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Rp-Aktion "deine Stimme Zählt"
Premiere: Wahl-Café zur Landtagswahl

Rp-Aktion "deine Stimme Zählt": Premiere: Wahl-Café zur Landtagswahl
Die SPD-Landtagsabgeordnete Ina Spanier-Oppermann im Gespräch mit Schülern des Gymnasiums am Moltkeplatz. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Es war ein Experiment: Landtagskandidaten von SPD, CDU, Grünen, FDP und Linke sollten in kleiner Runde mit Schülern debattieren. In den Gesprächen ging es um Cannabis, Inklusion, Flüchtlinge und die Frage, ob man Armut abschaffen kann. Von Julika Holz, Sophia Rohan und Jens Voss

Es war politisches Speed-Dating: Es gab Tische, an denen ein Teil der Leute sitzen blieb, während andere rotierten, so dass man in kurzer Zeit mit vielen Menschen sprechen konnte. Das erste Wahl-Café im Rahmen der RP-Aktion "Deine Stimme zählt" war ein Experiment, und es fand in der Aula des Moltke-Gymnasiums mit knapp 100 Schülern statt: Es war keine klassische Forumsdebatte, bei der sich ein paar Politiker streiten und 200 Leute zuhören - diesmal sollten möglichst viele Schüler die Chance haben, mit Politikern unmittelbar zu sprechen.

Eingeladen waren die Landtagskandidaten der Parteien, die im Krefelder Rat Fraktionsstatus haben: SPD, CDU, Grüne, FDP und Linke. Die FDP war verhindert - was für Bewegung sorgte: Die Besatzung des fünften Tisches wurde kurzerhand auf die anderen vier verteilt.

Karsten Ludwig, Landtagskandidat der Grünen, debattiert mit Schülern. FOTO: Thomas Lammertz

Am Beginn stand eine kurze Vorstellungsrunde der Politiker unter der Moderation von Krefelds RP-Redaktionsleiter Jens Voß. Marc Blondin berichtete etwa, er sei durch Helmut Kohls Einsatz für die Wiedervereinigung zur CDU gekommen. Ina Spanier-Oppermann berichtet von ihrem Großvater, der nicht studieren konnte, weil das Geld nicht reichte - von ihm habe sie den Auftrag bekommen, dafür zu kämpfen, dass Bildung nicht vom Geld abhängen dürfe.

Der "Linke"-Politiker Stephan Hagemes erläuterte schon auf dem Podium sehr dezidiert linke Positionen - es war auffällig, dass er sich an allen Tischen vielen kritischen Fragen stellen musste. Hagemes forderte im Gespräch mit den Schülern höheren Mindestlohn und höhere Hartz-IV-Sätze sowie deutliche Steuererhöhungen für Reiche - wobei er betonte, dass es ihm um Leute mit erheblichem Vermögen gehe. "Jemand, der sich Gedanken über seinen elften Ferrari macht, kann auch Geld abgeben", sagte er. Die Schüler zeigten sich skeptisch, ob man Armut durch Umverteilung beseitigen könne, und fragten, ob Armut nicht zu einer Gesellschaft dazugehöre. Sie äußerten Verständnis dafür, dass jemand, der sein Geld erarbeitet habe, dies nicht abgeben wolle. Eine Sorge war, dass beim Versuch, Armut abzuschaffen, nicht eine Art Sozialismus wie in der DDR eingeführt werde. Der CDU-Politiker Marc Blondin kam unkompliziert mit den Schülern ins Gespräch. Bei ihm kreisten die Gespräche um Sicherheit in NRW, Verkehrsprobleme wie Staus, um Flüchtlingsarbeit und Inklusion. Er finde die Idee, Schüler mit Behinderung an Regelschulen zu unterrichten, grundsätzlich gut, sagte Blondin, kritisierte aber die Umsetzung durch die rot-grüne Landesregierung. Er will sich für die Brauchtumspflege einsetzen und sprach sich gegen eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes aus; den Kampf gegen soziale Probleme will er durch bessere Bildung angehen. Blondin griff auch frontal die rot-grüne Landesregierung an: "Ich kann der jetzigen Regierung einfach kein gutes Zeugnis ausstellen." Blondin sprach sich gegen die Legalisierung von Cannabis aus: "Ich weiß nicht, wie das noch ausartet." Gefragt, wie er zur "Ehe für alle" stehe, also zur Gleichstellung von homosexueller Lebenspartnerschaft mit der Ehe, sagte er, er glaube, dass es bald die Ehe für alle geben werde. Unkompliziert kam auch Karsten Ludwig von den Grünen ins Gespräch. Bei ihm sprachen die Schüler immer wieder das Thema Cannabis an. "Cannabis sollte legalisiert werden", so seine Meinung. Die Reaktionen reichten von Erheiterung bis Zustimmung. Größtes Thema war der öffentliche Nahverkehr: Ludwig steht für Nahverkehr ein, den jeder mitfinanziert: Ähnlich wie beim Semesterticket sollen alle Bürger einen Grundbeitrag für den ÖPNV zahlen, egal ob sie ihn nutzen. Die Idee kam bei den Schülern gut an - wie sie umgesetzt werden soll, konnten sie sich aber nicht vorstellen. Gefragt, wie Ludwig zu Wahlauftritten türkischer Politiker in Deutschland stehe, sagte er: Er sei gegen Auftrittsverbote, wenn im Gegenzug auch deutsche Politiker in der Türkei sprechen dürften.

Stephan Hagemes, Ratsmitglied für die Partei "Die Linke", kandidiert für den Landtag. FOTO: Thomas Lammertz

Etwas schleppend kamen die Gespräche mit Ina Spanier-Oppermann in Gang; sie konzentrierte sich stark auf das Thema Schule. Doch auch beim Stichwort G 8 zeigten die Schüler wenig Lust zur Debatte. Dabei äußerte sich Spanier-Oppermann durchaus kritisch über die Einführung des Abiturs nach zwölf Schuljahren: "Die Schüler wurden mit G 8 vor den Kopf gestoßen", sagte sie.

Ein weiteres Thema, das der SPD-Politikerin wichtig war: NRW braucht mehr Geld vom Bund; andere Bundesländer hätten nicht so viele Probleme wie NRW, erläuterte sie; so müsse NRW den Strukturwandel bei Kohle und Stahl verkraften. Sie komme aus Recklinghausen; dort erlebe sie immer noch hautnah den Strukturwandel und die damit verbundenen sozialen Probleme. Das Thema Inklusion bewertete sie als "Supersieger-Thema"; Inklusion sei wichtig, auch wenn es an den Schulen noch manchmal Probleme gebe.

Kurze Vorstellungsrunde, bevor es an die Tische ging: RP-Redaktionsleiter Jens Voß (M.) im Gespräch mit (v.l.) Ina Spanier-Oppermann (SPD), Stephan Hagemes (Linke), Karsten Ludwig (Grüne) und Marc Blondin (CDU). FOTO: Thomas Lammertz
Quelle: RP
 
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