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Krefeld
Politik: Kita-Anbau passt nicht zu Lindental-Süd

Krefeld: Politik: Kita-Anbau passt nicht zu Lindental-Süd
Blick aus Ostrichtung auf den geplanten Anbau. FOTO: Stadt Krefeld
Krefeld. Ohne umgehenden Ausbau droht der Entzug der Betriebserlaubnis für U3-Kinder. Doch die Bezirksvertreter vertagten den Punkt. Von Carola Puvogel

Die städtische Kindertagesstätte Am Kinderhort benötigt dringend neue Räume für die Betreuung von U3-Kindern. Denn nur noch bis zum Ende kommenden Jahres gilt eine Sondergenehmigung der Bezirksregierung, dass 25 U3-Kinder in den Räumlichkeiten, die aktuell nicht den Anforderungen entsprechen, untergebracht werden dürfen. Handelt die Stadt nicht umgehend, droht ein Entzug der U3-Betriebserlaubnis. Die Planungen für einen Anbau und eine Modernisierung des Bestandsgebäudes sollten in der jüngsten Sitzung der Bezirksvertretung West vorgestellt werden. Doch das Gremium stellte sich quer: Bei drei Enthaltungen wurde der Punkt von der Tagesordnung gestrichen, Architektin Alice Himmelein und eine Vertreterin der Stadt Krefeld mussten unverrichteter Dinge gehen.

So sieht der Eingang der Kindertagesstätte bisher aus. FOTO: Thomas Lammertz

Grund für den Unmut der Bezirkspolitiker ist, dass die für das Gebiet Lindental-Süd geltende Erhaltungssatzung bei den Planungen nicht beachtet worden sei. Außerdem sei das Gremium viel zu spät über die Neubaupläne informiert worden. "Ich habe die Pläne erstmals eine Woche vor der Sitzung gesehen, die kamen quasi aus dem Nichts. Das war eine böse Überraschung", ärgert sich Hans-Josef Ruhland (CDU). Er sieht dringenden Redebedarf.

Hintergrund: 2011 war für das Gebiet Lindental-Süd eine Erhaltungssatzung in Kraft getreten. Ziel der Satzung ist es, "die städtebauliche Eigenart des Gebietes" zu erhalten. Neubauten sollen sich möglichst unauffällig in die vorhandene Struktur einfügen, die von rotbraunen Ziegelsteinen und anthrazitfarbenen Krüppelwalmdächern bestimmt ist. Diese Maßgaben sehen die Bezirksvertreter mit der vorliegenden Planung gefährdet. Ruhland geht sogar so weit, von "dilettantischer Planung" zu sprechen. Ihm ist klar, dass das Gelände der Kita 2011 ausdrücklich aus der Gestaltungssatzung herausgehalten wurde. "Und zwar weil gesagt wurde, dass wir die Steuerung selbst in der Hand haben", betont er. Der jetzt geplante Flachdach-Neubau würde die Erhaltungssatzung konterkarieren und wäre ein ungewünschter Präzedenzfall. Er fordert, dass zunächst geprüft werden müsse, ob die benötigten Räume nicht in der ungenutzten Dachetage der Kita entstehen könnten.

Diese Option sei bereits überdacht worden, sie sei jedoch "nicht möglich und sinnvoll", teilt die Stadt Krefeld auf RP-Anfrage mit. Die Existenz der Gestaltungssatzung sei den Planern bekannt gewesen, eine Abstimmung mit der Denkmalpflege und im Rahmen der Bauvoranfrage mit der Bauaufsicht sei erfolgt. Die Planungskosten bis dato beliefen sich auf rund 120.000 Euro, eine Neuplanung würde rund sieben Monate dauern, teilte die Stadt außerdem mit.

Für Architektin Alice Himmelein ist der Wirbel völlig unverständlich. Wichtiger Aspekt bei der Planung sei gewesen, dass der markante Altbau weiter als Solitär zur Geltung kommen und der neue Anbau im Hintergrund bleiben und nicht hervorstechen solle, sagt Himmelein auf RP-Anfrage. Deshalb sei dieser betont schlicht gehalten. Auf bunte Farben habe man bewusst verzichtet, stattdessen seien für die Außenverkleidung des Flachbaus dunkelgraue Faserzementtafeln vorgesehen. "Es ist schade, dass wir in der Sitzung der Bezirksvertretung nicht zu Wort gekommen sind, um die Pläne vorzustellen", sagt Himmelein. Die Erhaltungssatzung sei bekannt gewesen, man habe bei der Planung jedoch nicht ausdrücklich darauf geachtet, weil das Gelände der Kita ja davon ausgenommen sei. Das Denkmalamt sei einbezogen worden und habe keine Bedenken gehabt.

Die nächste Sitzung der Bezirksvertretung findet bereits in drei Wochen statt. Eine Stadtsprecherin weist darauf hin, dass die Bezirksvertretung dem Plan nicht zustimmen, sondern ihn nur zur Kenntnis nehmen müsse.

Quelle: RP
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