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Krefeld
Pleite-Betrieb im Rheinhafen: Käufer für Metallwerke steht parat

Krefeld: Pleite-Betrieb im Rheinhafen: Käufer für Metallwerke steht parat
Die Metallwerke Bender an der Fegeteschstraße haben eine spielfilmreife Geschichte hinter sich. Jetzt steht ein Käufer parat. Der Insolvenzverwalter muss noch einige Hürden beseitigen. FOTO: Lammertz
Krefeld. Rund 70.000 Quadratmeter ist das Grundstück der Metallwerke Bender im Rheinhafen groß. Seit vielen Jahren passiert dort nichts mehr, gammelt die Infrastruktur langsam vor sich hin. Mit dem Objekt ist ein einzigartiger Wirtschaftskrimi verbunden, der jetzt ein gutes Ende zu finden scheint. Ein Käufer für das Areal steht in den Startlöchern. Noch müssen bürokratische Hürden bis hin nach Dubai beiseite geräumt werden. Von Norbert Stirken

Thomas Georg, Insolvenzverwalter für die Metallwerke Bender an der Fegeteschstraße in Gellep, ist optimistisch - und auch die Verantwortlichen des Krefelder Hafens freuen sich darauf, dass die seit vielen Jahren brachliegende rund 70 Quadratmeter große Fläche in naher Zukunft wieder bespielt werden kann. "Die Angelegenheit ist im Fluss", sagte Thomas Georg auf Anfrage unserer Redaktion. Noch seien einige bürokratische Hürden zu nehmen. Die Schwierigkeit dabei sei, dass die Anstrengungen weit über Krefeld hinaus bis nach Dubai reichen. Thomas Georg macht den Gläubigern der Metallwerke Bender Hoffnung, dass der zur Ausschüttung bereitstehende Betrag durch den Verkaufserlös wachse.

Die Angelegenheit ist formal kompliziert. Darüber hinaus verbirgt sich in der Historie der Metallwerke Bender eine aktenkundige Geschichte von Geheimdiensten, Morden, Geldwäsche, Untersuchungshaft und angeblichem Suizid. Die Ermittlungen der deutschen und österreichischen Behörden gegen den Hauptverdächtigen sind eingestellt, weil er im Februar 2015 tot in seiner Zelle aufgefunden worden war. Der kasachische Geheimdienstler soll damals Strohmänner mit dem Kauf des Krefelder Unternehmens beauftragt und dann dort für 9,45 Millionen Euro Geldwäsche betrieben haben. "Wir haben nach dem Tod des Beschuldigten die Akten geschlossen", erklärte Axel Stahl, Sprecher der Staatsanwaltschaft Krefeld, auf Anfrage unserer Redaktion.

Im Jahr 2011 gibt es die erste Anzeige bei der Krefelder Staatsanwaltschaft - Absender waren Geschäftsleute aus Österreich. Der Wiener Rechtsanwalt Gabriel Lansky sagte seinerzeit, der Beschuldigte habe bis zu 100 Millionen Euro verschoben - mit Scheinbeteiligungen in Firmen wie die Metallwerke Bender. Der konkrete Vorwurf, dem die Staatsanwaltschaft Krefeld nachgehen musste: Über die Metallwerke Bender soll der Kasache Aliyev seine weltweiten Vermögen aus möglicherweise kriminellen Machenschaften gewaschen haben. Die Krefelder wollten aber abwarten, wie der Prozess wegen Mordes in Österreich ausging. Der Kasache soll mit zwei Mittätern zwei Banker aufs Übelste gefoltert und dann getötet haben. Die Staatsanwaltschaft Wien erhob Anklage. Die Vorgänge gegen den Hauptverdächtigen werden nicht mehr geklärt.

Stattdessen nehmen die Insolvenzverfahren Fahrt auf. Derer gibt es zwei. Das 1938 gegründete einstige Krefelder Vorzeigeunternehmen geriet 2003 erstmals in die Insolvenz. Auf fast 17 Millionen Euro blieben die Gläubiger zunächst sitzen. Nun, 14 Jahre später, stehen gut 1,1 Millionen Euro zur Verteilung zur Verfügung. Das Amtsgericht Krefeld hat mit Beschluss vom 15. November zugestimmt.

Interessanter ist das zweite Insolvenzverfahren mit beschriebenem Wirtschaftskrimi als Hintergrund. Im ersten Jahr nach der Übernahme durch angebliche Strohmänner des Kasachen fuhren die Metallwerke Bender noch Gewinne ein, in der Krise 2008 aber ging es nach Angaben des damaligen Insolvenzverwalters in die verlustreiche Zone. 2010 übernahm ein neuer Unternehmenssanierer die Metallwerke, danach kamen Geschäftsmänner aus dem arabischen Raum, scheiterten aber auch. Das Ende von Bender war besiegelt.

Für die Abwicklung ist Thomas Georg zuständig. Der erklärte 2015: "Das Insolvenzverfahren über das Vermögen der Metallwerke Bender Rheinland GmbH dauert an, ein Abschluss ist nicht absehbar." Er sei noch mit der Durchsetzung von Anfechtungsansprüchen befasst, insbesondere im Zusammenhang mit einer Verwertung des Grundstücks. Die steht offenbar unmittelbar bevor. Der Dornröschenschlaf des für die weitere Entwicklung des unter Flächenmangel leidenden Hafens so wichtigen Areals scheint ein Ende gefunden zu haben.

Da die benachbarte Stadt Meerbusch sich weiterhin wehrt, auf ihrem Gebiet im Norden eine Expansion des Hafens zuzulassen, konzentrieren sich dessen Chancen derzeit auf die nicht genutzten Gelände der Metallwerke Bender und der Maluga Stahl GmbH.

Quelle: RP
 
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