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Krefeld
Prozess: Brillen-Räuber nehmen Geld in Tüten mit

Krefeld. Sie schlugen auch in Krefeld zu: Ein Bankräubertrio muss sich seit gestern vor Gericht verantworten.

Mehr als eine halbe Stunde brauchte die Staatsanwältin gestern, um vor dem Düsseldorfer Landgericht die Anklage gegen drei Männer zu verlesen. Unter Regie eines 43-jährigen Mönchengladbachers sollen demnach zwei Drogensüchtige (33/30) innerhalb von sechs Monaten 18 Banküberfälle quer durchs Rheinland, auch in Krefeld, verübt und dabei mehr als 100.000 Euro erbeutet haben. Zunächst waren die Behörden von einem einzigen Serientäter ausgegangen, der stets mit auffälliger Brille und mit Käppis unter Waffenandrohung die Bankfilialen heimgesucht hat. Erst die Neusser Kripo deckte dann auf, dass es zwei verschiedene Räuber waren, die abwechselnd mit Brille und Käppi agierten - und dass beide nur die Handlanger des Haupttäters und Drahtziehers gewesen sein sollen.

So leise und unauffällig trat der ominöse "Brillen-Räuber" bei den Taten auf, dass Kunden und andere Bankangestellte seinen Raubzug oft nicht mal bemerkten. Meist erfuhren die überfallenen Kassierer in Twist, Unna, Mayen, Neuss, Höxter, Krefeld, Mönchengladbach, Wuppertal oder Hückelhoven nur durch einen Zettel des Täters, dass dies ein Raubüberfall sei und sie mit Waffengewalt rechnen müssten. In mitgebrachte Plastiktüten füllten die Bankangestellten dann Bargeld, das teils aus durchnummerierten und registrierten Scheinen bestand. Die beiden laut Anklage abwechselnd in gleicher Verkleidung auftretenden Männer sahen sich dabei so ähnlich, dass anhand von Tatortfotos selbst Spezialisten kaum den einen vom anderen unterscheiden konnten.

Beide Männer haben sich schon vor Prozessbeginn in Teilgeständnissen geäußert. Doch der mutmaßliche Drahtzieher, der alle Aktionen geplant, Tatorte ausgekundschaftet und mit einem Fluchtauto nahe der Bankfilialen auf den jeweils als Räuber eingesetzten Komplizen gewartet haben soll, hat bisher geschwiegen. Zu Prozessauftakt hüllten sich gestern sämtliche Angeklagte zunächst in Schweigen. Ob sich das am nächsten Prozesstag ändert, ist noch unklar. Für die Verhandlung hat das Landgericht noch 25 Prozesstage bis Ende April 2016 eingeplant.

(wuk)
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