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Krefeld
Post von Napoleon fürs Haus der Seidenkultur

Krefeld: Post von Napoleon fürs Haus der Seidenkultur
"Napoleon, Regent von Gottes Gnaden, Gründer des Empire, Herrscher der Franzosen, König von Italien und Schützer der Konföderation der Rheinlande und der Schweizer Konföderation" bekräftigt eine vor der Handelskammer "Créveld" ausgetragene Verhandlung vom 22. Juni 1811, bei der die Herren Schultheiss, Président, Herbertz und Von der Leyen zugegen waren, mit Mathias Schumacher. FOTO: HdS
Krefeld. Kurz vor Ende der Ausstellung über die Forstwalder Familie Schumacher sind verschollene Dokumente aus dem 19. Jahrhundert aufgetaucht. Die Schätze werden am Sonntag präsentiert. Von Petra Diederichs

Der Zufall hatte wahrlich napoleonische Ausmaße. Im Haus der Seidenkultur (HdS) war die Überraschung groß, als ein Brief eines gewissen Horst Kretschmer aus der Nähe von Freudenstadt eintraf. Der Oberbaurat a.D. war auf einen Karton mit Dokumenten aus dem Nachlass seines Vaters gestoßen, die ihn neugierig machten - zum Beispiel ein Telegramm des Preussischen Telegraphenamtes von 1861, diverse Patent- und Lizenzverträge. Immer wieder tauchte darin der Name Schumacher auf. Ein Name, der Kretschmer nichts sagte. Bei Nachforschungen im Internet stieß er auf Krefeld und die Ausstellung, die derzeit im Haus der Seidenkultur zu sehen ist: "Ich glaub ich steh im (Forst-)Wald" gibt Einblicke in das Leben der mennonitischen Familie Schumacher (1790 - 1845), die einst mit einer Zuckerrübenfabrikation die wirtschaftliche Entwicklung im Forstwald angekurbelt hat.

"Wie die Unterlagen in den Besitz meines Vaters gekommen sind, konnte ich nicht nachvollziehen. Ich habe mich jedoch entschlossen, diese, auch im Hinblick auf Ihre Ausstellung über die Familie Schumacher, der Stadt Krefeld zu übergeben. Da gehören sie nach 200 Jahren wieder hin", schreibt Kretschmer. "Und tatsächlich sind in diesen Papieren unsere Krefelder Mathias und Gerhard Schumacher erwähnt", sagt Dieter Brenner vom Haus der Seidenkultur. Die Dokumente sind ein echter Schatz. Am Sonntag zur Finissage werden sie im HdS gezeigt. "Wir haben sie digital erfasst. Die Originale werden wir nach der Ausstellung dem Stadtarchiv überlassen. Je eine Kopie bleibt im Haus der Seidenkultur und eine bekommt der Bürgerverein Forstwald", berichtet Brenner.

Ein Patent kostete Gerhard Schumacher anno 1814 exakt 75 Cent. FOTO: HdS

Die Entdeckung der verschollenen Papiere zum jetzigen Zeitpunkt ist ein echter Glücksfall. "Durch die Ausstellung ist Herr Kretschmer ja erst auf Krefeld aufmerksam geworden", sagt Brenner. Und der Zufall schlug noch eine weitere Kapriole: "Unser Kurator Klaus Drenk hat einen Bruder, der im selben Ort lebt wie Horst Kretschmer - und die beiden kennen sich sogar." Umso glücklicher ist der Spender, dass die Papiere, die er nie einordnen konnte, nun an ihrem Bestimmungsort sind und einen Teil ihres Geheimnisses preisgegeben haben. Alles freilich noch nicht, denn vieles in den meist in französischer Sprache verfassten Schriftstücken ist nicht mehr leserlich und wird eine Herausforderung für Krefelder Stadthistoriker sein.

Die Finissage zur Ausstellung über die Familie Schumacher beginnt am Sonntag, 20. September, um 11 Uhr, im Haus der Seidenkultur, Luisenstraße 15. Theo Malschützky wird einen Vortrag halten.

Quelle: RP
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