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Krefeld
Otte Mark - Unfertiges muss im Bild bleiben

Krefeld: Otte Mark - Unfertiges muss im Bild bleiben
Der Krefelder Künstler Otte Mark hat sein ganz spezielle Methode entwickelt, um seine Bilder herzustellen. Es ist eine besondere Art der Malerei, die ohne Pinsel auskommt und Alltagsgegenstände als Farbgeber nutzt. FOTO: Galerie Schageshof
Krefeld. In Zusammenarbeit mit Karl-Josef Brockmanns von der Galerie Schageshof in Willich zeigt das Kulturzentrum FFFZ in Düsseldorf-Stockum noch bis zum kommenden Donnerstag 20 großformatige Arbeiten des Krefelder Künstlers Otte Mark. Von Mojo Mendiola

Dass er seine eigenen Arbeiten als "spinnige Bilder" bezeichnet, kultiviert - so darf man schließen - die Freude am Risiko eigenwilliger künstlerischer Gedankengänge, die durchaus mal spinnert wirken dürfen, vor allem aber im Schaffensprozess immer wieder mal einen unerwarteten Spin nehmen und neue Horizonte öffnen. Otte Mark, 1940 im schwarzwäldischen Seelbach geboren und seit 1985 Wahl-Krefelder, ist solch ein Künstler. Und seine eigenwilligste Idee war wohl die, die Leinwand aus ihrer rein rezeptiven Rolle in der Bildentstehung zu lösen und zum entscheidenden Werkzeug zu machen.

Von Hause aus Volksschullehrer, war es das Malen mit den Kindern im vorpubertären Alter, das ihm zu neuen Sichtweisen auf das Bild an sich verhalf. Aus Kinderbildern schuf er Collagen oder sortierte Gesamtschauen, anstatt sie einzeln zu benoten, und ließ sich von der Offenheit des kindlichen Blicks in die Welt inspirieren. Sein antihierarchisches Denken und sein Mut zur gesellschaftlichen Utopie haben hier ihre Wurzeln.

Eingefärbte Schuhe werden mit Leinwand umwickelt und geben auf diese Art die Farbe ans Medium ab. FOTO: Lotahr Strücken

Und so hat er auch seine ganz eigenen Methoden zu malen gefunden. Seine Folienbilder zum Beispiel malte er in Acryl auf Kunststoff-Folien, löste die getrockneten Farbkörper ab, brachte sie auf Nessel auf und zog das Gewebe dann auf Keilrahmen. Andere Bilder entstanden, indem Mark Gebrauchsgegenstände anmalte und dann die Leinwand an diese andrückte, so dass sich Farbe und Konturen auf das Textil übertrugen. Seine gegenwärtige Arbeitsweise geht noch erheblich weiter.

Er drapiert eine leere Leinwand über und um den motivgebenden Gegenstand herum, so dass sich dessen Flächen und Kanten durchdrücken, und an diesen entlang schüttet er in wohldosierten Rinnsaalen Farben, die den Gegenstand dann sozusagen in Verläufen abmalen und zusätzliche Strukturen am Boden bilden, wo der Fluss in Zufallslachen zum Stillstand kommt. Oder er knüllt die Leinwand sogar in sich, bevor er sie mit dem Gegenstand und der Farbe in Berührung bringt. Danach zieht er die Leinwand glatt in die Fläche, faltet sie vielleicht noch einmal, um Strukturen auf demselben Bild mit sich selbst zu duplizieren, kommt am Ende aber zu einem zweidimensionalen Bild, welches er straff auf Keilrahmen zieht - 187 x 187 Zentimeter ist dabei sein liebstes, ständig wiederkehrendes Format.

Dieses Fahrrad verrät durch seine Farbigkeit, dass es von dem Künstler Otte Mark für seine Art der Malerei eingesetzt war. FOTO: Lothar Strücken

Motivgebend kann jeder Gegenstand wirken, und er wird dabei von der Leinwand zunächst verhüllt und dann offenbart. Einen Regenschirm, eine alte blecherne Bettwärmflasche, sogar ein ganzes Fahrrad hat Otte Mark auf seine Weise verlustfrei in die Zweidimensionalität überführt. Besonders gern arbeitet er mit Stühlen, und mit ihnen gelingen ihm häufig soziale Anspielungen wie Vereinzelung, Zuneigung, Abneigung.

Was im Einzelfall konkret gelingt, hängt vom Zusammenspiel aus kalkuliertem Zufall und intuitiver Erfahrung ab, wird beeinflusst durch das konkrete Modellieren der Leinwand und die Art und Weise des Schüttens der Farbe - entlang der Kanten des Gegenstandes, parallel zu den Kanten des quadratischen Endformats oder in etlichen anderen Spielarten. Wichtig sind dabei auch die Leerflächen, die sich ergeben. Die Abstände, die sie zwischen den Farbverläufen bilden, tragen motivische Bedeutung. Und oftmals ist insgesamt so viel Leerraum im Bild, dass weniger der Eindruck eines Gemäldes als der einer Zeichnung entsteht.

"Ich will auch meine Bilder nicht 'zu Ende' malen", erläutert Mark. "Das Unfertige, Offene mit seinen Potenzialen und Chancen, das muss unbedingt im Bild drinbleiben."

Quelle: RP
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