| 00.00 Uhr

Krefeld
Primagas ist Pionier bei Bio-Propangas

Krefeld: Primagas ist Pionier bei Bio-Propangas
Jobst-Dietrich Diercks ist Geschäftsführer der Primagas GmbH & Co KG mit Hauptsitz an der Luisenstraße. Vier Jahre hat er an einem neuen Geschäftsfeld gearbeitet - dem Verkauf von Bio-Propangas. FOTO: samla.de
Krefeld. Der Traditionsbetrieb Primagas hat ein Geschäft eingetütet, das dem Krefelder Handelsunternehmen für Flüssiggas mindestens zwei bis drei Jahre Wettbewerbsvorteil verschafft. Es hat sich die Exklusivrechte bis 2021 für den Weiterverkauf von Bio-Flüssiggas beim finnischen Großkonzern Neste gesichert, der in Rotterdam für 60 Millionen Euro eine Spezialraffinerie baut. Von Norbert Stirken

Primagas bewegt sich seit Jahrzehnten erfolgreich in einem Nischenmarkt und verkauft Flüssiggas an Privat- und Industriegewerbekunden. Die Sparte macht rund drei bis vier Prozent des gesamten Gasmarktes aus. Mit ihrer Spezialisierung machen die Krefelder rund 300 Millionen Euro Jahresumsatz. Um wirtschaftlich weiter auf Kurs zu bleiben, reicht es nicht, die Bestandsstrukturen zu bespielen. "Wir müssen uns in Anbetracht der rasanten Veränderung auf dem Energiesektor ständig etwas Neues einfallen lassen, um für die Kundschaft interessant zu bleiben", sagte Jobst-Dietrich Diercks, Geschäftsführer der Primagas Energie GmbH & Co KG, mit Hauptsitz an der Luisenstraße.

Einige Jahre haben die Vorarbeiten und Gespräche gedauert, bis ein Durchbruch erzielt war. Jetzt sind die Verträge unterschrieben. Primagas bekommt exklusiv für die kommenden vier Jahre vom finnischen Multi Neste so genanntes biogenes Flüssiggas - oder Biopropangas - aus einer für 60 Millionen Euro gebauten Spezialraffinerie in Rotterdam geliefert. Die Arbeiten in den Niederlanden dauern noch bis Oktober, November dieses Jahres. Nach der Fertigstellung bekommt Primagas seine Lieferungen per Schiff nach Duisburg in ein Lager gebracht. Von dort wird es in ganz Deutschland verkauft. Dieses Flüssiggas entsteht durch die Verwertung von Abfällen aus der Lebensmittelverarbeitung, von Tierfetten, Mais, Stroh, Holz, Raps- und Palmölen unter Hitze und hohem Druck. Das Besondere an diesem Flüssiggas aus regenerativen Stoffen, ist eine klimafreundliche Verbrennung. Die CO2-Bilanz sei deutlich besser als die bei der Verbrennung fossilen Erdgases. Der Trend gehe dort hin, sich komplett von der fossilen Versorgung zu verabschieden, sagte Diercks. Die Abkehr der Politik und Wirtschaft von der Braunkohle und dem Erdöl sei vorgezeichnet.

Im Wettbewerb der Ideen will Primagas vorne dabei sein, keinen Trend verpassen. "Wir beobachten genau, was sich in der Energiewirtschaft tut", betonte Diercks, der das Unternehmen als Zweitverwerter interessanter Innovationen sieht. "Wir haben selbst nicht das Geld, um zweistellige Millionenbeträge für die Forschung auf den Tisch zu legen."

Mit dem neu ins Portfolio aufgenommene Bio-Propangas könne Primagas Bauherrn Lösungen anbieten, die den neuen gesetzlichen Regelungen entspricht, mindestens 30 Prozent regenerativer Energien zu verwenden.

Bis 2050 sollen Bestandsgebäude nahezu klimaneutral werden - das ist das erklärte Ziel der Bundesregierung. Ein wichtiger Baustein dieses Plans ist der Ausbau von erneuerbaren Energien. Mit der Markteinführung von Biopropangas - BioLPG (biogenes Liquified Petroleum Gas) - setzt Primagas ein Zeichen: Als erster deutscher Energieversorger bietet das Krefelder Unternehmen den netzunabhängigen Brennstoff an. Obwohl regenerative Energien beispielsweise in Form von Pellets oder Erdwärme immer häufiger zum Einsatz kommen, sind gasförmige biogene Energieträger beim Heizen bisher noch die Ausnahme. Mit der Einführung von Bio-Flüssiggas leisten die Krefelder nun Pionierarbeit. "Die Wärmewende kann nur gelingen, wenn wir sie aktiv mitgestalten", sagt Jobst-Dietrich Diercks, Geschäftsführer von Primagas. "Deshalb ist es uns wichtig, dass wir unseren Kunden netzunabhängig grüne Energie anbieten können." Was Bio-Propangas auszeichnet: Der netzunabhängige Energieträger ist so effizient und zuverlässig wie konventionelles Flüssiggas. Zusätzlich besitzt er die positiven Umwelteigenschaften von erneuerbaren Energien und ist besonders emissionsarm. 40 bis 60 Prozent an CO2 lassen sich einsparen, wenn er vorwiegend aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen wird.

Mit Bio-Propangas, das auf Basis von organischen Rest- und Abfallstoffen entsteht, ist sogar eine CO2-Ersparnis von bis zu 90 Prozent möglich. Diese Kombination macht es vor allem für die umweltschonende Wärmeversorgung jenseits der Ballungsgebiete attraktiv: Aktuell sind rund 3,4 Millionen Wohnungen und 100.000 Nichtwohngebäude, vorwiegend im ländlichen Raum, nicht an das Erdgasnetz angebunden. "Biogenes Flüssiggas kann hier einen wichtigen Beitrag zur zukunftssicheren Wärmeversorgung leisten", sagte Diercks.

Konventionelles Flüssiggas und Bio-Propangas sind chemisch identisch. Das bedeutet, dass sich der erneuerbare Energieträger in denselben Anlagen nutzen und im selben Behälter lagern lässt, eine Umrüstung ist nicht erforderlich. Kombiniert mit zeitgemäßer Heiztechnik bietet der Energieträger den Komfort einer modernen Gasversorgung.

Primagas gehört zu den führenden Flüssiggas-Anbietern in Deutschland. Der TÜV Nord attestierte dem Krefelder Mittelständler mit dem Siegel "Geprüfte Service- und Montagequalität" als erstem Flüssiggas-Versorger in Deutschland hohe Qualität in gleich drei Bereichen: Service, Kundenzufriedenheit und Montagestandards. Rund 240 Mitarbeiter im Innen- und Außendienst sowie weit über 3000 Vertriebspartner für den technischen Kundendienst beraten in allen Fragen rund um das Flüssiggas. Durch eine bundesweite Transportlogistik mit Zwischenlagern für mehrere Tausend Tonnen Flüssiggas steht Primagas für eine zeitnahe und sichere Versorgung. Primagas ist Teil der internationalen Initiative "Außergewöhnliche Energie". "Und wir sind stolz darauf", betonte der Geschäftsführer.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Krefeld: Primagas ist Pionier bei Bio-Propangas


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.