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Krefeld
Offensive für das "Krefelder Haus"

Krefeld. Weil sie Verfall verhindern will, wirbt die Stadt für die Sanierung der typischen "Krefelder Häuser". In einer fabelhaften Broschüre zeigen Familien Beispiele für schönes Wohnen. Von Henning Rasche

Mit der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert begann das Wachstum der Städte. Immer mehr Menschen zogen also aus dem Umland auch nach Krefeld, um dort Arbeit zu finden. Doch darauf war die Stadt naturgemäß nicht hinreichend vorbereitet. Der Wohnraum wurde knapp. Die entsprechend pragmatische Lösung war damals, auf möglichst schmalen Grundstücken möglichst viel Wohnraum unterzubringen. Es war die Geburtsstunde des Dreifensterhauses, das auch "Krefelder Haus" genannt wird. Vor allem im Rheinland ist dieser Bautypus seither verbreitet.

Allein im Südwestbezirk gibt es noch heute mehr als 1000 solcher Häuser. Doch die Bedingungen des 19. Jahrhunderts sind nicht die des Jahres 2016. Während damals bis zu acht Parteien in einem einzigen schmalen Haus unterkommen mussten und im Erdgeschoss auch noch ein Geschäft war, steht heute die Individualisierung im Zentrum der gesellschaftlichen Entwicklung.

Weil viele Eigentümer nicht recht wissen, wie sie ihre "Krefelder Häuser" besser nutzen können, startet die Stadt nun eine Offensive. Mit einer hochwertigen Broschüre will sie die Eigentümer dazu ermuntern, in die Häuser zu investieren, sie umzugestalten und zu erneuern. So sind etwa Grundrisse abgedruckt, die Vorschläge zur Nutzung der Häuser machen. Die länglichen Räume im Erdgeschoss beispielsweise böten Platz für Küche, Wohnzimmer und Esszimmer, wollte man ein Einfamilienhaus entwickeln.

"Die privaten Grundstückseigentümer investieren bisher nur sehr zaghaft", sagt Norbert Hudde, Fachbereichsleiter der Stadtplanung. Daher müsse die Stadt mehr Hilfestellung geben, etwa durch solche Broschüren, aber auch mit Förderprogrammen wie Stadtumbau West, bei dem Bund, Länder und Kommunen solche Anpassungen an den Häusern finanziell unterstützen.

Stadtforscher Georg Opdenberg ist in einem "Krefelder Haus" aufgewachsen, obwohl das damals niemand so nannte. In der Broschüre beschreibt er, dass die Dreifensterhäuser, die auch manchmal Vierfensterhäuser sind, das Stadtbild damals prägten. "Mal wohnten wir im Flügel und mal im Vorderhaus, meist oben und irgendwann auch einmal Parterre. Immer mit der Toilette auf dem Flur, was nichts Besonderes war", schreibt er. Opdenbergs haben nie in einem anderen Haus als in einem "Krefelder Haus" gelebt, erzählt er.

Georg Opdenberg berichtet, dass sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts die Zeit bereits wieder gegen die Häuser richtete. Fast in jedem Haus waren Webstühle untergebracht, ja, die Krefelder Häuser waren sogar auf sie zugeschnitten. Aber als die Umstellung vom Handwebstuhl auf den Maschinenwebstuhl kam, da wurden knapp 4000 Weber auf einen Schlag arbeitslos. Sie mussten aus den Häusern verschwinden.

Aus einer ganz anderen Generation stammt Miriam Thies. Die 18-Jährige ist nur wenige Monate nach ihrer Geburt mit ihren Eltern in ein Dreifensterhaus gezogen. Seit dem haben Thies' das Haus aus seinem schlechten Zustand geholt, es umgebaut, renoviert und auf den Bedarf einer vierköpfigen Familie zugeschnitten.

Einen großen Garten haben sie, viel Platz und trotz Innenstadtlage sei es sehr ruhig, erzählt Miriam Thies. "Eine sehr schöne Kindheit habe ich dort verbracht", sagt sie. Es klingt wie eine Werbebotschaft für das Krefelder Haus.

Quelle: RP
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