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Krefeld
Polizei warnt neue Bürgerwehr

Düsseldorfer Bürgerwehr zieht durch die Altstadt
Düsseldorfer Bürgerwehr zieht durch die Altstadt FOTO: dpa, mg hjb hpl
Krefeld. Die Polizei hat sich mit dem Initiator der neuen Bürgerwehr in Krefeld ausgetauscht und eindringlich gemahnt, Gesetze einzuhalten. Erfahrungen aus Uerdingen zeigen, dass das Phänomen Bürgerwehr oft nur von kurzer Halbwertszeit ist. Von Sebastian Peters

Die bei Facebook gegründete Bürgerwehr treibt ihre Planung voran, Patrouille in Krefeld zu laufen. Die Krefelder Polizei sieht das Vorhaben der Gruppe, die ehemals "Einer für alle, alle für einen" hieß und sich inzwischen in "Krefelder Bürgerhilfe" umbenannt hat, überaus kritisch. Am Freitag hat Polizeisprecherin Karin Kretzer in einem Gespräch mit dem Bürgerwehr-Initiator Michael Benten und anderen Mitgliedern deutlich gemacht, dass eine eigene Bürgerstreife aus polizeilicher Sicht weiter nicht erwünscht ist.

Die Bürgerwehr hatte im Gespräch eine Kooperation mit der Polizei erreichen wollen, doch dazu wird es nicht kommen. "Sie sind keine Polizisten zweiten Grades. Das Gespräch war nicht geeignet, Vertrauen in die Gruppe zu gewinnen. Wir haben die rechtlichen Grenzen aufgezeigt und werden die Gruppe überaus kritisch im Auge halten", sagte Polizeisprecherin Kretzer nachher. Die Bürgerwehr würde immer Gefahr laufen, geltendes Recht zu verletzen.

Seit Mitte Januar sind Pläne bekannt, in Krefeld eine Bürgerwehr zu gründen. Unsere Redaktion berichtete exklusiv und hatte sich Mitte Januar in der Facebook-Gruppe angemeldet, um über die Pläne der Bürger berichten zu können, wurde aber vom Administrator wenige Tage danach aus der Gruppe entfernt. Eine Berichterstattung der Presse sei unerwünscht, teilte der Initiator auf Anfrage mit. Über Mitglieder der Gruppe erhielten wir jetzt dennoch Zugang.

Während sich die in anderen Städten in Reaktion auf die Kölner Silvestervorfälle gegründeten Gruppen bereits wieder auflösen, wollen in Krefeld tatsächlich Bürger in Kürze gemeinsam die Straßen bestreifen. Dies geht aus den internen Schriftwechseln bei Facebook hervor, die unserer Redaktion vorliegen. Demnach sind rund 650 Mitglieder der Gruppe gelistet, rund 350 sind in den vergangenen Tagen hinzugekommen. Zunächst sei geplant, am Wochenende fünf bis sechs Stunden zu laufen.

Die Bürgerhilfe wolle Erste Hilfe leisten, Frauen von der Kneipe oder Disco zu Bus und Bahn oder zum Auto begleiten und deeskalierend eingreifen, wo nötig. Die Bürgerwehr werde auch eine Telefonnummer veröffentlichen, unter der Frauen anrufen können, wenn sie begleitet werden wollen. Michael Benten verweist auch darauf, dass jeder das Recht habe, sich zu verteidigen und nach Erwerb des kleinen Waffenscheins für 50 Euro eine Gaspistole kaufen könne. "Aber nur zur Selbstverteidigung".

Kritiker werfen der neuen Bürgerwehr Panikmache vor. Vorfälle wie in der Silvesternacht mit übergriffigen Flüchtlingen und dem Phänomen des Antanzens hat es laut Polizei in Krefeld bisher nicht gegeben. Auch sei das Auftreten der Mitglieder in der Krefelder Bürgerwehr teilweise angsteinflößend, berichten informierte Kreise. Die Gruppe würde hierarchisch gegliedert sein.

Ein Mitglied einer vor einem Jahr in Uerdingen gegründeten und wenige Wochen später wieder aufgelösten Bürgerwehr wirft der neuen Gruppierung Panikmache vor. "Auf jeden Fall kann die Polizei die Bürger besser schützen als eine Bürgerwehr." Wichtig sei, dass jeder einzelne Bürger Wachsamkeit zeige.

In Uerdingen gründete sich nach einem Raubüberfall auf eine Dame auf offener Straße Ende 2014 die Bürgerwehr über Facebook. Insgesamt lief sie allerdings nur acht Mal, löste sich danach wieder auf. "Wir sind ein paar Tage lang abends zwischen 18 und 20 Uhr Runden gelaufen, manchmal auch abends um 22 Uhr noch mal", sagt das damalige Mitglied der Gruppe. "Es ist durch uns aber nie irgendetwas beobachtet worden. Alles, was auch nur im Ansatz verdächtig erschien, haben wir genauer beobachtet. Es passierte aber nichts, alles war harmlos. Dann verliert man irgendwann die Lust." Das Mitglied will anonym bleiben. Damals sei er in eine rechte Ecke gedrängt worden. "So einer bin ich aber keinesfalls."

Quelle: RP
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