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Krefeld
Preußens Stolz in neuem Lichterglanz

Krefeld. Es ist ein bedeutendes Zeugnis preußischer Architektur: das Krefelder Landgericht. Seit gestern wird nicht nur die Kuppel zum Preußenring hin, sondern auch der schöne Uhrenturm am Nordwall, Ecke Steinstraße, beleuchtet. Von Jens Voss

Der Uhrenturm ist, weil leicht zurückgesetzt, fast ein wenig unscheinbar im Gesamtkomplex Landgericht. Zu Unrecht. Seit gestern Abend erscheint er im wahrsten Sinne des Wortes in neuem Licht: Er wird von moderner LED-Technik beleuchtet. "Dies ist ein Tag der Freude", sagte dann auch Christian Schmidt, seines Zeichens Anwalt und Vorsitzender des 2011 gegründeten Vereins "Krefeld im Licht". Der Verein möchte nach und nach die schönen Gebäude Krefelds beleuchten - beim Landgericht ist der Turm nach der Kuppel zum Preußenring hin das nun zweite Detail des mächtigen Baus, das im Dunkeln erstrahlt.

Das Landgericht ist ein Zeugnis preußischen Staatsverständnisses: Der imposante Bau repräsentiert die Stärke des Staates, der - im Idealfall - das Recht schützt und stützt. Was man dem Komplex heute nicht ansieht, weil er wuchtig wie aus einem Guss wirkt: Er hat eine verwickelte Geschichte, die Landgerichtspräsidentin Christiane Fleischer in ihrer Begrüßung der Gäste bei der Einweihungszeremonie skizzierte. Der älteste Teil entstand Ende des 19. Jahrhunderts an der Steinstraße als Amtsgericht; das heutige, über 150 Meter am Nordwall sich erstreckende Landgericht wurde seit 1906 geplant und bis 1922 errichtet. Die Zeitgenossen rühmten die organisch wirkende Erweiterung: "Bei der Ausführung wurden beide Teile in einem einzigen Bauteil vereinigt, der sich unmittelbar an den Altbau des Amtsgerichts anschließt, wodurch in städtebaulicher Hinsicht ein hervorragender, architektonischer Abschluss des Stadtgartens erreicht und dem Gebäude selbst eine ruhige, monumentale Wirkung verliehen wurde", heißt es in einem Artikel im Zentralblatt der Bauverwaltung aus dem Jahr 1923. Dort wird der Bau auch als Ausdruck preußischen Stolzes trotz der Niederlage im Ersten Weltkrieg und der Besetzung des Rheinlandes durch die alliierten Sieger gewürdigt: "Der in schwierigsten Zeiten entstandene Monumentalbau", so schließt der Artikel im Zentralblatt, "ist ein Zeichen des großen Interesses des preußischen Staates am besetzten Rheinland." Auch wenn man heute überwiegend im Auto vorbeibraust und das Gebäude wenig würdigt: Das Landgericht gehört ohne Zweifel zu den bedeutenden historischen Bauten Krefelds. Seine Beleuchtung ist auch Wirtschaftsförderung und Standortmarketing - dies betont Peter Welling, Vorsitzender des Kuratoriums der IHK-Jubiläumsstiftung, die die 12.000 Euro teure Investition in die Beleuchtung mit SWK, Anwaltsverein und dem Verein "Krefeld im Licht" ermöglichte. Zur Vorbereitung gehörte auch die Reparatur des Turmdaches sowie die vom Architektenbüro Rüdiger Kaleschke besorgte Sanierung des Turms und der Fassaden entlang Nordwall und Steinstraße. Die - komplizierte - Beleuchtung installierte Rainer Welter, quasi der Mister Beleuchtung der SWK Setec, der immer gerufen wird, wenn es gilt, verzwickte Lichttechnik zu konzipieren, wie SWK-Vorstand Abraham sinngemäß erläuterte. Beim Uhrenturm ist es glanzvoll gelungen - erst bei Dunkelheit gesehen kommen die schönen Details voll zur Geltung.

Quelle: RP
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