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Krefeld
Podio hört auf - Ende einer Kleinkunst-Ära

Krefeld: Podio hört auf - Ende einer Kleinkunst-Ära
FOTO: Picasa
Krefeld. Im Januar beginnt die 16. Spielzeit - es wird die letzte des Podio sein. Danach werden nur noch eigene Produktionen gezeigt. Von Petra Diederichs

Der Entschluss ist lange gereift und von vielen Enttäuschungen bei der Suche nach einer neuen Spielstätte begleitet gewesen. Jetzt steht für Betty Ixkes und Rüdiger Höfken fest: Das Podio wird es künftig nicht mehr so geben, wie die Krefelder es kennen. Am 20. Januar startet mit La Signora die 16. Spielzeit des Krefelder Wohnzimmertheaters - es wird die letzte sein. Bis dahin fahren die Kleinkunst-Veranstalter noch mal ordentlich auf: von Daphne de Luxe bis Philip Weber.

Ab Sommer werden Ixkes und Höfken dann nur noch eigene Produktionen zeigen, mit denen sie auch im deutschsprachigen Raum touren wollen. Nur das "Lachblütenfestival" im Botanischen Garten (alle zwei Jahre), das jährliche Glühwein-Cabarett im Stadtwaldhaus und die Comedy Underground im Jazzkeller werden sie weiter veranstalten.

"Wir wollten keinen kalten Abschied, sondern dass es harmonisch ausläuft", sagt Höfken und betont, dass ihre Entscheidung keinen Rückzug aus der Krefelder Kulturszene bedeutet. Aber die Suche nach einem eigenen Domizil haben beide eingestellt. "Wir hatten drei Podios: das erste in unserem Wohnzimmer, das zweite als eigenes Theater an der Jägerstraße und das dritte als größeres Theater mit angeschlossener Gastronomie bei der Brauerei Könighof. Es war jedes Mal eine Verbesserung, und wir wollten keinen Rückschritt machen", sagt Ixkes. Die letzte Station sei ideal gewesen - auch wenn das Podio dort nur 18 Monate residiert hat. Eine zentrale Spielstätte mit ausreichende Raumhöhe für eine Bühne, zentral gelegen, mit genügend Parkplätzen, gastronomischen Möglichkeiten und zu einer bezahlbaren Pacht sei in Krefeld nicht zu finden. "Unsere Stammzuschauer vermissen das private Ambiente. Sie erwarten von uns die Wohnzimmeratmosphäre, wollen vorher etwas essen, hinterher vielleicht noch etwas trinken. Wenn wir das nicht bieten können, geht die Identität verloren, und das merkt man auch beim Zuspruch", sagt Ixkes.

Seit anderthalb Jahren veranstaltet das Podio seine Comedy-Abende als Gast im Glasfoyer des Theaters und im Kulturpunkt Friedenskirche. Das bedeutet Absprache mit Terminen der Hausherren, schwierigere Planung mit gefragten Gästen: "Früher hatten wir acht bis elf Veranstaltungen pro Monat, jetzt nur zwei. Außerdem waren wir jeweils auf 120 Zuschauer begrenzt", erklärt Höfken. Für die Angebote von Intendant Michal Grosse und Pfarrer Michael Windhövel, im Theater und in der Friedenskirche zu spielen, sind sie dankbar. Es bedeutete aber auch Verantwortung: "Wir konnten manche neue Entdeckung nicht präsentieren, weil sie keine 120 Leute gelockt hätte. Das wäre auch ein wirtschaftliches Risiko." Dabei seien Podio-Zuschauer immer gern auch von unbekannten Namen angelockt worden: "Podio ist eben mehr eine Marke als eine Spielstätte", sagt Höfken. Und unter dem Label "Podio" sind fürs Glühwein-Cabarett 2016 bereits die ersten Verträge vorbereitet.

Quelle: RP
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