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Krefeld
Prozessende mit Millionen-Euro-Deal?

Krefeld. 38-jähriger Angeklagter betrog zahlreiche Glücksspieler um 66 Millionen Euro.

Fast elf Monate dauert der Prozess vor dem Landgericht gegen den mutmaßlichen Kopf einer internationalen Betrügerbande. Jetzt könnte es ein schnelles Ende geben. Richter, Staatsanwaltschaft und Verteidigung haben Vorschläge gemacht, wie eine Einigung aussehen könnte. Dass dabei eine mehrjährige Freiheitsstrafe herauskommt, ist wohl allen Seiten klar.

Eine größere Diskrepanz gibt es bei der Frage, wie viele Millionen Euro Entschädigung fließen sollen. Dem 38-Jährigen wird vorgeworfen - unter anderem durch ein Krefelder Call-Center - Bürger um 66 Millionen Euro betrogen zu haben. Laut Anklage kassierte das Unternehmen Geld für Eintragungen bei über 200 Gewinnspieldiensten. Die angeblichen Teilnehmer hofften auf große auf hohe Gewinne, spielten in Wirklichkeit aber nie mit. Die Anklage geht von rund 270.000 Betrogenen zwischen Anfang 2008 und Ende 2012 aus. Nachdem das Landgericht eine Einigung in Aussicht stellte, um das Verfahren abzukürzen, hatte der Staatsanwalt von einer Haftstrafe zwischen fünf und fünfeinhalb Jahren gesprochen.

Voraussetzung: Der Angeklagte legt ein umfassendes Geständnis ab. Darüber hinaus regte der Vertreter der Anklage an, sechs Millionen Euro des 38-Jährigen für verfallen zu erklären. Außerdem müsse er eine Sicherungsleistung von einer Million Euro hinterlegen, wenn der Haftbefehl außer Vollzug gesetzt werden soll.

Darauf reagierten jetzt die Verteidiger. Die vorgeschlagene Freiheitsstrafe sei zu hoch, könne aber möglicherweise akzeptiert werden. Statt sechs Millionen Euro zu zahlen könne ihr Mandant Wohneinheiten für eine Million Euro verkaufen und den Erlös zur Verfügung stellen. Auch eine Kaution von einer Million sei undenkbar. Sie boten 100.000 Euro an. Der " Deal" ist noch nicht in trockenen Tüchern. Heute wird die Verhandlung fortgesetzt.

(BL)
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