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Krefeld
Pfarrer Zorn: "Das hat mich getroffen"

Krefeld: Pfarrer Zorn: "Das hat mich getroffen"
"Natürlich hätte ich gern weitergemacht": Günter Zorn, Pfarrer von St. Thomas Morus, ist von seiner Entpflichtung überrascht worden. FOTO: Lammertz
Krefeld. Der Thomas-Morus-Pfarrer, der vom Bistum Aachen in den Ruhestand zwangsversetzt wurde, zeigte sich gestern getroffen. Er fühlt sich zu Unrecht kritisiert. Das Bistum wirft ihm vor, die Gemeinde-Reform nicht mitgetragen zu haben. Zorns Kollege Thorsten Obst zeigt Mitgefühl, deutet aber auch Konflikte mit Zorn an. Von Jens Voss

Die Zwangsversetzung in den Ruhestand kam für Thomas-Morus-Pfarrer Günter Zorn offenbar überraschend. "Gestern Morgen ist der Generalvikar zu mir gekommen und hat mir einen Brief des Bischofs auf den Tisch gelegt", sagte Zorn gestern auf Anfrage über die Art, wie er von seiner Entpflichtung erfahren hat. Mit ihm sei vorher nicht gesprochen worden. Das Bistum hatte ihm - wie berichtet - am Dienstag früh mitgeteilt, dass er in den Ruhestand versetzt wird; nachmittags um 17 Uhr wurde die Presse informiert - in einer Erklärung, die deutliche Kritik an Zorn übt. Der wies die Vorwürfe zurück. In der Mitteilung würden Dinge in die Welt gesetzt, die nicht der Wahrheit entsprächen. Näher wollte er sich nicht äußern. Er war auf dem Sprung in den Urlaub und wollte diesen Schlag erst einmal verarbeiten. Daran, dass es ein Schlag war, ließ er keinen Zweifel: Die Nachricht habe ihn getroffen, "das muss ich schon sagen". Trotz seiner 72 Jahre hatte er noch nicht an Ruhestand gedacht: "Natürlich hätte ich gern weitergemacht."

Zorn verliert nun auch ein über Jahrzehnte vertraut gewordenes Heimatdomizil. Er wurde 1979 zum Pfarrer der Thomas-Morus-Gemeinde berufen. Das Pfarrhaus war lange auch Heimstätte für eine Gemeinschaft mit seinem Bruder und seiner Mutter, die der Bruder in den vergangenen zehn Jahren bis zum Tod der Mutter gepflegt hat. Das Bistum respektiert diese Symbiose und hat angekündigt, eine Wohnung zu suchen, in der beide Brüder weiterhin zusammen leben können. Die Entscheidung des Bistums beendet einen jahrelangen Streit zwischen Zorn und Bischof Heinrich Mussinghoff. Zorn hat sich lange gegen die Zusammenlegung der Gemeinden St. Thomas Morus, St. Anna und St. Elisabeth von Thüringen zur neuen Pfarrei Heiligste Dreifaltigkeit gewehrt. Im RP-Interview kritisierte er einmal den Stil des Bistums: "Für uns war die Art des Umgangs entscheidend. Unterm Strich denke ich, dass uns Unrecht geschehen ist", hatte Zorn im März 2011 gesagt, als die Entscheidung über die Fusion gefallen war.

Ausdrücklich hatte das Bistum nun kritisiert, dass Zorn sich nicht an die Zusage gehalten habe, mit dem Pastoralteam der neuen Pfarrei zusammenzuarbeiten und die Rolle von Pfarrer Thorsten Obst in der Leitung der Pfarrei nicht anzuerkennen; Zorn habe damit ein Zusammenwachsen der Gemeinden erschwert. Obst zeigte gestern Mitgefühl für Zorn, machte aber auch deutlich, dass er Reformen für nötig hält. Auch er sei am Dienstag über die Entscheidung des Bistums informiert worden: "Ich finde das Ganze sehr tragisch und bin auch sehr traurig, dass es so gekommen ist." Er könne Zorns Haltung aus dessen Blickwinkel sogar nachvollziehen. Er wolle aber als einer der jüngeren Pfarrer im Bistum dennoch bemerken, "dass wir jüngeren Priester immer größere Gebiete und Gemeinden zu tragen haben". Dass es zu Konflikten mit Zorn kam, deutet Obst nur indirekt an: "Ich habe nicht viel verlangt, nur ein konstruktives Miteinander." Obst betonte die Notwendigkeit von Reformen: "Wie soll die katholische Kirche in Krefeld in zehn Jahren aussehen? Wir müssen auch die Weichen in die vor uns liegende Zukunft stellen. Nicht nur für uns selbst, sondern auch für die, die nach uns kommen."

Obst ist seit dem 1. Januar 2014 Pfarrer der Pfarrei Heiligste Dreifaltigkeit. Diese neue Pfarrei bildet mit der Hülser Pfarrei St. Cyriakus die GdG (Gemeinschaft der Gemeinden) Krefeld-Nordwest, deren Leiter der Hülser Pastor Paul Jansen ist.

Quelle: RP
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