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Krefeld
Oppum setzt auf Inklusion durch Fußball

Krefeld: Oppum setzt auf Inklusion durch Fußball
Unterstützung für den SV Oppum um seinen Vorsitzenden Axel Müller (rechts): v.l. Sparkassengeschäftsführer Michael Rotthoff, Dieter Keuther (Behindertensportverband NRW), Eva Linnenbaum (Sparkassen- und Giroverband) und Markus Kirschbaum (Sparkassenvorstand). FOTO: Lammertz, Thomas (lamm)
Krefeld. Beim SV Oppum spielen Menschen mit Behinderung in einer eigenen Liga Fußball - ein Pilotprojekt des Verbandes. Von Oliver Schaulandt

Es ist nun schon gut sieben Jahre her, dass Axel Müller eine recht ungewöhnliche Anfrage erhielt. Die Mutter eines kleinen Jungen war zu ihm gekommen und hatte gefragt, ob ihr Sohn nicht beim SV Oppum Fußball spielen dürfe. In anderen Vereinen sei sie bereits vorstellig gewesen, doch bei allen Anläufen sei sie abgewiesen worden. Der Grund: Ihr Sohn hat das Down-Syndrom, ein bei Menschen vorkommendes Syndrom, bei dem das gesamte Chromosom 21 oder Teile davon dreifach vorhanden sind. Daher lautet eine weitere übliche Bezeichnung Trisomie 21. Menschen mit Down-Syndrom weisen in der Regel typische körperliche Merkmale auf und sind in ihren Fähigkeiten beeinträchtigt; unter Umständen werden sie als Geistige Behinderung bezeichnet und eingestuft. Jedenfalls: Axel Müller, der Vereinsvorsitzende, nahm den Jungen im Verein auf, und fortan durfte er dort mitkicken.

"Das war für uns damals völliges Neuland, ein Kind mit Behinderung bei uns spielen zu lassen", erzählt Müller. "Ich war noch nie mit dem Thema konfrontiert." Beim Fußballverband habe er sich daraufhin erkundigt, ob er irgendwelche Besonderheiten berücksichtigen müsse, beispielsweise in Versicherungsangelegenheiten, oder ob die Übungsleiter zusätzliche Qualifikationen erwerben müssten. So richtig Bescheid habe dort aber auch niemand gewusst, und so haben sie es in Oppum eben so gemacht, wie sie es für richtig gehalten haben. Mit Erfolg: Das Interesse von Menschen mit Behinderung stieg an, der Gehörlosenverein Krefeld schloss sich gleich mit einer ganzen Mannschaft den Oppumern an, da es sonst schwer gewesen sei, eine Spielstätte zu finden. Und nun weiß auch Müller, der inzwischen Integrationsbeauftragter im Fußball-Verband Niederrhein (FVN) ist, um so einige Besonderheiten. "Bei einem Spieler mit Aspeger-Syndrom gibt es nur Schwarz oder Weiß. Da darf man nicht diskutieren, das kann im schlimmsten Fall zu einem Anfall führen", sagt Axel Müller über die Erkrankung, die eine angeborene, milde Variante des Autismus darstellt.

Gut 20 Kinder und Jugendliche spielen in der Inklusionsmannschaft der Junioren des SV Oppum Fußball. Sie sind zwischen sechs und 17 Jahren alt. FOTO: Thomas Lammertz

Rund 50 Menschen mit Behinderung spielen inzwischen in Oppum, einige haben sogar den Sprung in den normalen Spielbetrieb geschafft. 20 von ihnen sind Kinder beziehungsweise Jugendliche, die aber in einer Mannschaft spielen. "In dieser Mannschaft ist der Jüngste sechs, sieben Jahre und der Älteste 17 Jahre alt", sagt Müller und erläutert: "Der Ältere hat das Down-Syndrom und ist daher auf einem Level mit dem Jüngeren."

Im vergangenen Jahr nun ist beim SV Oppum ein neues Projekt ins Leben gerufen worden, das als Pilotprojekt des Verbandes ausgewiesen ist: die Handicap- oder auch Inklusionsliga. Dort spielen Mannschaft von Menschen mit Behinderung gegeneinander. 13 Teams gehörten anfangs dazu, in diesem Jahr sind drei weitere hinzu gekommen, darunter mit einer Mannschaft des SC Bayer Uerdingen auch ein zweites Team aus Krefeld.

Die Regeln, nach denen gespielt wird, sind von den richtigen Fußballregeln abgeleitet, aber zum Teil stark vereinfacht. Sowas wie Abseits gibt es beispielsweise nicht, auch werden zu den Partien keine offiziellen Schiedsrichter angesetzt. "Aber es funktioniert gut", sagt Axel Müller, der sich schon auf die neue Saison in der Inklusionsliga freut.

Quelle: RP
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