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Krefeld
Publikum als Kabarettisten-Jury

Krefeld: Publikum als Kabarettisten-Jury
Die Kabarettisten, die um die Gunst des Publikums buhlten: Ibo Profen (v.li.), Paul Weil, Falk und Konstantin Korovin sowie Moderator Christoph Brüske. FOTO: Lammertz
Krefeld. Schon seit zehn Jahren wetteifern Künstler um den niederrheinischen Kabarettpreis "Das Schwarze Schaf". Eine Jury hat zwölf von ihnen ausgesucht, die gehen jetzt auf Tour. Das Krefelder Publikum votierte für Salim Samatou. Von Gert Holtmeyer

"Brüderlich mit Herz und Hand" - nicht nur die Vernachlässigung der Schwestern in unserer Nationalhymne sei politisch nicht korrekt, meinte ironisch Christoph Brüske. Der Kölner Kabarettist, der im Südbahnhof den Wettbewerb "Das Schwarze Schaf" moderierte, hatte noch mehr zu bemängeln. Dass nur Herz und Hand genannt würden, so sagte er spöttisch, diskriminiere alle nicht genannten Körperteile wie zum Beispiel Nieren und Füße.

Seit zehn Jahren wetteifern Nachwuchskabarettisten um den niederrheinischen Kabarettpreis. Über 90 haben sich in diesem Jahr beworben, eine Jury suchte zwölf von ihnen aus. Die stellen sich außer in Krefeld auch in Emmerich, Moers, Wesel und Duisburg an je zwei Abenden vor. Das Publikum trifft die Entscheidung über den Sieg.

Brüske machte darauf aufmerksam, dass die Grenzen zwischen Kabarett und Comedy nicht eng gezogen würden. So sah das Publikum eine bunte Mischung verschiedener Ansätze.

Den Anfang machte ein Bayer aus Berlin. Paul Weigl nahm mit seinem Talent, verschiedene Stimmlagen zu imitieren, deutsche Bürokratie aufs Korn. Mit Schnellsprechakrobatik zählte er den Wust an Formularen auf, die er für seinen Antrag auf Elterngeld anzuschleppen hatte.

Als Musikkabarettist mit der Gitarre verpackte Falk (ohne weiteren Namenszusatz) in einem Kinderlied lauter Erziehungsfehler, die leider nur allzu häufig gemacht werden. Das geschah natürlich pointiert, indem die Fehler als empfehlenswerte Handlungsanweisungen benannt wurden. "Schließlich", so Falk, gäbe es "keine Illusion, die sich nicht zu zerstören lohnt".

Über einen Migrationshintergrund verfügten mehrere Teilnehmer, die alle souverän in der deutschen Sprache zu Hause waren. Das galt auch für Konstantin Korovin, der ein Training für Grenzsituationen bewusst so darstellte, dass witzige Missverständnisse vorprogrammiert waren.

Wie er stammte auch Artem Zolotarov, der einen ganz anderen Ansatz wählte, ursprünglich aus Rumänien. Er wählte eine sensible, poetische Form der Darstellung und fand in seiner Lebensgeschichte reichlich Stoff, um sich mit der Problematik von Vorurteilsbildung auseinanderzusetzen.

Aus dem Senegal stammt Ibo Profen. Der pharmazeutisch klingende Name ist eine Abkürzung seiner vielen einzeln Namen. Köstlich, wie er, der wegen seiner Liebe zu deutscher Sprache und Dichtung nach Deutschland kam, seine Begegnung mit dem Saarländer Dialekt schilderte. Ebenso humorvoll gelangen ihm Wortspiele, die er als Lebensweisheiten seiner Großmutter darbot.

Publikumssieger dieses Abends wurde Salim Samatou, der als Marokkaner und Inder zwei Staatsangehörigkeiten sein eigen nennt. Er brachte sein Publikum mit schnellen und überraschenden Pointen immer wieder zum Lachen. Es ist ja auch schwer für seinen Hund zu begreifen, dass "wau wau" und "wuff wuff" in Indien "geri geri" heißen. Welch eine Umstellung für das arme Tier!

Quelle: RP
 
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