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Krefeld
Per Telefon im Alter noch Freunde finden

Krefeld: Per Telefon im Alter noch Freunde finden
Hannelore von Hagen (l.) und Hildegard Steinigans kommen jetzt jeden Montagnachmittag zu einem Plauderstündchen zusammen. FOTO: T. Lammertz
Krefeld. Der Krefelder Caritasverband betreibt die Aktion "Begegnungstelefon" in Kooperation mit dem Altersheim im Hansa-Haus. Von Martin Heuchel

Auch im hohen Alter ist es noch möglich, neue Freunde zu finden. Diese Erfahrung machten Hildegard Steinigans (88) und Hannelore von Hagen (84). Alles begann mit einem Telefonat, nachdem die beiden auf das Projekt "Begegnungstelefon" aufmerksam gemacht worden waren, das die Caritas-Heime gemeinsam mit dem Altenheim im Hansa-Haus betreiben.

Die zwei Seniorinnen verbindet neben ihrem Alter auch schwindende Sehkraft, die bei beiden unter fünf Prozent liegt. Dadurch werden viele, früher selbstverständliche Aktivitäten unmöglich oder verlieren ihren Reiz. "Ich bin eigentlich eine richtige Leseratte", erzählt von Hagen, "aber das Lesen fällt mir mittlerweile schwer. Das ist ganz schlimm, weil man sich kaum noch selbst beschäftigen kann." Fernsehen oder Kartenspielen seien nämlich auch nicht mehr möglich, und auch der Weg vor die Tür berge seine Schwierigkeiten. "Auf der Straße seh ich ja kaum etwas, und alleine Kaffeetrinken macht auch keinen Spaß. Da denke ich dann, da vorne am Tisch könnte mein Sohn sitzen und ich erkenn' den nicht mal", schildert Hildegard Steinigans.

Da die beiden mit ihren Problemen keine Einzelfälle sind, entstand vonseiten der Krefelder Caritas-Heime gGmbH die Idee des "Begegnungstelefons", damit sich die Projektteilnehmer in Paaren austauschen können und sich nicht den ganzen Tag langweilen.

Sandy Schilling vom Caritasverband brachte die beiden Senioren vor einem halben Jahr zusammen. "Er hat mir die Nummer von Hannelore eingespeichert, damit ich nur noch eine Taste drücken muss", erklärt Steinigans. "Beim ersten Mal haben wir uns noch kaum etwas erzählt. Worüber soll man schon sprechen mit jemand, den man noch gar nicht kennt?", erzählt sie.

Dennoch telefonierten die beiden fortan jeden Montagmorgen. Schnell wurden Gemeinsamkeiten gefunden; so arbeiteten ihre beiden verstorbenen Ehemänner im Bankengeschäft, der eine bei der Bundesbank, der andere bei der Deutschen Bank. Mit der Zeit wurden die Gespräche länger und der Kontakt intensiver. "Wir sprechen über Ausflüge, was wir in der vergangenen Woche getan haben oder was wir für die kommende planen. Über alles Mögliche eben", berichtet von Hagen.

Vor drei Monaten entschieden die beiden dann, sich auch persönlich zu treffen. Seitdem kommen sie Montagnachmittags, ein paar Stunden nach ihrem Telefonat, im Hansa Centrum zu Kaffee und Kuchen zusammen. Ein guter Treffpunkt, denn Steinigans wohnt im benachbarten Altenheim im Hansa-Haus und auch für von Hagen, die alleine, aber in direkter Nachbarschaft zu ihrem Sohn lebt, ist der Weg nicht weit.

Die gemeinsamen Treffen und Gespräche bedeuten den Frauen viel und hat ihren Alltag bereichert. "Ich bin froh, dass wir uns auf diesem Weg als Freunde gewonnen haben", sagt Hannelore von Hagen strahlend, "sonst hätten wir uns ja nie kennengelernt."

Quelle: RP
 
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