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Krefeld
Pinocchio tanzt im Wanderzirkus

Krefeld: Pinocchio tanzt im Wanderzirkus
Noch ist Pinocchio (Paolo Franco, links) eine Holzpuppe, die dem alten Gepetto ordentliches Kopfzerbrechen verursacht mit seinen Streichen. Dabei will er einfach nur ein normaler Junge aus Fleisch und Blut werden. Carlo Collodis Roman von 1880 kommt in der Choreografie von Robert North auf die Bühne - mit ganz neuen, zeitgemäßen Schwerpunkten. FOTO: Matthias Stutte
Krefeld. Schon vor der Premiere des Weihnachtsstücks am 5. November hat das Theater 16.000 Karten verkauft. Von Petra Diederichs

André Parfenovs Hemd ist nach der ersten Beleuchtungsprobe durchgeschwitzt. Der Komponist der Ballettmusik zu "Pinocchio" muss als Dirigent und Pianist vollen Körpereinsatz zeigen: "Das ist anstrengend wie ein Klavierkonzert von Tschaikowsky", sagt er. Und es ist leicht, herauszuhören, dass ihm ebenso wie Ballettdirektor Robert North und Ausstattungsleiter Udo Hesse die Produktion des Weihnachtsstücks am Herzen liegt. Die Uraufführung von "Pinocchio" hat am Sonntag, 5. November, 16 Uhr, Premiere im Theater. Schon vor der ersten Vorstellung sind 16.000 Tickets verkauft.

Nicht nur an Kinder. Denn obwohl Carlo Collodis Geschichte vom hölzernen Jungen, dessen Nase bei jeder Lüge wächst und der doch nur ein normaler kleiner Junge werden will, für Zuschauer ab fünf Jahre geeignet ist, habe dieser "Pinocchio" auch für Erwachsene viel zu bieten. Ballettchef North wollte keine Disney-Version erzählen. Er hat sich an den italienischen Original-Mehrteiler gehalten, der das Aufwachsen des elternlosen Jungen zeigt. "Es ist eine lange Geschichte von der Geburt bis zur Reife, und darin stecken viele Themen. Mir ging es darum, zu zeigen, was Kinder wirklich brauchen. Es gibt da eine Schlüsselfigur: die reiche Philantropistin, die Pinocchio so vieles geben kann - nur keine Liebe", sagt North. In seiner Version hat Pinocchio sogar eine Freundin. Das gehört für ihn zu einer zeitgemäßen Geschichte über das Erwachsenwerden. North: "Es ist kein moralisches Ballett, aber es bietet manche Lektionen an." Die Produktion, die im vergangenen Jahr bereits im Mönchengladbacher Haus zu sehen war, ist unter schwierigen Bedingungen entstanden, während eines Krankenhausaufenthalts North. "So haben Sheri Cook und auch die Company viele Ideen einfließen lassen", sagt der Chefchoreograf. Für die Eingangsszene in der Werkstatt des alten Gepetto kamen sogar Hollywood-Methoden zum Einsatz: "Normalerweise steht zuerst die Musik, dann kommt der Tanz dazu. Hier sind wir es umgekehrt angegangen, so wie bei Kinderfilmen. Robert North hat mir seine Ideen gezeigt, und ich habe die Musik dazu geschrieben", erzählt Parfenov. Bei "Verlorene Kinder" und "Chagall-Fantasie" haben North und Parfenov bereits bewiesen, wie kongenial sie zusammenarbeiten. Für ein klassisches Bläserquartett, Schlagzeug und Violine, die er am Klavier unterstützt, hat Parfenov diesmal komponiert. Jede Vorstellung wird live musikalisch begleitet - mit Tangoklängen, Boogie-Woogie und Liebesmelodien.

Die Musiker sind Mitglieder der Niederrheinischen Sinfoniker, sie sitzen mit auf der Bühne, für die Udo Hesse das Ambiente eines Wanderzirkusses erschaffen hat - inspiriert von Fellinis Oscar-prämiertem Film "La Strada" (Das Lied der Straße). "Es ist wichtig, dass Musiker und Tänzer Blickkontakt haben. Denn die Musiker müssen bei den vielen Slapstick-Momenten auf die Tänzer reagieren können", erzählt Hesse. Die Kostüme hat er nach Vorbildern der Commedia dell'Arte entworfen. Solche Bilder sollen auch Erwachsene verzaubern. Paolo Franco, der bis zum Ende der vergangenen Spielzeit zur Compagnie des Zwei-Städte-Theaters gehörte und nun freiberuflich arbeitet, übernimmt als Gast die Titelrolle, die ihm auch auf den Leib choreografiert worden ist.

Quelle: RP
 
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