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Krefeld
Pflegesektor: Star-Anwalt versteht Stadt nicht

Krefeld: Pflegesektor: Star-Anwalt versteht Stadt nicht
Der Bockumer Jurist Jochem Schausten ist Spezialist im Familienrecht. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Der 49-jährige Bockumer Jochem Schausten wurde von den Kollegen zum dritten Mal in Folge zu einem der besten Anwälte Deutschlands in der Sparte Familienrecht gewählt. Für die Krefelder Politik in Sachen Pflege zeigt er wenig Verständnis. Von Norbert Stirken

Der Bockumer Jurist Jochem Schausten hat sich die Anerkennung seiner Kollegen offenbar endgültig gesichert: Der Experte für Familienrecht taucht schon zum dritten Mal in Folge in der Focus-Liste der besten Anwälte Deutschlands auf - als einziger Krefelder. Das Nachrichtenmagazin hat für das Ranking rund 12.500 Vertreter der Branche befragt.

"Die Liste hat keinen Objektivitätsanspruch, dennoch freue ich mich, dass ich zum dritten Mal dabei bin", sagt Schausten. Der Ruf seiner Kanzlei mit Standorten an der Cracauer Straße in Krefeld und an der Kö in Düsseldorf reicht bis ins Ausland. Erst kürzlich habe er einen Mandanten aus der Fifa-Zentrale in Zürich beraten. "Das hatte aber nichts mit der aktuellen Affäre um Bestechung und Korruption bei Weltfußballverband zu tun", berichtet der 49-Jährige. Der Fall sei vielmehr in seinem Spezialgebiet Familienrecht angesiedelt gewesen.

Vor rund 15 Jahren begann er, sich auf die Thematik zu konzentrieren. Inzwischen ist er nicht nur regelmäßig Experte in diversen Ratgebersendungen des ZDF, sondern auch Buchautor und als Verbandsfunktionär Ansprechpartner fürs Justizministerium. Lange Jahre galt der in Kaldenkirchen an der deutsch-niederländischen Grenze geborene Schausten als Männer-Anwalt. Dieser Ruf war im Erfolg seiner Veröffentlichung mit dem Titel "Trennung, Scheidung und Unterhalt - für Männer" begründet. Das Buch ist im Haufe-Verlag mittlerweile in achter Auflage erschienen. Über diese Phase seiner Tätigkeit ist der Anwalt jedoch längst hinaus. Als Mitglied des geschäftsführenden Ausschusses (vergleichbar mit einem Bundesvorstand) der Arbeitsgemeinschaft Familienrecht im deutschen Anwaltsverein pflegt er den Austausch mit Richtern des Bundesgerichtshofs, der Oberlandesgerichte und der Ministerialverwaltung. "Dort lernt man, wie die Entscheider denken, wie sie ticken", berichtet Schausten. Deshalb bekomme er wohl auch die "interessanten, komplizierten und außergewöhnlichen Fälle".

Immer häufiger kümmert sich Schausten um den sogenannten Elternunterhalt. "Immer mehr Städte versuchen, das von ihnen verauslagte Geld für die Unterbringung von pflegebedürftigen Senioren von deren Kindern zurückzubekommen", erklärte er. Als Steuerzahler begrüße er das. Als Jurist sorge er dafür, dass die Rechte der Kinder in vollem Umfang beachtet würden. Die politische Diskussion in Krefeld mit dem Ziel, den Elan von Investoren zu stoppen und den Bau von zusätzlichen Pflege- und Senioreneinrichtungen möglichst zu verhindern, könne er überhaupt nicht verstehen. Ein Angebot schaffe Nachfrage, und wenn Menschen aus dem Umland sich für eine Einrichtung im Stadtgebiet entschieden, dann müsse das Sozialamt der abgebenden Kommune für die anteiligen Kosten aufkommen. In Krefeld wiederum stiege die Zahl der Einwohner, der Arbeitsplätze und das Wirtschaftsvolumen. "Das wäre doch zu begrüßen", meint der Jurist.

In die Kommunalpolitik will Schausten dennoch nicht wechseln. Seine knapp bemessene Freizeit nutzt er, um mit seiner Frau Parwin (Anwältin für Arbeitsrecht) die Wanderschuhe zu schnüren und seine Ausdauer auf Rundkursen in Südtirol, den Dolomiten, der Eifel, im Hochschwarzwald und auf Teneriffa unter Beweis zu stellen. Großes Interesse findet auch sein zweites Hobby: Kochen. Seine Spezialität ist die italienische Küche. "Mein Mann kocht sehr gut - nach Rezept", sagt Parwin Schausten.

Quelle: RP
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