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Krefeld
Problembau wird modernisiert und soll im Sommer bezugsfertig sein

Krefeld: Problembau wird modernisiert und soll im Sommer bezugsfertig sein
Die unansehnlichen Grundstücksstreifen rund um das Apartmenthaus an der Leyentalstraße 103 gehören der Stadt. Die neuen Eigentümer der Immobilie sind nach Angaben des Architekten Heinrich Wassong daran interessiert, die Flächen zu erwerben und die Gestaltung selbst zu übernehmen. FOTO: Thomas lammertz
Krefeld. Das Problemhaus an der Leyentalstraße hat in der Vergangenheit immer wieder Schlagzeilen geschrieben. Jetzt arbeiten die neuen Eigentümer aus Beckum an Renovierung und neuem Image. Von Norbert Stirken

Mit sieben Etagen und 21 Metern Höhe ist das fast 50 Jahre alte Apartmenthaus an der Leyentalstraße 103 / Ecke Moerser Straße im Stadtbild nicht zu übersehen. Die Ereignisse dort in der jüngeren Vergangenheit lieferten ausreichend Gesprächsstoff. Im vergangenen Jahr wurde ein Toter in einer vermüllten Wohnung entdeckt, 2012 stürzte ein betrunkener Mann vom Balkon in die Tiefe, und 2011 musste die Feuerwehr gleich mehrfach zu Brandeinsätzen anrücken, nachdem Obdachlose und Drogensüchtige offenbar unvorsichtig mit offenem Feuer umgegangen waren.

Der Neusser Architekt Heinrich Wassong (73) möchte unter die Vergangenheit am liebsten einen Schlussstrich ziehen. Seine Geschäftspartner von der Disanyo Wohnpark GmbH in Beckum hätten die Immobilie im Mai des vergangenen Jahres vor dem Zwangsvollstreckungstermin von der Gläubigerbank erworben.

Die ersten drei Monate sei der neue Eigentümer mit Aufräumen und der Beseitigung des Mülls beschäftigt gewesen. Die städtische GSAK habe das 1400 Quadratmeter große Grundstück entrümpelt und den Abfall und den Sperrmüll entsorgt, berichtet Wassong im Gespräch mit unserer Redaktion. "Das war extrem", sagte der 73-Jährige.

Inzwischen liefen die Renovierungsarbeiten auf Hochtouren. Das Objekt beinhalte 62 Apartments - das sind Einzimmerwohnungen mit relativ geräumigem Badezimmer. Jede Einheit ist rund 30 Quadratmeter groß. Insgesamt stehen 1826 Quadratmeter Wohnfläche zur Verfügung. Derzeit würden die Bäder gefliest. Im Vorfeld seien die Versorgungsleitungen erneuert, Abwasserrohre gereinigt und neue Fenster eingebaut worden. Teilweise wurde der Estrich ausgetauscht. Demnächst würden Laminat verlegt und neue Türen eingebaut.

Architekt Heinrich Wassong (73) kümmert sich um die Modernisierung. FOTO: Lammertz, Thomas (lamm)

Für den Laien nicht sichtbar sind die Investitionen in den Brandschutz. Die Kabel- und Versorgungsschächte über sieben Stockwerke hinweg müssen den neuen Vorschriften ebenso genügen wie der Fahrstuhl. "Wir warten noch auf die entsprechende Baugenehmigung der Stadt Krefeld", berichtet Wassong. Für ein entsprechendes Brandschutzgutachten habe er den Meerbuscher Experten Paul Corall beauftragt, der auch für den Brandschutz in der neuen Volksbank an der St.-Anton-Straße verantwortlich zeichnet.

Die Immobilie soll mit Fernwärme der SWK geheizt werden. Auch die Warmwasserversorgung solle auf diese Art funktionieren, berichtet Wassong. Außer dem Brandschutz ist auch die Frage der Stellplätze noch nicht abschließend geklärt. Wassong will der Kommune Lösungen mit Doppelstockgaragen vorstellen. Auf diese Weise könnten 48 Stellplätze auf dem Hof des Gebäudes entstehen. "Das Haus ist ein sehr solides, gutes Haus. Flure und Treppen sind zum Teil mit echtem Marmor ausgelegt, den wir auch erhalten wollen", betont der Architekt.

Die Vermarktung solle nach Vorstellung des Eigentümers im Sommer für einen Quadratmeterpreis um die fünf Euro beginnen, informierte Wassong. In Bochum und Essen verfüge der Eigentümer über ähnliche Immobilien, die er an Studenten vermietet habe. Die Eigentümer waren trotz mehrere Versuche für unsere Redaktion bislang nicht zu erreichen.

Dass das Gebäude erneut unliebsamen Gesprächsstoff liefern könnte, ist nicht unwahrscheinlich. Gegen Wassong ist ein Verfahren wegen des Verdachts der Untreue und des Betrugs anhängig. Ein ausgestellter Haftbefehl wurde inzwischen wieder außer Kraft gesetzt. Angeblich sollen Wassong und seine Tochter für eine Immobilie in Marl mit 200 Wohnungen Nebenkosten nicht abgeführt haben.

Dahinter verberge sich eine private Streitigkeit, sagt Wassong. Er habe seinen Anwalt beauftragt, die Einstellung des Verfahrens zu beantragen. Über andere Gerüchte, er sei wegen der Sache nach Polynesien abgetaucht, könne er nur lachen. Seine Frau stamme aus französisch Polynesien und sie lebten zeitweise im 15 000-Einwohner-Örtchen Pirae auf Tahiti. Er habe schon in den 1970er-Jahren für große Banken gearbeitet und sei bereits lange selbstständig. Vorwürfe in dieser Branche seien leider nicht selten, sagte er.

Quelle: RP
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