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Krefeld
Paris-Punks starten Heavy Metal Ritt durch den Balkan

Krefeld. Am Sonntag noch vor 5000 beim Festival in Radebeul und dort mit der Krefelder Band "Provinztheater" gejammt, am Dienstag dann wieder in der kleinen, aber feinen Kulturrampe - dort spielten "Les Fils de Teuhpu" vor Jahren schon einmal, und ihre Fans hatten sie nicht vergessen.

Wie auch, einen solch vielschichtigen Stil-Mix hört man nicht alle Tage, man hätte ein musik- und erdkundliches Quiz daraus machen können. Aus der ehemaligen Pariser Straßen-Punk-Band ist ein ausgereifter Act geworden, der die Frische seiner frühen Tage ausstrahlte.

Der Sound wurde bestimmt von drei bis vier Blechbläsern - je nachdem, ob Gilles Cadoret dit Gésir die Bass-Töne aus einem Sousaphon oder einem Viersaiter holte. Auch die jeweilige Führungsstimme sowie ein langer Reigen hörenswerter Soli wurden meist geblasen, nämlich von Trompeter Rodolphe Sallès, Bass-Posaunist Francois Martin und Benjamin Kurpisz am Bariton-Saxophon. Manch tolle Passage kam aber auch von Kader Hadi, der sein Banjo mal wie ein Banjo, mal wie eine arabische Oud und mal wie eine griechische Bouzouki spielte und auch zur E-Gitarre griff, um darauf erst einen Heavy-Metal-Ritt durch den Balkan zu unternehmen und anschließend einen allerliebsten nigerianischen JuJu vom Griffbrett zu lassen, von dessen Leichtfüßigkeit sich Nicolas Petit dit Pumtchak zu einem Schlagzeug-Solo in westafrikanischer Polyrhythmik inspirieren ließ. Elemente aus rock-musikalischen Richtungen, aus Jazz - vor allem klassischer Swing in den Bläsersätzen, aber auch Bebop und New Orleans in den Soli - aus Ska und Calypso, Cajun und Chanson sowie Polka, Walzer und Charleston als zumindest vorübergehend reinrassig auftretende Tanzrhythmen führten um mehr als nur die halbe Welt, und auch die Ansagen zu den Stücken wurden aus bis zu vier Sprachen "zurechtgebrecht".

Vokal spielte harmonischer Satzgesang eine wichtige Rolle und erlaubte den Sprachkundigen, die französisch gesungenen Texte gegen neoliberale und islamistische Menschenverachtung zu verstehen. Überraschende Zitatfetzen, etwa aus dem karibischen "Shake, shake, shake Senora" oder dem meist erst um Weihnachten herum zu hörenden "Johnny Tambour", taten ein Übriges, um keine Sekunde Langeweile aufkommen zu lassen. Das Publikum ließ sich sogar zum Mitsingen animieren, und so herrschte schon am Dienstag Freitagnachtstimmung vom Feinsten.

(mojo)
 
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