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Krefeld
Rat lenkt ein: A 57 ohne Tunnel

Krefeld. Die SPD-Fraktion hat sich am Donnerstag offiziell von der Tunnellösung verabschiedet, fordert aber besseren Lärmschutz. Auch die CDU wird wohl vom alten Ratsbeschluss Abstand nehmen. Der Weg für den sechsspurigen Ausbau ist frei. Von Sebastian Peters

Bei der nächsten Ratssitzung am 12. April wird sich die Politik von der Tunnellösung für die A 57 verabschieden. SPD-Fraktionschef Ulrich Hahnen hat gestern bei einer Pressekonferenz den Fraktionsbeschluss mitgeteilt, von der Tunnellösung Abstand nehmen zu wollen.

Auf Anfrage unserer Zeitung teilte danach CDU-Fraktionschef Wilfrid Fabel mit, dass er wegen der hohen Kosten gegen die Tunnellösung sei. Gespräche mit dem Land hätten ihn in dieser Position bestätigt, und: "Ich bin sicher, dass meine Fraktion das ähnlich sieht." Die CDU wird sich in zwei Wochen abstimmen und Forderungen formulieren. Zuvor hatten die Grünen die Tunnelvariante als zu teuer abgelehnt, die FDP ist immer noch für eine Tunnellösung in einem PPP-Modell.

Die SPD hat gestern für die nächste Ratssitzung einen neuen Antrag eingereicht, in dem die Abkehr vom Tunnel und die Forderung nach besserem Lärmschutz formuliert werden (siehe Infokasten). Fraktionschef Hahnen begründete die Kehrtwende: "Der A 57-Ausbau ist für den dramatisch ansteigenden Verkehr notwendig, wir wollen uns dem Ausbau nicht verschließen. Wir fordern dafür die bestmögliche Variante.

Da der Tunnel aber mit weit mehr als 700 Millionen Euro Kosten nicht finanzierbar ist, wie uns Bund und Land mehr als deutlich gemacht haben, sehen wir die Notwendigkeit eines neuen Ratsbeschlusses. Hahnen, gleichzeitig SPD-Landtagsabgeordneter, machte aber auch deutlich, dass man die jetzige Planung "auf keinen Fall akzeptieren kann." In ersten Gesprächen mit dem Land habe er Signale erhalten, dass der Lärmschutz gegenüber der aktuellen Variante mit gebogenem Lärmschutz in Teilbereichen und phasenweise Mittellärmschutz noch verbessert werden kann.

Die SPD fordert besseren Lärmschutz für zwei Drittel der gesamten A 57. In einzelnen Stadtteilen, zum Beispiel Elfrath, müsse auf beiden Seiten gebogener Lärmschutz her. In 14 Tagen, noch vor der Ratssitzung, will Hahnen mit dem Verkehrsministerium gesprochen haben. Die SPD verknüpft in diesem Ratsbeschluss die A 57-Frage mit der Entwicklung der B 288: Der Bund solle auf den Ausbau der Straße zur Autobahn und auf den Bau einer weiteren Rheinbrücke verzichten.

Das Einlenken kommt überraschend: Monatelang sammelten Mitglieder der SPD-Ortsvereine entlang der A 57 Stimmen für die Tunnellösung. Hahnen: "Das Sammeln der Stimmen diente dazu, den Druck auf Bund und Land möglichst lange zu halten."

SPD-Ratsherr Christoph Aretz, der mit Mitstreitern monatelang 1300 Stimmen pro Tunnellösung gesammelt hatte, sagte gestern unserer Zeitung: "Ich bin nicht glücklich mit dieser Lösung, habe mich aber der Mehrheit in meiner Fraktion gebeugt. Vonseiten des Landes haben wir zu hören bekommen: ,Der Tunnel ist so tot', so viele O's passen nicht zwischen die T's.' Dieser Realität muss man sich beugen." Aretz hofft nun, dass sein Stadtteil Elfrath optimalen Lärmschutz erhält und die Anbindung Elfraths ans Umland besser wird.

Quelle: RP
 
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