigt werden, das millimetergenau mit Hilfe eines Mikroskops und einem extrem feinen Pinsel zwischen Malschicht und Leinwand beziehungsweise Grundierung eingebracht wird. Dann wird die Malschicht mit einem feinen Spatel festgedrückt, jeder so behandelte Mini-Abschnitt mit einer Spezialfolie belegt und mit einem Sandsäckchen beschwert.

"Bis das gesamte Bild auf diese Weise bearbeitet ist, brauche ich etwa 30 Arbeitsstunden", sagt Antje Lewejohann. Und das ist nur einer von insgesamt acht Schritten für die Konservierung dieses wertvollen Ölgemäldes. - Für die Restaurierung beider Bilder sind Kosten in Höhe von insgesamt knapp 6000 Euro veranschlagt.

Quelle: RP
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