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Krefeld
Pilgern auf den Spuren der Reformation

Krefeld: Pilgern auf den Spuren der Reformation
Erkannt? Die mannshohe Luther-Figur von Playmobil steht am Bronze-Tor der Alten Kirche. Die evangelische Kirche wirbt mit der witzigen und überaus beliebten Figur für die Feierlichkeiten zum Jubiläumsjahr der Reformation. FOTO: Furchheim.
Krefeld. Zwei Kilometer führt der Pilgerweg durch die Innenstadt, vorbei an drei Kirchen und der Mediothek. So feiern die Krefelder am Sonntag den Auftakt des Reformationsjubiläums - und alle sind eingeladen. Von Tanja Karrasch

Pilgern wird häufig auch als "Beten mit den Füßen" bezeichnet. Es bedarf keiner Erklärung, man geht einfach los. Und jeder, vom Kleinkind bis zum Senior, kann mitmachen. Das sind die Gründe, die den Evangelischen Kirchenkreis Krefeld-Viersen dazu bewogen haben, Pilgerwege in den Mittelpunkt des Jubiläumsjahres der Reformation zu stellen, das am Montag, 31. Oktober, beginnt und in ganz Deutschland gefeiert wird. Zur Erinnerung: Am 31. Oktober 2017 jährt sich zum 500. Mal die Veröffentlichung der 95 Thesen, die Martin Luther der Überlieferung nach an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg schlug.

Das Jubiläumsjahr soll natürlich auch in Krefeld auf besondere Weise zelebriert werden. Seit zweieinhalb Jahren planen die Verantwortlichen deshalb verschiedene Veranstaltungen gemeinsam mit den Kirchenkreisen Aachen, Jülich und Gladbach-Neuss. Die vier Kirchenkreise haben sich zusammengetan, weil sie eine gemeinsame Geschichte verbindet. Als Motto für die Feierlichkeiten haben sie "Gottes Wort kehrt nicht wieder leer zu ihm zurück" (Jesaja 55) gewählt.

Am Sonntag, 30. Oktober, wird der Auftakt mit einem Stadtpilgern in der Krefelder Innenstadt gefeiert: zunächst mit einem Gottesdienst in der Alten Kirche um 15 Uhr. Dann führt der Pilgerweg rund zwei Kilometer von der Mennonitenkirche zur Dionysiuskirche, zur Mediothek und endet an der Friedenskirche: eine Reise durch die Geschichte Krefelds, die von christlichen Konfessionen und Gemeinden maßgeblich geprägt wurde. An allen Stationen werden die Pilger innehalten, gemeinsam beten und einen kurzen Impulsvortrag hören. "Glaube bewegt", erklärt Bettina Furchheim vom Kirchenkreis Krefeld-Viersen, manchmal eben auch im wortwörtlichen Sinn. Im Mittelpunkt des Stadtpilgerns steht aber nicht nur der Blick zurück auf 500 Jahre Reformationsgeschichte. "Wir wollen auch erfahren, wie Glaube heute gelebt wird und wie die Zukunft aussehen wird, was wir bewegen können", erklärt Furchheim.

Martin Luther selbst war nie am Niederrhein. Mit einer lebensgroßen Playmobil-Figur hat sich Bettina Furchheim deshalb nun auf die Reise durch alle Gemeinden begeben und Luther gezeigt, was die Reformation in Krefeld bewegt hat. Dabei sei sie besonders mit zahlreichen Kindern ins Gespräch gekommen, die neugierig waren, was es mit dem Mann mit den kinnlangen Haaren auf sich hatte. Luther sei eine Art "Werbe-Ikone" der Reformation, erklärt Pfarrerin Friederike Lambrich. Doch die Gemeinden in der Region wurden auch durch die Reformatoren Johannes Calvin, Huldrych Zwingli und Einflüsse aus den Niederlanden, Frankreich und der Schweiz geprägt. Evangelisch wurde Krefeld übrigens im Jahr 1561, so ist es urkundlich belegt.

Heute steht die Stadt für Vielfalt. "Krefeld ist eine Beispielstadt für Toleranz, die verschiedenen religiösen Gemeinden leben hier auf engem Raum miteinander, profitieren voneinander und begegnen sich auf Augenhöhe", lobt Furchheim. Die Kollekte des Gottesdienstes geht daher auch an die Initiative "Dach der Kulturen in Krefeld", die sich dafür einsetzt, Minderheiten eine Stimme zu geben.

Nach dem Stadtpilgern wird es ab 18.30 Uhr einen Empfang in der Friedenskirche geben, mit Grußworten unter anderem von Oberbürgermeister Frank Meyer und einer Ausstellung von 32 Kunstwerken zum Thema Reformation von Schülern des Berufskollegs Glockenspitz, des Berufskollegs Mönchengladbach und des Maria-Sibylla-Merian-Gymnasiums Krefeld. Zum Abschluss des Tages ab 19.30 Uhr geben "Family of Hope" ein Mitmach-Gospelkonzert.

Eingeladen zu allen oder auch nur zu ausgewählten Programmpunkten des Tages sind ausdrücklich alle, erklärt Bettina Furchheim. Das Stadtpilgern findet extra an einem Sonntag statt, damit unter anderem auch Katholiken, jüdische und muslimische Gemeinden daran teilnehmen können.

Quelle: RP
 
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