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Krefeld
Die Schwelle des Grauens

Ostwall Krefeld: Die Schwelle des Grauens
st alles andere als sanft ansteigend: die Schwelle im Bereich Neue Linner Straße / Ostwall. Selbst bei niedriger Geschwindigkeit bekommt ein Autofahrer Mitleid mit den Stoßdämpfern seines braven Gefährts. FOTO: Str�cken,Lothar
Krefeld. Beim Überqueren des Ostwalls über die Neue Linner Straße empfiehlt sich äußerste Vorsicht. Am anderen Ende der Haltestelle braucht man Nervenstärke: Die Grünphasen sind elend kurz. Von Natalie Schuh, Carolina Thomys, Laurenz Wulbeck und Jens Voss

Der Ostwall hält zurzeit zwei Besonderheiten bereit, die mal Fußgänger, mal Autofahrer beschäftigen: Autofahrer müssen bei der Überquerung des Ostwalls über die Neue Linner Straße eine Schwelle meistern, die Stoßdämpfern und Reifen selbst bei sehr geringer Geschwindigkeit viel abverlangen und geeignet sind, dem Autofahrer Schweißperlen des Mitleids mit seinem armen Gefährt auf die Stirn zu treiben. Die Ampelschaltung am anderen Ende der Haltestelle wiederum meißelt vielen Fußgängern Falten des Zorns in die Stirn: Es ist unmöglich, den Ostwall in einem Rutsch zu überqueren - es sei denn, man sprintet.

Zum Thema Straßenschwelle fragten wir die Stadt, ob das steile Ding bei den Planern bekannt sei, ob es ein Versehen war oder ob geplant ist, den Übergang von der Fahrbahn auf den Schienenbereich sanfter zu gestalten. Die Antwort fiel kurz aus: "Die Problematik ist bekannt, eine Lösung wird derzeit von der Bauleitung gesucht." Heißt immerhin: Die Schwelle bleibt nicht so, wie sie ist. Das durchaus intendierte Ziel, den Verkehr zu verzögern, ließe sich jedenfalls bestimmt auch ohne den jetzt fälligen Schlag von unten erreichen. In der kommenden Woche wollen die Planer bei einer der turnusmäßigen Baustellen-Sitzungen darüber reden, erklärte ein Sprecher der Stadt. Er berichtete übrigens von einem kurzen Gespräch mit seinem Vater, der scherzhaft ankündigte, Schäden am Auto beim Überqueren dieser Schwelle künftig an den Sohn zu schicken.

Es fällt schwer, an der Ampel an der Ecke Ostwall/ Rheinstraße gesetzestreu zu bleiben. Man braucht zwei Ampelphasen zum Überqueren des Ostwalls. FOTO: Nein

Am anderen Ende der Haltestelle macht es die Fußgängerampel den Bürgern schwer, sich gesetzestreu zu verhalten, sprich: nicht bei Rot über die Ampel zu gehen, obwohl die Verkehrslage es mühe- und gefahrlos zuließe. Dies unter anderem deswegen, weil dort zurzeit nur Busverkehr unterwegs und überhaupt jeglicher Verkehr so langsam ist, dass die Koexistenz von mobiler Technik und Mensch durchaus auch ohne Ampel regelbar erscheint.

Jedenfalls: Angesichts der Tatsache, dass lediglich einige Busse die Ampelkreuzung passieren, mehrt sich die Zahl ungeduldiger Rotgänger. Bei einer Stichprobe am späten Vormittag sind innerhalb von zehn Minuten 44 Fußgänger bei Rot über die Ampel gegangen - fast die Hälfte der Leute, die in dieser Zeit insgesamt den Ostwall überquerten. Zum Überqueren beider Ampeln benötigt man fast anderthalb Minuten - genau: 85 Sekunden. Möchte man beispielsweise die Innenstadt in Richtung der Bahnersatzhaltestellen der Rheinstraße verlassen, beträgt die Wartezeit nach dem Überqueren der ersten Ampel immer noch eine Minute. Teilweise überschneiden sich die Rotphasen von Bussen und Fußgängern um eine halbe Minute - dann stehen also alle still.

Verkehrsführung: So fahren Sie am Ostwall FOTO: Stadt Krefeld

Eine Änderung der Ampelphasen bis zur völligen Freigabe des Ostwalls für den Verkehr nach Ende der Bauarbeiten ist nicht geplant - schon gar nicht die völlige Abschaltung der Ampeln. Die Planer gehen lieber auf Nummer sicher: "Um den Fußgänger- und Fahrradverkehr gegenüber dem Öffentlichen Personennahverkehr (Busse und Straßenbahnen) konfliktfrei, vor allem aber verkehrssicher abzuwickeln, wurde die Lichtsignalanlage an der Kreuzung Ostwall / Rheinstraße eingeschaltet." Die Signalschaltung stelle einen "Kompromiss der Grünzeitenverteilung für alle Verkehrsteilnehmer dar, die in einem Phasenumlauf von 85 Sekunden untergebracht werden müssen". Eine sichere Querung der Fußgänger ist in jedem Fall gewährleistet, sofern die Lichtzeichen beachtet werden. "Vor der Freigabe aller Fahrverkehre wird das Signalprogramm noch mal angepasst." Vielleicht kann man dann den Ostwall wieder in einem Rutsch überqueren.

Quelle: RP
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