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Krefeld
Podium: Wie Studiengebühren heimlich auf dem Vormarsch sind

Eine Podiumsdebatte in der Hochschule Niederrhein ließ erkennen, dass in der Hochschulfinanzierung einiges im Argen liegt.

Der Abend griff ein Thema auf, das politisch eigentlich tot ist: Keine Partei in Deutschland setzt sich offensiv für die Einführung von Studiengebühren ein. Dennoch brachte die Debatte in der Hochschule Niederrhein Verblüffendes zutage: Kritiker wie Befürworter von Studiengebühren gingen mit der Hochschulfinanzierung ins Gericht; es gab gewichtige Argumente, dass gerade der Verzicht auf Studiengebühren sozial ungerecht ist - und es gab die These, dass Studiengebühren quasi heimlich auf dem Vormarsch sind, weil es einen Boom hin zu Privatuniversitäten gebe und damit hohe Bereitschaft, für qualitätvolle Lehre zu bezahlen.

Die Liberale Hochschulgruppe Niederrhein (LHG) hatte zu einer Podiumsdiskussion mit dem Titel "Dein Studium, Dein Nutzen? - Sinn und Unsinn von Studiengebühren" geladen. Die Position Pro Studiengebühren verfocht Prof. Stefan Winter, Wirtschaftswissenschaftler von der Ruhr-Universität Bochum. Seine Position: Gerade der Verzicht auf Studiengebühren ist sozial ungerecht, unter anderem deshalb, weil über die Steuern auch Geringverdiener Wohlhabenden ein Studium mitfinanzierten. Winter sprach sich für nachgelagerte Studiengebühren aus, wonach Studenten später im Beruf je nach Gehalt für ihr Studium bezahlen - im Schnitt rund 50 Euro. Australien praktiziere das Modell mit großem Erfolg.

Eindeutiger Gegenpart von Winter war der ehemalige Asta-Vorsitzende und Juso Marco Patriarca: Über die Steuerprogression sei bereits sichergestellt, dass gut verdienende Akademiker mehr zur Hochschulfinanzierung beitrügen als Geringverdiener. Patriarca bezweifelte auch, dass sich mit Studiengebühren ein messbarer, für Studenten nachvollziehbarer Qualitätswettbewerb unter den Hochschulen in der Lehre ergäbe und Studenten unter dem Finanzdruck effizienter studierten.

Skepsis gegenüber dem Instrument der Studiengebühren ließ auch der Präsident der Hochschule Niederrhein, Prof. Hans-Hennig von Grünberg, erkennen. Es sei genug Geld im System, meinte er, plädierte aber energisch dafür, das Geld intelligenter zu verteilen: Es werde viel zu wenig nach Bedarf ausgebildet, beklagte von Grünberg. Zudem müsse unbedingt die Finanzierung von Forschung und Lehre getrennt werden. Den Universitäten warf der Fachhochschulleiter vor, Studenten anzunehmen, um dafür Geld zu kassieren, das dann aber nicht in die Lehre, sondern in die Forschung gesteckt werde.

Dennoch befürwortete auch von Grünberg Elemente, mit denen Studenten quasi als Kunden Geld mit zur Uni bringen, um so ihr Mitspracherecht und die Rolle der Lehre zu stärken. Ob das Studiengebühren sind oder Geld-Kontingente, die jeder Student am Beginn seines Studiums zugewiesen bekommt und zu den Unis mitbringt, ließ der Hochschulpräsident offen.

(vo)
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