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Krefeld
Projekt "Transmitter": Design wird zur Kunst

Krefeld: Projekt "Transmitter": Design wird zur Kunst
Gerhard Hahn mit seiner Terrakotta-Skulptur Hybris und Gastkünstlerin Birgit Wenninghoff im Kunstverein. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Professor Gerhard Hahn und Gastkünstlerin Birgit Wenninghoff stellen ihre Arbeiten im Krefelder Kunstverein aus. Die Schau zeigt, wie spannungsvoll sich Kunst, Kunsthandwerk und Design verbinden. Von Mojo Mendiola

In einer Zeit, als es den Begriff "Design" noch gar nicht gab, begegneten sich in Krefeld Handwerk, Kunsthandwerk und die Schönen Künste respektvoller als anderswo und wirkten im Dunstkreis der Werkkunstschule konstruktiv zusammen. So war es eigentlich logisch, dass die Idee zur Veranstaltungsreihe "Transmitter" just in dieser Stadt entwickelt wurde.

Ziel des Projektes ist der Austausch von Ideen, Konzepten und Erkenntnissen zwischen Kunst und Design und die Vermittlung dieses Austauschs in die Öffentlichkeit, vor allem ans junge Publikum. Die Ausstellung von Mitinitiator Gerhard Hahn, Professor für Design an der Hochschule Niederrhein, die zurzeit im Haus des Krefelder Kunstvereins zu sehen ist, bietet dazu Gelegenheit.

"Bildstörung" heißt der eine Teil der Schau. Schon beim Eintreten schlägt eine große Terracotta-Skulptur, filigran gefertigt aus kleinen Tonwürstchen, den Besucher in Bann. Ein unvollendeter babylonischer Turm, ähnlich dem auf Pieter Bruegels Gemälde, ruht auf einem Metallgestell, darum herum am Boden der zerborstene Ring des Kolosseums. Gemeinsam wirken die Teile wie eine Rakete beim Start nach dem Abstoßen der untersten Stützelemente. "Hybris" heißt das Werk, verweist auf die Zeitlosigkeit des Phänomens Selbstüberschätzung und die gelegentliche Gleichzeitigkeit von Aufbau und Zerstörung.

Weitere Terrakotta-Arbeiten finden sich oben im Haus. "Adoratio" heißt eine andere Werkgruppe, die Hahn in einer Eisengießerei in Wisconsin/USA herstellte. Gestänge, die mal den Leiterbahnen einer überdimensionalen Platine nachempfunden sind, mal den Trägerteilen, die man von Modellbausätzen kennt, wurden beziehungsreich mit - ebenfalls metallenen - Äpfeln oder Barbie-Puppen kombiniert oder bilden in Brailleschrift die Worte "Blindheit", "Habgier" und "Trägheit" ab. In diesen Arbeiten manifestiert sich besonders augenfällig Hahns Interesse an der Nutzung nicht ursprünglich künstlerisch intendierter Techniken für künstlerische Zwecke.

Ihre ganz eigenen Akzente setzt die Gastkünstlerin Birgit Wenninghoff, eine frühere Schülerin Hahns. Ihre Arbeiten, in denen sie Erde, Teppiche, einen Servierwagen ohne Räder und andere Utensilien einfallsreich in Dialoge mit keramischen Körpern stellt, setzen sich mit dem Spannungsfeld von Stilllegen, Beruhigen und Ruhigstellen auseinander. Dazu gehören außerdem zwei Fotodrucke digital geschaffener Bilder, auf denen Pilzfruchtkörper auf den Hintergrund eines verfremdeten Marmorbodens gesetzt und auf diese Weise ihrerseits schrittweise ruhiggestellt wurden.

Quelle: RP
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