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Krefeld
Orgel und Schlagwerk: Ein Klangerlebnis in "Maria Waldrast"

Krefeld. Die katholische Kirche "Maria Waldrast" mag abgelegen stehen, doch zum dritten Orgelsommerkonzert am Sonntag war sie prima besucht. Der Organist Harald Gokus und sein Sohn Sebastian am Schlagwerk brachten eine Kombination von Instrumenten zu Gehör, die wahrlich nicht alltäglich ist. Von Mojo Mendiola

Als würde zu einem mittelalterlichen Turnier geblasen, so klang die "Fanfare" von Craig Sellar Lang (1891 - 1971) auf der schlank und überwiegend hochtönig registrierten Orgel und den Pauken und bildete einen idealen Auftakt für dieses Konzert. Diesem Signal folgte das besinnlich-dezente "Prélude Modal" und das beschwingte "Pasticcio" von Jean Langlais (1907 - 1991), zwei reizvolle Miniaturen, letztere für Orgel solo, an die sich wiederum zwei Soli für die Marimba anschlossen.

In "Eravie" aus der Feder des Zeitgenossen Alexej Gerassimez klang das Instrument wie in einer Wolke aus Hall schwebend, wodurch die geschlagenen Töne des tremolierenden Spiels von Sebastian Gokus in ihrem Charakter watteweich verfremdet wurden und einen an New Age-Musik erinnernden Klang erhielten. In "Rotation IV" von Eric Sammut, ebenfalls ein Zeitgenosse, wurden die hölzernen Klangstäbe der Marimba dann als solche wahrnehmbar, und das Stück im Midtempo verriet eine gewisse Nähe zum Jazz, aber auch ein bisschen französischen Einfluss.

Zusammen spielten Vater und Sohn eine "Meditation" von Paul Creston (1906 - 1985) für Orgel und Marimba, die nun ihrem ruhigen Fluss den Titel bestätigte, und aus der Feder des noch lebenden Nebojsa Jovan Zivkovic aus Serbien stammte ein melodisch abwechslungsreiches, verschiedene Kulturräume streifendes Opus mit dem Titel "Ilijas", das rhythmisch eine prima Überleitung darstellte zum "African Patchwork", das Enjott Schneider, ebenfalls ein Gegenwartsmusiker, dem Orgelvirtuosen und Urwalddoktor Albert Schweitzer gewidmet hat. Im Schritt-Tempo beginnend, dann in schnellerer Schlagabfolge erhob sich die Djembe-Trommel über die langgezogenen Noten der Orgel, trat in Dialog mit ihr, vereinte sich in kurzen Unisono-Passagen mit ihr und überließ ihr schließlich die beschwörenden Phrasen am Schluss.

Das Publikum war von diesem in jeder Hinsicht starken Vortrag begeistert und verfolgte beinah offenen Mundes das "umbhiyozo waze africa" von Grant McLachian, das sich nach und nach als waschechter Township Jive südafrikanischer Prägung erwies, sodass man förmlich auf den Einsatz einer Vokal-Gruppe im Mbube-Stil wartete. Der blieb zwar aus. Aber im dreisätzigen "Concertino für Orgel und drei Pauken" von Günther Kretzschmar (1929 - 1986) zelebrierte das Duo Gokus ein farbenfrohes und dynamisch sehr differenziertes Kaleidoskop von Stimmungen.

Stehender Applaus belohnte die Künstler, und erst nach zwei Zugaben waren die Zuhörer bereit, hinaus in den noch sonnigen Abend zu gehen.

Harald Gokus ist als Kirchenmusiker Absolvent der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf und wirkt als Kantor in Rheda-Wiedenbrück. Er konzertiert im In- und Ausland. Sein Sohn Sebastian studierte Schlagzeug und Percussion in Bielefeld und Köln und sammelte Erfahrung vor allem in den ethnischen Musikstilen auf seinen Studien- und Gastspielreisen durch Brasilien, Korea und Tansania.

Quelle: RP
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