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Krefeld
Prozess um dreisten Betrug: Freund um 30.000 Euro geprellt

Krefeld. Ein Vermögensberater aus Krefeld muss sich wegen Betrugs vor dem Amtsgericht verantworten. Laut Anklage kassierte er rund 30.000 Euro, um auf den Namen eines Freundes eine Eigentumswohnung zu kaufen. Geld und Wohnung sind weg.

"Bei Geld hört die Freundschaft auf", sagte der kräftige und etwas naiv wirkende Industriekaufmann gestern im Zeugenstand. Dabei seien er und der Angeklagte bis vor zwei Jahren noch richtig gut befreundet gewesen. Gemeinsame Unternehmungen, Sport im Fußballverein und regelmäßige Telefonate habe es gegeben. Er habe dem 27-Jährigen vertraut. Deshalb habe er sich auch nichts dabei gedacht, als der Angeklagte ihn um einen Freundschaftsdienst bat. Er solle einen Kredit aufnehmen und dafür eine Eigentumswohnung kaufen, allerdings nur als "Zwischenkäufer". Er solle lediglich das Geld besorgen, den Rest werde er schon regeln, habe der Vermögensberater ihm gesagt. Die einmalige Gelegenheit, eine Penthousewohnung auf der Sternstraße im Wert von 100 000 Euro für knapp ein Drittel des Wertes zu kaufen, sei günstig, drängte er. Die Wohnung habe der Angeklagte später gewinnbringend verkaufen und ihm eine Provision von bis zu 3000 Euro zahlen wollen. Er habe den Freund schon gefragt, warum er nicht selber als Käufer auftrete, sagte der 35-Jährige der Richterin. "Er meinte, es würde besser aussehen, wenn eine Privatperson anstelle eines Immobilienmaklers die Wohnung kaufe."

Er habe dem Mann so vertraut, dass er ihm rund 26 000 Euro in seinem Büro übergab, ohne eine Quittung dafür zu erhalten. Auch als der Angeklagte ihn dann wochenlang immer wieder vertröstete, habe er keinen Verdacht geschöpft. Ganz im Gegenteil: Er habe ihm weitere 5000 Euro gegeben und Unterschriften geleistet, ohne sich die Unterlagen durchzulesen. Statt eines Grundbucheintrags, den er zu unterschreiben glaubte, unterschrieb er daher auch eine Abtretungserklärung.

Der Verteidiger stellte in Frage, dass ein recht gebildeter Mann wie der Zeuge sich so betrügen lassen würde. "Ich habe ihm vertraut, weil er mit Immobilien zu tun hat", rechtfertigte sich der 35-Jährige. Inzwischen habe sich sogar ein weiterer Bekannter an ihn gewendet und ihm erzählt, dass er ein ähnliches Angebot erhielt. "Dass ich naiv und dumm gehandelt habe, steht außer Frage", sagte der Zeuge. "Aber ich hoffe mal, die Gerechtigkeit siegt!"

Der Angeklagte trat selbstsicher und mit einem leichten Lächeln vor Gericht auf. Er wollte sich zu den Vorwürfen nicht äußern. Die Verhandlung wird am 15. Dezember fortgesetzt.

(BL)
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