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Krefeld
Phantom der Oper auf der Rennbahn: Bravouröse Premiere der Kino-Sinfonie

Krefeld. Kino-Sinfonie - ein ganz besonderes Erlebnis: Das restlos begeisterte Publikum dankte 60 Musikern der Niederrheinischen Sinfoniker und dem Dirigenten Andreas Fellner. Von Mojo Mendiola

Das Wetter schien den Niederrheinischen Sinfonikern und den Gästen bei der Premiere auf der Rennbahn einen Streich zu spielen: Der Abend drohte laut Vorhersage nass zu werden. Doch das Orchester spielte die Kino-Sinfonie "Das Phantom der Oper" wie geplant unter freiem Himmel.

Die Sonne hatte sich am frühen Abend ja auch rasch wieder durchgesetzt, auf dem Vorplatz der Rennbahn mit Biergarten und mobiler Gastronomie herrschte entspannte Sommerfrischenatmosphäre, und in der Eingangshalle, auf dem Weg zu den überdachten und mit Sitzkissen ausgestatteten Tribünen, verbreitete der Geruch von Popcorn echte Kinostimmung.

Auf der Riesenleinwand wurde der "rekonstruierte Neuschnitt" des Stummfilmklassikers von 1925 gezeigt. Diese rund 95 Minuten lange Version entstand im Jahr 1929 und wurde mehrfach restauriert. Die ersten Bilder zeigten das geradezu bombastisch barock wirkende Treppenhaus der Pariser Oper, durch das sich die Besucher in dichtem Gewusel zu ihren Plätzen bewegten. Während auf der Film-Bühne das Orchester und das Ballett in Aktion zu sehen waren, versetzte ein Schnitt das reale Kinopublikum in die Büroräume des Operntempels, wo gerade der Vertrag mit den neuen Besitzern unterzeichnet sowie eine deutliche Warnung vor dem Geheimnis der Loge 5 ausgesprochen wurde. Dann ging es zurück auf die Bühne, wo bald der erste Vorhang fiel, und dieser Moment bescherte den Niederrheinischen Sinfonikern unter Andreas Fellner den ersten begeisterten Zwischenapplaus. Auf einer zwölf mal zehn Meter großen, wetterfesten Guckkastenbühne rechts von der Leinwand führten 60 Musiker des Orchesters synchron zum Film die Begleitmusik von Carl Davis aus dem Jahr 1996 auf, und die Präzision ihrer Arbeit war in der Tat beeindruckend. Wo im Film das Orchester zum Tanz des Balletts spielt, hatte Davis seine Musik so komponiert, dass sie wie vom Filmorchester kommend klang, somit quasi auf zwei Funktionsebenen gleichzeitig ihre Wirkung entfaltete und den Vorhang mit pathetischen Schlussakkorden begleitete.

An dieser Stelle wurde in besonderem Ausmaß deutlich, wie großartig Davis' Komposition das Filmgeschehen musikalisch fasste, und wie wunderbar Fellner und die Seinen dies live umzusetzen wussten. Auch im Weiteren gelang den Sinfonikern ihr Vortrag prächtig. Davis hat für sein Werk unterschiedlichste Musikstile herangezogen und alle Tricks der untermalenden und dabei verstärkenden Filmbegleitung angewandt, die auch für heutige Filme Einsatz finden, dabei jedoch stets auf das historisch Passende geachtet und auf diese Weise kongenial mit dem Regisseur Rupert Julian "zusammengearbeitet".

Die Sinfoniker ihrerseits waren prima ausgeprobt und wurden auch von einem guten, hier und da leicht höhenlastigen, aber stets transparenten Sound unterstützt. Auf der Leinwand beeindruckte nicht nur der Hauptdarsteller Lon Chaney, dessen Maske anders als in modernen Versionen das ganze Gesicht bis aufs Kinn bedeckte, sowie als bedrohtes Liebespaar Mary Philbin und Norman Kerry. Großen Anteil hatte auch die teils in schwarz-weiß belassene, großenteils in Sepia und manchmal auch in blau getauchte Kulisse und Requisite der Handlung. Der Weg des Phantoms mit Christine durch die fünfstöckige Unterwelt des Theaters, über Treppen und Rampen und einen See zurückgelegt, war unbedingt fesselnd. Und der in Zweifarb-Technicolor gedrehte Auftritt des Phantoms auf dem Maskenball als Tod im flammend roten, wehenden Cape wirkte schlicht umwerfend.

Als das Gruselspiel nach dramatischen Steigerungen seinen Schlusspunkt mit dem Tod des Phantoms gefunden hatte, wollte der Applaus auf den Rängen kein Ende nehmen.

Quelle: RP
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