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Krefeld
Pappköpp-Premiere: Vertäll mech kin Oper!

Krefeld: Pappköpp-Premiere: Vertäll mech kin Oper!
Bei der Jahreshauptversammlung verkündet MGV-Vorsitzender Opa Angermanns (stehend) den Sangesbrüdern Matthes, Pitter, Schäng und Köeb (v.l.) das Vorhaben, anlässlich des Jubiläums eine Oper aufführen zu wollen. FOTO: T. Lammertz
Krefeld. Im Theater des Marionetten-Ensembles erleben die Zuschauer, wie sich der MGV Lyra Krützpoort auf sein Stiftungsfest zum 100-jährigen Bestehen vorbereitet. Dabei kommen Komponisten wie Ferdi, Rosini und Engelbert Pumpernickel zu Ehren. Von Jochen Lenzen

Wenn ein Männergesangverein sein 100-jähriges Bestehen feiern will, muss unendlich viel bedacht werden. Und so geben sich auch die Mitglieder des Krefelder "MGV Lyra Krützpoort" unter seinem Vorsitzenden Opa Angermanns ans Denken. Die Vorbereitungen für diese Jubiläumsfeier konnten am Samstagabend die Premierenzuschauer im Marionettentheater der "Krieewelschen Pappköpp" an der Peter-Lauten-Straße unter dem Titel "No vertäll mech kin Oper" erleben: Beste Unterhaltung mit oft auch deftigem Witz und Kawuppdich op Kriewelsch Platt.

Natürlich ist es Matthes, der die nicht von allen Mitgliedern des Männerchors begeistert aufgenommene Idee hat, eine Oper aufzuführen. Nur in einem Punkt herrscht Einigkeit: Die Wiever dörfe net mötmaake; dat soll jooe Niwo häbbe! Opa Angermanns hat die Idee von vornherein unterstützt und probt - wäejes die juute Akustik - sogar auf der Toilette: "In diesen heil'gen Hallen . . ."

Über Hännes Nösemes van et Stadthuus kriegt jedoch Angermanns Tochter Bertha Wind von dem geheimen Vorhaben der Sangesbrüder und weiht deren Frauen während ihres VHS-Kurses "Bauch, Beine, Po" ein. Auch sie wollen beim Jubiläumsfest dabei sein und setzten sich eifrig mit Operntexten aus dem Lambretta oder Lambrusco oder wie dat hitt auseinander. Schließlich proben sie in wunderbaren Kostümen (angefertigt von der Krefelder Schneiderin Regina Schultes) Wagners Hochzeitsmarsch: "Jräulich verführt . . ."

Unterdessen haben sich die oppositionellen MGV-Sänger in der Kneipe getroffen und üben heimlich statt Opernmelodien einen vielbeklatschten Krieewelsch-Platt-Rap ein, während Matthes seine Band "Die Melmpüper" dazu verdonnert, den Triumphmarsch aus Ferdis Aida einzustudieren. Das misslingt so grandios, dass sich die Band ihrer eigentlichen Musik besinnt und den Marsch unter riesigem Applaus des Publikums als fantastische Dixieland-Version (aufgenommen von der Schmackes-Brass-Band) mit Banjo- und Trompeten-Soli spielt.

Anschließend überredet Matthes den wenig begeisterten Musikprofessor Josef zu dessen Mithilfe für sein epochemachendes Werk, zusammengesetzt von Melodien des Komponisten von "Dä Ring van de Niepkuhlen" und anderer Musik-Kluote wie Rosini oder Engelbert Pumpernickel.

Die opern-afineneren MGV-Mitglieder üben nun in Matrosenanzügen ein Stück ein, von dem sie nur wissen, "dat mer enne fleje looete solle". Da schwebt das Schiff eines Holländers unter der Decke des Saals bis zur Bühne, der aber mangels grüner Plakette zum Hohngesang "Ohne Holland fahr'n wir zur EM" wieder weggeschickt wird.

Das Finale spielt vor der Kulisse des Theaterplatzes mit Seidenweberhaus, Mediothek und Theater (aufwendig erstellt von Frank Zöller und Violetta Zerni): Regisseur Matthes übt mit Schäng als Torero den ganz großen Part des Escamillo aus Bizets Carmen, wobei sich der Theaterplatz urplötzlich in eine Arena verwandelt hat und in Ermangelung eines Stiers die Pappköpp-Jieet erscheint, die Schäng in tapferem Kampf bezwingt.

Da erschallt aus dem Off eine Stimme: "Verehrtes Publikum, verschiedene Tierschützer-Vereinigungen, darunter die Aktivisten von ,Mein Euter gehört mir' haben eine Einstweilige Verfügung erwirkt. Wir hoffen, das Problem bis zur nächsten Aufführung gelöst zu haben. Wir sehen uns wieder - demnächst in diesem Theater!"

Quelle: RP
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