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Krefeld
Ralf Hütter - Kraftwerker ist 70

Krefeld: Ralf Hütter - Kraftwerker ist 70
Kraftwerk live in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf: Links steht der Krefelder Bandgründer Ralf Hütter am Mischpult. FOTO: Andreas Endermann
Krefeld. Er ist vielleicht der berühmteste Krefelder: Ralf Hütter. Der Gründer, Konstrukteur und Hüter des Erbes der weltbekannten Musikpioniere der Düsseldorfer Band Kraftwerk wurde am Samstag 70 Jahre alt. Von Norbert Stirken

Über den Jubilar privat ist nicht all zuviel bekannt. Er und sein kongenialer Partner Florian Schneider-Esleben behielten stets die alleinige Deutungshoheit zu allem, was mit ihrer Person und mit Kraftwerk zu tun hat. Notfalls zogen sie auch vor Gericht.

Der Mythos des Geheimnisvollen hat die Band Kraftwerk und Ralf Hütter von Beginn an begleitet. Der Krefelder aus wohlhabendem Hause hat dies mit seinem Partner Florian Schneider-Esleben stets befördert. Noch bevor sich die Wegbereiter der elektronischen Musik auf den Weg zu einer Weltkarriere begaben, umwitterte sie die Aura der unnahbaren, introvertierten und zielstrebigen Persönlichkeiten, die wussten, was sie wollten. Empathie hatte dabei keine Bedeutung, so hat es den Anschein, so wird es transportiert. Dafür waren im Umfeld von Kraftwerk andere zuständig, zumindest, wenn man den Ausführungen von Wolfgang Flür glauben darf. Der Schlagzeuger aus der erfolgreichsten Kraftwerk-Ära schrieb ein Buch mit dem Titel "Ich war ein Roboter".

Ganz so einfach war es dann doch nicht, quasi seine Memoiren zu veröffentlichen. Über die einzelnen Passagen wurde vor Gericht gestritten. Zu den Klägern zählte auch Hütter. Schlussendlich ist das Buch erschienen. Und so ist es Flür zu verdanken, dass es einige Passagen über Ralf Hütter gibt, die ihn als Menschen außerhalb seiner selbst gewählten Rolle als Mensch-Maschine im Kraftwerk-Kosmos beschreiben.

Über das erste Zusammentreffen im Sommer 1973 mit dem Krefelder schrieb der Buchautor: "Ralf saß mit eng überkreuzten Beinen auf der Bank. Er wirkte puppenhaft mit seinem hellen Teint. Schüchtern grinste er, aber offensichtlich genoss er die Situation. Mit seiner Kassengestellbrille aus den 50-er Jahren und seinen schulterlangen Haaren ähnelte er eher einer Figur aus einem klassischen Psycho-Film. Ralfs hautenge schwarze Lederhose war geradezu legendär für ihn. Der Stil von Jim Morrison von den Doors hatte ihn beeindruckt, das konnte ich sehen. Auch die spitzen Beatles-Stiefeletten sah man immer an ihm, er hatte wohl mehrere davon. Jedenfalls bemerkte ich fast immer nur diese Sorte Schuhe, außer weißer Mokassins, die er später, als wir unterwegs waren, eher mit weißer Schuhfarbe tünchte, anstatt sie zu putzen. Des Weiteren fielen mir Ralfs transparent lackierte Fingernägel auf. Er wirkte schon ganz schön kokett auf mich, und das gefiel mir gut, weil ich Männer mit femininen Attitüden mochte."

Solche Schilderungen sind seltene Momentaufnahmen, für die Karriere Hütters aber ohne Bedeutung. Mit Kraftwerk und den bekannten, stilprägenden Stücken wie Autobahn, Das Model, Radio-Aktivität und Die Roboter beeinflusste und inspirierte er Mega-Stars wie David Bowie, Depeche Mode und die Red Hot Chili Peppers. HipHop und Techno half er in die Startlöcher. Die New York Times bezeichnete Kraftwerk 1997 als die "Beatles der elektronischen Tanzmusik".

Hütter macht etwas ganz oder gar nicht: Sein Hobby Radfahren wurde zur Leidenschaft, er stürzte, er zog sich einen Schädelbasisbruch zu, aber er behielt seine Liebe zum Radfahren und fuhr Etappen der Tour de France nach. Genau so beharrlich wacht er über das Erbe Kraftwerks. In der Frage, wann eine kurze Musiksequenz ein Plagiat ist, streitet der Krefelder mit dem Musikproduzenten Moses Pelham, der einen Zwei-Sekunden-Rhythmus aus dem Stück Metall auf Metall für das Lied "Nur mir" von Sabrina Setlur verwendet hat - die Angelegenheit beschäftigte bereits den Bundesgerichtshof und dürfte letztlich vom Europäischen Gerichtshof geklärt werden.

Quelle: RP
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