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Krefeld
Pavillon als Glanzstück: Terrazzo-Boden fertig

Krefeld: Pavillon als Glanzstück: Terrazzo-Boden fertig
Wunderbar wieder hergestellt: der Terrazzo-Boden des Pavillons im Stadtgarten. Der Musikpavillon wurde 1892 angelegt. Der Stadtgarten war ursprünglich ein Friedhof; er wurde 1819 eröffnet und lag damals noch vor der Stadt. 1867 wurde er aufgegeben und gegen Ende des Jahrhunderts in einen Stadtgarten umgewandelt. Reste der Grabmale gehören bis heute zum Bestand des Parks. FOTO: Lothar Strücken
Krefeld. Die Restaurierung des Stadtgartens mit dem Pavillon macht große Fortschritte - der Terrazzo-Boden erstrahlt jetzt in alter Pracht. Von Otmar Sprothen

Der stürmische Wind fegte die kurzen Regenschauer beinahe waagerecht durch die offenen Seiten des Musikpavillons im Krefelder Stadtgarten. Dennoch hatte es sich eine Handvoll Besucher nicht nehmen lassen, sich vor Ort über den Fortgang der Restaurierungsarbeiten des denkmalgeschützten Pavillons zu informieren, dessen frisch erneuerter Terrazzo-Fußboden ahnen lässt, wie aufwendig die Wiederherstellung des historischen Zustandes des über lange Zeit vernachlässigten Musiktempelchens ist.

"Wir haben den Boden 18 Zentimeter tief abgetragen und den Untergrund erneuert", berichtet Architekt Klaus Reymann von der Krefelder Baudenkmalstiftung. "Dann haben wir die Anzahl der Körner pro Quadratmeter Terrazzo gezählt, um die richtige Mischung herauszubekommen, wie sie seinerzeit beim Bau des Pavillons verlegt wurde." Die den Unterbau verkleidenden Fertigteile und das dahinter liegende Mauerwerk haben die Restaurierer weggenommen und den alten Sockel freigelegt. Da die Fußbodendecke als nicht mehr tragfähig erschien, wurden die beiden tragenden Stahlträger mit Stützmauern unterfüttert. Die acht gusseisernen Säulen, auf denen das Dach lastet, sind in einer anthrazitgrauen Schutzfarbe gestrichen, die die um die Säulen herumlaufenden Zierbänder betont. Später wird der untere Raum eine Zwangsbelüftung erhalten.

Die Perspektive lässt ahnen, wie schön und idyllisch der Stadtgarten sein wird, wenn er fertigsaniert ist. Vorn links eines der historischen Grabmale. FOTO: Nein

Sven Wiebusch von der auf diese Arbeiten spezialisierten Fachfirma Dohmen hat seit April einige Teile der alten Deckenmalerei freigelegt. Es waren die Stellen, die noch durch stabile Schichten des alten Putzes einigermaßen geschützt waren. "Für diese Arbeit mit Skalpell und Glasfaserradierer braucht man Feingefühl und eine Menge Geduld", erklärt Wiebusch. Der Maler liebt diese Arbeit, die ihm ein Erfolgsgefühl vermittelt, wenn er einzelne Details Stück für Stück freilegen kann. 60 Arbeitsstunden hat dieser Prozess gekostet, aber nur mit Geduld lässt sich das gemalte Original unbeschädigt erhalten.

Nun kann der halbmeterbreite farbige Zierfries mit Baum- und Blumenmotiven wieder neu entstehen. Wiebusch hat die freigelegte Malerei komplett abgepaust. Die Vorlagen überträgt er auf Selbstklebefolie. Die so gewonnenen Schablonen malt der Maler mit einer besonderen Stupftechnik aus, für die er spezielle Stupfpinsel benötigt. Diese Maltechnik verhindert, dass Farbe unter die Schablone kriecht und die Konturen verlaufen. Um dem Original ganz nahe zu kommen, mischt Wiebusch alte Leinölfarben zusammen.

Architekt Klaus Reymann (r.) von der Krefelder Baudenkmal-Stiftung erläuterte am Samstag einer Besuchergruppe den Fortschritt der Sanierung. FOTO: Nein

Joachim und Marieluise Schürmann haben sich unter die Besucher gemischt. "Es gibt viele schöne Ecken in Krefeld. Der Stadtgarten wird einmal dazu gehören", sagt Marieluise Schürmann. "Es wäre aber gut, wenn hier jemand aufpassen würde, dass nichts Negatives passiert." Ihr Mann sieht den Pavillon als Teil der Krefelder Geschichte, für die er sich als Neukrefelder sehr interessiert.

SPD-Ratsherr Frank Meyer meint, dass die Stadt eine solche Initiative von Bürgern begleiten könne, um die Sauberkeit des Platzes zu gewährleisten. "Es gibt ja die Stadtgarten-Initiative der Anwohner. Jetzt kommt es darauf an, dass sich der Stadtgarten mit Leben füllt", sagt Meyer. Unterstützt wird er darin von Klaus Menzer, dem Bezirksvorsteher des Westbezirks: "Ende August wird der Pavillon fertig, und Ende Oktober können wir auch den wiederhergestellten Stadtgarten einweihen. Die Bürger, die dieses Angebot nutzen, werden nicht zulassen, dass es wieder verwahrlost", hofft Menzer. Mit 20 000 Euro waren die Renovierung der Decke des Musikpavillons und der Einbau einer mit der Straßenbeleuchtung verbundenen Deckenbeleuchtung veranschlagt. 28 000 Euro werden es dann bis zur Fertigstellung sein. "Diese Mehrkosten trägt die Krefelder Denkmalschutzstiftung", betont Reymann. "Es sind die Gelder der Bürger, die uns durch Spenden unterstützen."

Auf der Decke des Pavillons sind Jugendstil-Malereien entdeckt worden; sie werden mit einer speziellen Schablonen-Maltechnik wiederhergestellt. FOTO: Nein
Quelle: RP
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