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Krefeld
Randale in Flüchtlingshalle: Stadt verlegt 30 Syrer in andere Heime

Krefeld: Randale in Flüchtlingshalle: Stadt verlegt 30 Syrer in andere Heime
Flüchtlingsheim Josef-Koerver-Halle: Immer wieder ist es dort in den vergangenen Tagen zu Randale gekommen. Unser Foto datiert von gestern Mittag. Der Sicherheitsdienst wachte vor der Halle. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Von Dienstag bis zum gestrigen Donnerstag ist es in der Josef-Koerver-Halle immer wieder zu Polizeieinsätzen wegen Prügeleien gekommen. In der Halle leben 35 Flüchtlinge mehr als geplant. Von Sebastian Peters

Nach zahlreichen Polizeieinsätzen in der Josef-Koerver-Halle in den vergangenen Tagen wegen Streitigkeiten zwischen verschiedenen Asylbewerbergruppen zieht die Krefelder Stadtverwaltung jetzt die Reißleine: Wolfram Gottschalk, Leiter des Sozialamts, teilte gestern auf Anfrage mit, dass 30 Syrer von der Koerver-Halle in andere Flüchtlingsheime verlegt werden. "Wir sehen keine andere Möglichkeit", sagte Gottschalk.

Seit Wochen gibt es in der Koerver-Halle Streitigkeiten zwischen rivalisierenden Gruppen, nach Informationen unserer Redaktion handelt es sich dabei vorwiegend um eine zahlenmäßig stärkere Gruppe von Syrern und eine von Afghanen. Zu diesen beiden Gruppierungen sollen sich jeweils auch Flüchtlinge anderer Nationen gesellen. Nachdem es am Dienstag in der Koerver-Halle zu einer Prügelei zwischen fünf Personen wegen der Duschzeiten gekommen war, gab es in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag mehrere weitere Polizeieinsätze wegen Schlägereien. Zunächst prügelten sich mehrere Asylbewerber gegen 22.33 Uhr. Drei Beteiligte erlitten dabei Verletzungen, die in einem Krankenhaus behandelt wurden. Sechs Personen wurden zur Verhinderung weiterer Straftaten in Gewahrsam genommen. Unmittelbar nach Beendigung dieses Einsatzes kam es laut gestrigem Polizeibericht in der Unterkunft zu weiteren Konflikten: Um 23.43 Uhr und gegen 0.45 Uhr brach erneut Streit unter den Bewohnern aus. Im Verlaufe dessen wurden drei weitere Personen dem Polizeigewahrsam zugeführt. Sie mussten in einer Extra-Zelle bei der Polizei übernachten. Als sie gestern wieder auf freien Fuß kamen und ins Flüchtlingsheim zurückkehrten, eskalierte die Lage im Heim abermals. Bereits Ende Dezember 2015 waren in der Koerver-Halle 40 Asylbewerber in Streit geraten.

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Die Gründe für den Streit seien unterschiedlich - es gebe keine Hinweise auf interreligiöse oder ethnische Konflikte zwischen den Syrern und Afghanen, sagt Wolfram Gottschalk. "Es handelt sich offenbar um Streitigkeiten wegen alltäglicher Dinge. Die Enge spielt sicherlich eine Rolle." Eigentlich wollte die Stadt 150 Flüchtlinge in der Halle einquartieren, schon jetzt sind es aber 185. Wolfram Gottschalk betont: "Wir liegen aber immer noch unter einer Belegung anderer Städte. Man muss bedenken, dass die Koerver-Halle eine Dreifachsporthalle ist." Im Sommer sei die Zahl der Konflikte noch weit geringer gewesen. "Jetzt ist es kalt draußen, die Flüchtlinge bleiben mehr drinnen. Da kommt es zwangsläufig zu mehr Spannungen."

Die Stadtverwaltung reagiert jetzt mit der Verstärkung des Sicherheitsdienstes in der Koerver-Halle und der Umquartierung der 30 Syrer. "Es ist die zahlenmäßig stärkste Gruppe", sagt Sozialamtsleiter Wolfram Gottschalk. In der Konsequenz müssten andere Flüchtlinge dafür in die Koerver-Halle umsiedeln. In derartiger Massivität ist das Phänomen der Gewalt im Flüchtlingsheim in Krefeld neu. "Aber natürlich hatten wir in den vergangenen Monaten immer wieder kleinere Einsätze."

Fotos: Wo Flüchtlinge wohnen können FOTO: dpa, rwe jai
Quelle: RP
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