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Krefeld
Ovationen für Starpianist

Krefeld. Beim Sinfoniekonzert beeindruckte Bernd Glemser mit Beethovens 3. Klavierkonzert c-Moll. Auch Gastdirigent Frank Beermann überzeugte. Von Heide Oehmen

"Von diesem Orchester bin ich total begeistert, es hat neben hohem technischem Standard vor allem einen ausgeprägten Klangsinn, und es herrscht eine gute Atmosphäre": So hatte sich Frank Beermann, der Gastdirigent des zweiten Sinfoniekonzertes, bereits nach den ersten Proben mit den "Niederrheinischen Sinfonikern" geäußert - welch ein Ritterschlag auch für Generalmusikdirektor Mihkel Kütson.

Dieser hatte gemeinsam mit Konzertdramaturgin Eva Ziegelhöfer ein Programm ausgewählt, das dem gebürtigen Hagener Beermann, der neun Jahre lang Generalmusikdirektor in Chemnitz war und jetzt frei arbeitet, auf Anhieb gefiel. Das dritte Klavierkonzert c-Moll op.37 von Ludwig van Beethoven wurde eingerahmt von Nordischem: Einer Sinfonischen Dichtung - dem Charakterbild des dänischen Prinzen Hamlet - von Franz Liszt und der 2. Sinfonie "Die vier Temperamente" des zu Unrecht viel zu wenig beachteten dänischen Komponisten Carl Nielsen (1865-1931). Beides war Neuland für den Gastdirigenten.

Dass, um es salopp zu sagen, die Chemie zwischen Dirigent und Orchester stimmte (auch von den Musikern verlautete im Vorfeld viel Positives), zeigte sich bereits bei dem schwer zugänglichen Werk von Liszt, dem eindringliche Wiedergabe und eine reiche orchestrale Farbscala zu Teil wurde. Besonders schön gelangen die kammermusikalisch anmutenden Passagen der Holzbläser und der Solovioline, die auf die den Prinzen verehrende Ophelia weisen.

Wie aus einem Guss und in traumwandlerisch sicherer Übereinstimmung erlebten die Zuhörer im gut besuchten Seidenweberhaus die eingängige Nielsen-Sinfonie, in der dem Dänen mit der teils humorvollen Deutung der menschlichen Charaktere ein großer Wurf gelungen ist. Beermann und den Niederrheinischen Sinfonikern machte es großen Spaß, den polternden Choleriker, den trägen, das Leben genießenden Phlegmatiker, den tief traurigen Melancholiker und den in seinen Stimmungen schwankenden Sanguiniker mit großem Einfühlungsvermögen, erlesenen Soli und voller Klangpracht darzustellen. Riesiger Jubel dankte dem Gast und allen Akteuren.

Einer der bedeutendsten deutschen Pianisten - Bernd Glemser - weilte nach vielen Jahren wieder einmal am Niederrhein. Der Professor an der Musikhochschule Würzburg und international gefragte Künstler ist trotz aller Ehrungen einer der Stillen im Lande. So erlebten die Zuhörer auch sein Spiel: Unter seinen Händen wurde der Solopart des Beethovenschen Klavierkonzertes zu einem unvergesslichen Hörereignis. Glemsers Anschlagskultur ist brillant, aber unauffällig, selbst komplizierteste Passagen muten "leicht" an, die Mittelstimmen haben das ihnen zukommende Gewicht, und niemals wird der Flügel zum Poltern missbraucht. Frank Beermann, der den Pianisten seit seinen Anfängen kennt, stellte mühelos die minuziöse Verbindung zum hingebungsvoll begleitenden Orchester her, dem der Solist am Schluss ausdrücklich applaudierte. Nach ganz viel Beifall gab es eine Zugabe, die fast tonlos verklang - das ist Bernd Glemser.

2. Konzert: Freitag, 21. Oktober, 20 Uhr Seidenweberhaus, Kartentelefon 02151 805125.

Quelle: RP
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